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Wir hatten uns ganz bewusst für die Reisezeit Mitte Mai bis Anfang Juni entschieden. In den Wochen vor Einsetzen des Monsuns waren zwar Temperaturen von bis zu 45 °C zu erwarten, aber wir wollten die Chancen erhöhen Tiger zu sehen. Diese sind im heißen indischen Sommer besonders groß, weil sich Raubkatzen und Beute dann bevorzugt an den wenigen verbliebenen Wasserstellen aufhalten.

Die Routenplanung endete jedoch, wie schon bei der Guatemala-Reise, letztlich mit einer ganz anderen Strecke als am Anfang gedacht. Ursprünglich sollte es von Dehli über Khajuraho zum Bandhavgarh-Nationalpark gehen, der nach dem Ranthambore-Nationalpark die zweitbeste Adresse für Tigerbeobachtungen sein sollte. Von dort war die Weiterreise nach Varanasi geplant, mit den berühmten Ghats am Ganges, den Stufen am Ufer hinunter zum Wasser, die als Badestellen dienten. Dann wollten wir über die nepalesische Grenze zum Chitwan-Nationalpark und schließlich von Kathmandu zurück nach Hause fliegen. Bei der genaueren Recherche zum Bandhavgarh-Nationalpark stellte sich aber heraus, dass sich von dort in grob westlicher Richtung mit Kanha, Pench und Tadoba drei weitere Tigerparks wie Perlen an einer Schnur aneinanderreihten, bis zur Millionenstadt Nagpur, deren Existenz mir bis dato gar nicht bekannt gewesen war. Die Industriestadt gilt als „unverfälschtes Indien“ abseits der Touristenströme.

Bei der Buchung der Unterkünfte an den Nationalparks und der Pirschfahrten, die in Indien nicht „game drive“, sondern „jungle safari“ heißen, hatten wir dann die Qual der Wahl. Die Parks sind in mehrere Bereiche unterteilt, die wiederum Pufferzonen oder Kernzonen sein können. Täglich darf jeweils nur eine festgelegte Anzahl von Fahrzeugen hinein. Ist eine Zone ausgebucht, so gibt es mit der sogenannten Tatkal quota noch ein kleines Extra-Kontingent, das erst drei Tage vor dem Termin vergeben wird und eigentlich nur für kurzfristige VIP-Besuche gedacht ist. Um einen gewinnbringenden Handel mit den Tickets zu verhindern, muss man beim Buchen seine Passdaten angeben oder diesen gleich eingescannt mitschicken und auch die Gebühr sofort bezahlen. Mit einer Kreditkarte ist aber nur in Ausnahmefällen etwas auszurichten, stattdessen bekommt man die Daten eines indischen Bankkontos.

Da die Gebühren für Auslandsüberweisungen in nicht SEPA-Länder bekanntermaßen auch bei Online-Banken nach wie vor vergleichsweise hoch sind, bietet sich als Alternative ein anderer Zahlungsdienstleister an. Ich hatte beim Besuch des Ranthambore-Nationalparks 2017 die Safaris per Western Union bezahlt und wollte das wieder tun. Die Western Union-Webseite reagierte aber auf keine Eingabe von mir korrekt, oft auch gar nicht. Es stellte sich heraus, dass sie auf die Browser „Internet Explorer“ und „Google Chrome“ optimiert war, nicht aber auf den Firefox. Als ich Chrome installiert hatte, funktionierte dann wieder alles.

Die erste Überweisung von 20.000 INR klappte auch, aber die zweite mit einem etwa doppelt so hohen Betrag wurde gleich gestoppt, wie ich per Mail erfuhr. Erst sollte ich dann als Sender des Geldes meine Passdaten angeben, dann einen Scan meines Passes hochladen und schließlich verlangte man auch noch die Passdaten des Empfängers. Alternativ dazu sollte ich eine 0800-Service-Hotline anrufen, was ich auch tat. Nach einigen automatischen Abfragen mit Computerstimmen, begrüßte mich eine Dame auf Deutsch mit deutlichem osteuropäischen Akzent. Sie fragte mich nach dem Empfänger. Ich sagte das sei eine indische Lodge und der Herr, den ich in das Formular eingetragen habe, wäre mein Mailkontakt dort. Persönlich würde ich ihn aber gar nicht kennen. Da musste die Dame erst die zuständige Abteilung fragen und ich hing einige Minuten in der Warteschleife. Dann fragte sie mich, ob der Empfänger eine Firma sei. Ja, die Lodge ist gewissermaßen eine Firma. Da musste die Dame wieder die Abteilung fragen und erklärte mir nach einigen Minuten, dass man mit Western Union kein Geld an eine Firma überweisen sollte, die man nicht kennt. Es habe da schon einige Betrugsfälle gegeben. Als allgemeiner Ratschlag ist das sicher richtig, in diesem konkreten Fall war es aber nicht wirklich hilfreich.

