4. Tag

Beim sehr reichhaltigen Frühstück gab uns Ina eine Visitenkarte der „Roadside Anti-Corruption Initiative“ mit zwei Hotline-Nummern, die wir bei dubiosen Forderungen im Rahmen einer Polizeikontrolle einfach vorzeigen sollten. Außerdem riet sie eine verhängte Strafe nie bar zu bezahlen, da die Beamten z.B. gerne Touristen anhielten, die selbiges vor einem der allgegenwärtigen Stop-Schilder nicht getan hatten, um sie dann auf eigene Rechnung zur Kasse zu bitten.

Da es über God’s Window noch sehr neblig aussah, erkundeten wir zuerst das weitläufige Gelände unserer Unterkunft mit Gartenteich, Gemüsegarten und Ziegengatter. Anschließend spazierten wir auf einem gepflegten Weg etwa 1 km den Hang hinauf zur alten Mine. Diese entpuppte sich als felsiges Loch von ca. 3 m Seitenlänge und 10 m Tiefe. Der Weg führte von dort noch ein Stück weiter zum Grab des letzten Goldgräbers, dem 2012 68-jährig verstorbenen Alois Mauthe, mit einer kleinen Bank daneben. Auf die Lehne war ein Schild geschraubt: „Von Deinen Frühschoppenfreunden“.

Dann fuhren wir nach Pilgrims Rest, einen restaurierten Bergbau-Ort von 1873 und Zeugnis des größten Goldrauschs von Südafrika. Außer uns war erst eine Handvoll Touristen da und alles wirkte verschlafen. Auch die Souvenirstände wurden gerade erst aufgebaut. Die alten Häuser mit bunten Wellblechdächern waren aber nett anzusehen, als wir die nur wenige hundert Meter lange Hauptstraße unter blühenden Jacaranda-Bäumen entlang flanierten. Zu Zeiten von Alec „Wheelbarrow“ (Schubkarre) Patterson, der vom Ort „Mac Mac“, der aufgrund der vielen schottischen Lizenzhalter so genannt wurde, als erster in die Gegend des Pilgrims Creek weiterzog, waren die örtlichen Verhältnisse allerdings noch sehr einfach und ziemlich unhygienisch, denn bald wohnten dort 1.500 Goldgräber in ihren Zelten. 1881 war das leicht erreichbare Schwemmgold aus dem Flüsschen Pilgrim aber schon nahezu erschöpft und es waren Maschinen nötig, um nun das Gold aus dem Gestein zu gewinnen. So wechselte das Geschäft von den kleinen Schürfern zu kapitalkräftigen Minengesellschaften. Die vereinigte „Transvaal Gold Mining Estates Ltd.“ (TGME) forstete zudem ab 1910 die ersten Flächen mit Eukalyptus- und Akazienbäumen wieder auf. Das schnell wachsende Holz sicherte die Versorgung der Gruben und war so gewinnbringend, dass es sogar die Verluste des Goldbergbaus ausgleichen konnte. Die letzte Grube schloß letztlich 1971 und 1986 wurde Pilgrims Rest zum „National Monument“ erklärt. Als wir zum Auto zurückkehrten, hatte es der freundliche Junge, der uns eine Stunde zuvor auf dem ohnehin leeren Parkplatz eingewiesen hatte, mit seinem Kollegen komplett gewaschen. Ich fragte ihn was in aller Welt er getan habe, denn er habe die Säuberungsaktion weder angeboten, noch hätten wir ihn darum gebeten. Normalerweise wurde dann immer versucht 60 Rand als Lohn zu bekommen, was bei dem Pärchen, dem das nun blitzblanke Auto neben unserem gehörte, auch gelang. Aber in unserem Fall war der Junge so verunsichert, dass er nur noch halbherzig bat ihn doch zu unterstützen und dann beiseite trat. Später meinte Ina mein Verhalten, für derartige ungefragt aufgedrängte Dienstleistungen nicht zu bezahlen, sei genau richtig gewesen.

Um die bestmögliche Sicht von God’s Window zu haben, das noch immer wolkenverhangen war, als wir dort ankamen, fuhren wir zunächst weiter zu den hübsch gelegenen, kleinen Berlin und Lisbon Falls. Dann ging es weiter zum Wonder View, wo wir im nachlassenden Dunst einen Panoramablick auf die Spuren der Forstwirtschaft auf den umliegenden Hügeln hatten. Anschließend kehrten wir nach Graskop zurück, wo wir bei Harrie’s, das nur bis 17 Uhr geöffnet hatte, die berühmten, wirklich leckeren und üppig gefüllten Pfannekuchen probierten. Als wir später wieder bei God’s Window ankamen, hatten wir dort eine klare Sicht auf die Hänge mit subtropischer Vegetation und das Lowveld. Wir erkundeten dann noch den Rainforest Trail, der durch üppiges Grün führte, und fuhren weiter zum Pinnacle, einer aus einer Schlucht aufragenden Granitsäule. Als wir diese um 16.20 Uhr erreichten, war die Kassiererin für den Eintritt schon nach Hause gegangen, obwohl die Besuchszeit erst um 17 Uhr endete. Also fuhren wir einfach auf den Parkplatz. Nach einem Stop beim Supermarkt in Graskop wurden wir an der alten Mine wieder von den drei Hunden stürmisch empfangen.

Häuserzeile im historischen Bergbau-Ort "Pilgrims Rest".
Häuserzeile im historischen Bergbau-Ort „Pilgrims Rest“.

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