3. Tag

Nach dem Frühstück im fast verwaisten Restaurant mit mehr Personal als Gästen verließen wir um 9 Uhr das Resort und fuhren nach Pretoria. Dort sahen wir schon von weitem die Union Buildings auf einem Hügel im Stadtteil Arcadia. Der Weg hinauf durch die von blau-violett blühenden Jacaranda-Bäumen gesäumten Straßen eines besseren Wohnviertels war leicht zu finden und vor dem Gebäudekomplex mit den langen Kolonaden waren von den etwa 100 Parkplätzen noch einige frei. Zum Regierungssitz selbst hatten Besucher zwar keinen Zutritt, aber auf der anderen Straßenseite, wo die Souvenir-Händler dem Ort angemessen sehr zurückhaltend waren, erstreckte sich ein gepflegter Park über mehrere Terrassen den Hang hinab. Auf einem breiten Treppenabsatz steht dort eine 9 m hohe Nelson Mandela-Statue aus Bronze, die am 16. Dezember 2013, dem „Versöhnungstag“, enthüllt worden war, 11 Tage nach dem Tod des 95-jährigen der Ex-Präsidenten.

Am nahe gelegenen Church-Square in der quirligen, nicht sonderlich attraktiven Innenstadt stellte sich die Parksituation dann völlig anders dar. Am Straßenrand winkten aber jede Menge hilfsbereiter junger Männer und einer davon wies uns in eine enge Lücke ein. Der Weg dorthin führte zuerst an einem „Durchfahrt verboten“-Schild vorbei und entgegen der Fahrtrichtung in eine Seitenstraße zu einem freien Stück am Straßenrand, direkt unter einem „Parken verboten“-Schild. Außerdem stand in Sichtweite davon ein Polizist. Das sei alles kein Problem, meinte unser Helfer, für 100 Rand würde er den Ordnungshüter ggf. einfach bestechen, so dass unser Auto auf jeden Fall unbehelligt bleibe. Weil wir garnicht lange bleiben wollten, gab ich ihm 20 Rand und als er sich beschwerte noch weitere 20 Rand. Dann gingen wir um die Ecke zum Church Square. Die Straße rings herum war zwar gerade komplett aufgerissen, davon abgesehen sah der Platz jedoch ganz nett aus, mehr aber auch nicht. Dennoch ist der Ort geschichtlich bedeutend. Ursprünglich der Lagerplatz für die Buren, die zum Abendmahl der niederländisch reformierten Kirche in die Stadt kamen, fand dort 1904 auch die Gedenkfeier für den Regierungschef Paul Kruger mit 30.000 Trauernden statt. Der Justizpalast war außerdem 1963/64 Schauplatz des Rivonia-Prozeßes, in dem Mandela und andere ANC-Führer zu lebenslanger Haft verurteilt wurden. Als wir nach 20 Minuten wieder am Auto ankamen, kam unser Parkhelfer und wollte mehr Geld, denn die 40 Rand hätte er dem Polizisten geben müssen. Wir ließen ihn einfach stehen und erfuhren später bei einem Imbiss-Stopp bei McDonalds von zwei älteren südafrikanischen Ehepaaren, dass man solchen Leuten gar kein Geld geben solle, oder höchstens 5 Rand. Auch an den Tankstellen sei kein Trinkgeld üblich. Die Weiterfahrt auf der komfortablen, mautpflichtigen N4, die zunächst vierspurig mit einem breiten Grünstreifen in der Mitte an eine US-Interstate erinnerte, führte zunächst vorbei an riesigen Rinderweiden und Ackerflächen, die passend zur Straße aussahen wie im mittleren Westen der USA. Unterwegs passierten wir auch einen Abschnitt mit „Hijacking Hotspot“-Warnschildern und vielen Geschwindigkeitskontrollen der mit Laser-Messpistolen bewaffneten Polizei, die die Verkehrssünder kurzerhand mitten auf der Autobahn anhielt und auf den Grünstreifen dirigierte, wo schon eine kleine Warteschlange stand. Auf den Rat der Südafrikaner hin bogen wir nicht auf die R36 nach Lydenburg ab, die schlecht und mit Schlaglöchern übersät sei, sondern auf die R37 zu den Sudwala Caves. Die Strecke dorthin, schon vor Sabie als Panorama-Route ausgeschildert, führte kurvenreich bergauf und bergab durch hügeliges Gelände mit ausgedehnten Eukalyptus- und Kiefern-Monokulturen sowie großflächigen Kahlschlägen. In einem Tal erstreckte sich über mehrere Kilometer eine Orangenplantage und gegen 18.30 Uhr kamen wir dann endlich an der alten Mine an. Dort wurden wir von Sparky, Speedy und Susi, den drei Hunden des Hauses, freudig begrüßt. Johann und Ina wiesen uns sofort sehr gesprächig ein. Für das Abendessen reservierte Johann auch gleich einen der neun Tische im „Abe‘ at The Glass House“ im nahen Graskop. Das gemütliche Restaurant ist unter anderem für sein Bobotie berühmt, einen scharf gewürzten Hackbraten, der mit Gemüse und Früchten gemischt, und dann mit einer Eiermilch-Deckschicht im Ofen gebacken wird. Das traditionelle Gericht geht auf indonesische Einwanderer zurück. Als wir um 20.45 Uhr in völliger Finsternis zurückfuhren, waren in Graskop die Bürgersteige schon hochgeklappt

Der Church Square in Pretoria.
Der Church Square in Pretoria.

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