2. Tag

Als wir an Bord der „Aurora“ die Details für die bevorstehende Nilkreuzfahrt klären wollten, war der Manager nicht auffindbar. Nach langem hin und her per Telefon hieß es dann die Reisegruppe habe kurzfristig abgesagt und die Tour falle aus. Zurück an Land sprach uns Abdul an, der auch einen Laden hatte und uns ebenfalls eine Kabine vermitteln wollte. Wir versprachen am Abend wieder zu kommen und gönnten uns dann für die Fahrt zum Karnak-Tempel eine Kalesche, deren Fahrtpreis wir von 60 LE auf 20 LE herunter handelten.

Das Gelände des mit 1 km2 Fläche größten und bedeutendsten Heiligtums des alten Ägypten betraten wir auf der West-Ost-Achse über eine kurze Allee mit widderköpfigen Sphingen (Der Widder war das Symbol des Gottes Amun). Auf der rechten Innenwand des ersten Pylons findet sich eines von vielen historischen „Graffitis“, das von der Expedition Napoleons stammt, der 1798 mit seiner Armee in Alexandria gelandet war. Hinter dem zweiten Pylon befindet sich der weltweit einzigartige große Saal mit 134 Säulen. Die zwölf mittleren sind 21 m hoch, die übrigen haben eine Höhe von immerhin noch 15 m. Auf ihren Kapitellen, die ursprünglich ein Dach getragen haben, würden jeweils 50 Menschen stehend Platz finden. In dem dämmrigen Saal hatten zwischen den farbig bemalten Säulen seinerzeit die Statuen der Pharaonen gestanden, so dass der Gesamteindruck, den wenigen, die die Halle betreten durften, gehörigen Respekt eingeflößt haben dürfte. Heute gehört die Säulenhalle den Tempelwächtern, die den Touristen für ein Bakschisch vermeintlich interessante Reliefs oder Standpunkte für Fotos zeigen.

Hinter dem vierten Pylon steht noch einer der beiden Obelisken der Hatschepsut, mit 30 m der höchste in Ägypten. Thutmosis III. ließ um den unteren Teil herum eine Mauer errichten, um die Inschriften zu verbergen, die seine verhasste Stiefmutter priesen, die ihm bis zu ihrem Tod den Thron entrissen hatte. Der zweite Obelisk liegt zerbrochen am heiligen See.

Im Schatten unter dem rückwärtigen Osttor saßen drei Polizisten und zwei Wächter beim Mittagessen zusammen, das aus Fladenbrot, Schafskäse, Tomaten und Molokhia-Blättern bestand, die an Spinat erinnerten. Sie boten sofort ein Blatt zum Probieren an und empfahlen auf die eigentlich gesperrte Randmauer zu klettern, um einen besseren Überblick über die Tempelbauten zu haben. Für die „Sondererlaubnis“ wurde natürlich ein Bakschisch erwartet.

Aus dem hinteren Bereich, wo kaum Besucher waren, kehrten wir dann zum Eingang zurück, setzten uns auf eine Bank und beobachteten, wie mehrere Schulklassen und eine Reisegruppe nach der anderen die Anlage betraten. Einmal sahen wir zwei ganz in Schwarz gehüllte Frauen, die bis auf einen kleinen Sehschlitz komplett verschleiert waren, und mit ihren iPhones alles ausgiebig fotografierten.

Für die Rückfahrt nach Luxor hielten wir an der Hauptstraße einen Minibus an, der uns für 0,50 LE pro Person mitnahm. Bei Abdul bekamen wir dann Tee und ein schlechtes Angebot: 600 US$ für drei Tage Nilkreuzfahrt, die angeblich ursprünglich 1.200 US$ kosten sollte.

Zum Abendessen suchten wir anschließend einen Tipp von Mando auf und liefen rechts am Hotel Emilio vorbei, links in die erste Querstraße und dann die erste rechts auf die grüne Leuchtreklame des „Oum Hashim“ zu. Das kleine Restaurant hatte auf der Straße einen großen Holzkohlegrill und einen Hähnchenbrater im Halbkreis aufgestellt, in der Gaststube standen vier Tische vor der winzigen Küche. Das Essen war sehr gut, aber die englische Speisekarte, die uns der Chef strahlend präsentierte, hatte die üblichen hohen Touristenpreise. Erst wies er jeglichen Preisaufschlag zurück, ließ dann aber doch 10 LE nach. Auf dem Rückweg zum Hotel fotografierten wir noch den angestrahlten Luxor-Tempel, bis die Beleuchtung um kurz vor 21 Uhr abgeschaltet wurde.

Der rückwärtige Teil des Karnak Tempels hinter dem vierten Pylon.
Der rückwärtige Teil des Karnak Tempels hinter dem vierten Pylon.

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