Ich wollte dann wissen warum genau die zweite Überweisung gestoppt worden sei und fragte: Ist das Empfängerkonto bekannt und gab es schon mal Probleme damit? Oder gibt es ab einem gewissen Betrag automatisch eine zusätzliche Kontrollebene mit persönlichen Passabfragen. Ich bekam als Antwort, dass die Überweisung gestoppt worden sei, weil der Empfänger eine Firma sei. Auf meinen Einwand, dass sie das doch erst seit ein paar Minuten wisse, weil ich es ihr gesagt hatte, die Überweisung aber schon eine Stunde vorher gestoppt worden sei, ging sie nicht ein. Trotz mehrfacher Versuche konnte ich ihr auch nicht mehr verständlich machen, was ich eigentlich wissen wollte. Möglicherweise hatte ich mich trotz drei Anläufen nicht präzise genug ausgedrückt, vielleicht reichten die Deutschkenntnisse meines Gegenübers für solche Feinheiten aber einfach doch nicht aus. Meine abschließende Frage, mit welchem Teil der Welt ich eigentlich gerade telefonierte, wollte sie dann auch nicht beantworten. Dazu dürfe sie nichts sagen. Bei einer der Mails, die ich von Western Union bekommen hatte und die weitere Informationen zum Sender und später auch dem Empfänger der zweiten Transaktion angefordert hatten, entdeckte ich in der Signatur aber bei genauerem Hinsehen eine Adresse in der litauischen Hauptstadt Vilnius.

Als alternativen Zahlungsdienstleister entdeckte ich dann die mir bis dato unbekannte Firma TransferWise. Die „Referenzen“ im Netz waren zahlreich und überzeugend, die Anmeldung unkompliziert und die super strukturierte Webseite funktionierte auch mit dem Firefox. Bei der zweiten Überweisung kam aber auch eine Fehlermeldung, die besagte, dass die Direktbank meiner Kreditkarte die Transaktion nicht freigegeben habe. Ein Anruf bei der Hotline der Bank, die ein Call-Center in Deutschland unterhielt, brachte aber schnell Klarheit. Ich hatte das feste Tageslimit meiner Kreditkarte überschritten, 24 Stunden später funktionierte auch die zweite Überweisung.

Am 15. Mai, zwei Tage vor dem Abflug, bekam ich dann noch eine SMS von IndiGo, dass bei unserem Flug von Nagpur über Bangalore nach Goa, der Flug von Bangalore nach Goa gestrichen worden sei. Stattdessen hatte man uns auf den nächsten Flug drei Stunden später umgebucht, so dass wir erst um 1:20 Uhr nachts in Goa ankommen würden. Alternativ gab es jedoch die Möglichkeit selbst einen anderen Flug auszusuchen. Es gab auch eine bessere Verbindung, die allerdings geografisch total unsinnig erst wieder nach Dehli zum Ausgangspunkt unserer Reise führte und von dort gleich wieder zurück und weiter nach Goa. Was jedoch noch schlimmer war: Der Link zum Umbuchen funktionierte scheinbar nicht. Die Email, die ich dann per Antworten-Button geschickt hatte, kam sofort zurück, mit der Fehlermeldung, dass die Mailadresse nicht gefunden werden konnte.

Soweit der kleine Einblick in die Schwierigkeiten und den Aufwand, den eine individuelle Reiseplanung für Indien so mit sich bringen kann.

Doch dann ging es endlich los und wir kamen am Samstagmorgen um 6.35 Uhr mit dem RE1 und 25 Minuten Verspätung am Flughafen Düsseldorf an. Am Check-in und bei der Sicherheitskontrolle gab es aber keine Schlangen, so dass wir schnell am Gate waren. Um 8.45 Uhr starteten wir nach München, wo wir nach einer Stunde und 15 Minuten Flugzeit um 10.00 Uhr landeten. Dort wurde dann beim Check in das indische Visum kontrolliert, aber dieses Mal hatte ich die richtige Datei heruntergeladen und alles war ok. Daher bekamen wir einen grünen Stempel auf unsere Bordkarten.

Um 12.10 Uhr hob die Maschine nach Neu-Dehli schließlich ab. Die mit 7 Stunden und 35 Minuten veranschlagte Flugzeit verlängerte sich aber um eine Stunde, denn aufgrund eines kurzen militärischen Konflikts zwischen Indien und Pakistan war der pakistanische Luftraum seit Ende Februar gesperrt. Deshalb war ein Umweg über Muskat und Dubai erforderlich, so dass wir erst um 0.20 Uhr bei 27 °C auf dem Indira Gandhi Airport landeten. Die Passkontrolle dauerte dann nur wenige Minuten, weil dort fast mehr Beamte als Fluggäste zu finden waren. Zudem hatte man meine Fingerabdrücke von 2017 noch im Computer. Da hatte ich für die Einreise mit Visum in Tansania schon einen ganz anderen Zeitaufwand erlebt.

Vor dem Flughafen wurden wir dann gleich von Taxifahrern umlagert und die Fahrt ins nahe SRV Airport-Hotel gestaltete sich schwierig, denn unser Fahrer wollte uns viel lieber für 500 INR in die Innenstadt bringen. Die Gegend um das Hotel sei schlecht, argumentierte er zuerst. Dann war die Zufahrt zum Hotel wegen der anstehenden Parlamentswahl angeblich gesperrt und schließlich hielt er uns noch sein Telefon hin, damit uns sein Chef sagen konnte, dass wir uns kostenpflichtig zum Flughafen zurückbringen und dort dann vom Hotel abholen lassen sollten. Schließlich kamen wir aber doch noch an unserer Bleibe an, weil wir hartnäckig darauf bestanden dort eine feste und schon bezahlte Buchung zu haben. Um 2.05 Uhr Ortzeit waren wir dann endlich auf unseren Zimmern, aber noch gar nicht totmüde, denn es war bei dreieinhalb Stunden Zeitverschiebung ja erst 22.30 Uhr deutscher Zeit. So schauten wir uns noch etwas genauer in den einfachen Zimmern um und stellten fest, dass diese nicht wirklich sauber waren. Glücklicherweise war es ja nur für weniger als eine Nacht.

Bei der Ankunft auf dem Indira Gandhi Airport in Dehli geht es zuerst zur Einreisekontrolle, die mit evisa aber schnell erledigt ist.

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