11. Tag

Die Nachfrage bei einer Polizeiwache nach dem Weg zur chilenischen Grenze brachte uns die Eskorte eines vollbesetzten Streifenwagens bis zum Stadtrand ein. Nach der 50 km langen Fahrt durch eine wüstenähnliche Dünenlandschaft benötigten wir ca. 1,5 Std. bis alle Formulare ausgefüllt und abgestempelt, und unser komplettes Gepäck durchleuchtet worden war. In Arica auf Meereshöhe, das uns mit einem großen Plakat als Stadt des ewigen Frühlings begrüßte, machten wir kurz Halt am Strand. Während uns der Wind den würzigen Geruch des Pazifiks um die Nase wehte, sahen wir ein paar Surfern zu, die auf der heranrollenden Brandung zu reiten versuchten. Einer von ihnen kam kurz darauf an Land und stellte sich uns als Surfsport-Fotograf vor, der jedoch kaum Bilder von sich selbst hatte. Deshalb bat er uns ihm unsere Schnappschüsse per e-mail zuzusenden.

In der Stadt erwies sich die Suche nach einer Bank als unerwartet zeitaufwändig, erst in der Fußgängerzone wurden wir schließlich fündig. Die Banken dort wechselten zwar kein Bargeld, verfügten aber alle über einen Geldautomaten. Die Geschäfte und die sommerlich gekleideten Passanten machten im Vergleich zu unseren bisherigen Reiseeindrücken in den beiden Nachbarländern einen sehr westlichen Eindruck, wir bekamen sogar einen Flyer für die Erotik-Show einer örtlichen Diskothek. Man sah auf den ersten Blick, dass Chile ein sehr viel reicheres Land als Bolivien und Peru ist. Nach dem Großeinkauf in einem Supermarkt machten wir uns gegen 13.30 Uhr endlich auf den Weg in den Lauca-Nationalpark. Die Straße schraubte sich auf nur 120 km durch eine karge, sandige Landschaft mit einem Streckenabschnitt voller Kakteen von Meereshöhe auf 4.500 m hinauf. In Putre füllten wir den Tank unseres Nissan, der nicht zuletzt aufgrund der Höhe 25-30 l Benzin auf 100 km verbrauchte, mit Kanistern aus einem Gemischtwarenladen wieder auf. Dabei zeigte uns der Verkäufer, der im Vergleich zur Tankstelle in Arica einen 25%-igen Preisaufschlag kassiert hatte, einen Trick zum Umfüllen ohne am Schlauch saugen zu müssen: Wenn man den Schlauch in den Kanister steckt, die Öffnung dann mit Hand gut abdichtet und kräftig hineinbläst, läuft das Benzin auch von ganz allein heraus.

Als wir den Lago Chungara mit dem 6.330 m hohen Bilderbuchvulkan Parinacota im Hintergrund erreichten, fanden wir das dortige Refugio geschlossen vor. Also schlugen wir etwas abseits der Straße unser Zelt auf. Während tagsüber T-Shirt Temperaturen geherrscht hatten, wurde es fast schlagartig bitterkalt, sobald die Sonne gegen 18.30 Uhr untergegangen war. Daher waren wir schon um 20 Uhr mehr oder weniger dick eingepackt in unseren Schlafsäcken verschwunden, allerdings wurden wir gegen 22.30 Uhr unsanft wieder geweckt, als die laute Aufforderung erklang unverzüglich herauszukommen. Wir verließen also das in helles Scheinwerferlicht getauchte Zelt und sahen zwei chilenische Polizisten auf nächtlicher Streife, die mit gezogenen Maschinenpistolen nach unseren Pässen verlangten. Aufgrund der nur 18 km entfernten bolivianischen Grenze waren sie auf Drogenjagd und erklärten, wir würden direkt neben einem Schmugglerpfad campieren. Nachdem wir zugesichert hatten am nächsten Tag zu verschwinden, ließen sie uns zurück in die Schlafsäcke.

Yareta-Polster vor den Vulkanen Parinacota (vorn) und Pomerape (hinten) im Lauca-Nationalpark.

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