11. Tag

Heute ließen wir es ruhiger angehen, erkundeten unser Resort auf Sanibel Island, das nicht besonders voll zu sein schien, und nahmen ein Bad im Golf von Mexiko. Da der weiße, feinkörnige Strand im Wasser nur ganz allmählich abfällt, kann man sehr weit draußen noch problemlos stehen. Als die Mittagshitze vorbei war, fuhr ich mit einem Fahrrad des Resorts zum J.N. Ding Darling National Wildlife Refuge. Benannt ist es seit 1967 nach Jay Norwood Darling, der seine politischen Cartoons, für die er 1923 und 1942 den Pulitzer-Preis erhielt, immer mit „Ding“ unterzeichnete. Während wir bisher aufgrund der Jahreszeit so gut wie keinen Mücken begegnet waren, war die Umgebung des Wildlife Drive von Unmengen winziger schwarzer Sandfliegen bevölkert. Sobald ich stehenblieb, spürte ich auf meiner Haut, die im Schatten lag viele kleine Bisse, während meine „Sonnenseite“ verschont blieb. In den Tümpeln am Straßenrand tummelten sich außerdem zahlreiche, urzeitliche Pfeilschwanzkrebse, die offensichtlich gerade mit der Paarung beschäftigt waren, denn sie hingen zu zweit oder auch zu viert übereinander und kamen dabei teilweise auch halb aus dem Wasser. In der Lagune waren unter anderem weiße Amerikanische Pelikane und aus dem Wasser springende Meeräschen (engl. Mullets) zu sehen. Für ihr Verhalten gibt es verschiedene Theorien, die von Spaß bis hin zu einer besseren Verdauung reichen.

Am Ende der Straße führte der Shell Mound Trail dann um einen Muschelhügel der Calusa Indianer herum, die Sanibel besiedelten, bis im Jahr 1850 die weißen Pioniere kamen. Diese betrieben bis 1926 Ackerbau auf der Insel, dann zerstörte ein Hurrikan die Felder. Heute ist der Tourismus die Haupteinnahmequelle. Die Calusa kontrollierten einst die gesamte südliche Golfküste von Marco Island bis Charlotte Harbour und siedelten in mehr als 60 Dörfern. Sie dominierten dabei alle anderen Stämme im südlichen Florida, denn sie hatten gut organisierte Krieger und trieben Handel bis zu den Keys, Miami und Sarasota. Ihre fähigen Handwerker schufen aus Muscheln, Knochen und Zähnen hübsche Schmuckstücke, die inzwischen sogar in Ohio, Wisconsin und Oklahoma gefunden wurden. Die wachsenden Sozialstrukturen dürften zu einem herrschenden Clan geführt haben, der die Expansion vorantrieb. Doch während die Calusa viele Hurrikans überstanden, von denen zwei Sanibel komplett überfluteten, endete ihre Kultur nach 12.000 Jahren mit der Ankunft der Europäer. Erhalten geblieben sind nur ihre Wohnhügel, die durch die methodische Ablagerung von Muschelschalen und anderem Abfall entstanden und bis zu 3 m hoch waren, so dass sie die natürliche, nur 1-2,5 m über dem Meeresspiegel liegende Landschaft überragten. Der kleine Höhenunterschied führte dabei schon zu einer völlig anderen Vegetation. Es konnten höhere Bäume wachsen und aus Gumbo Limbo, Lebenseichen und Sabal- bzw. Palmettopalmen bildete sich ein schattenspendendes Blätterdach. Die Palmen, die heutigen Nationalbäume Floridas, versorgten die Calusa außerdem mit kohlenhydratreichen Palmenherzen, auch Sumpfsalat genannt, während Blattstiele, Stämme und Wurzeln verschiedene Fasern für Seile, geflochtene Körbe und Stoffgewebe lieferten.

Mangrovenlandschaft im J.N. Ding Darling National Wildlife Refuge.
Mangrovenlandschaft im J.N. Ding Darling National Wildlife Refuge.

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