7. Tag

Als wir um 6 Uhr zum Frühstück gingen, lag noch Nebel über dem Bergwald, denn in der Nacht hatte es zwei Mal heftig geregnet. Der Nebel löste sich dann aber schnell auf und als wir um 7.30 Uhr los fuhren, gab es stellenweise schon wieder blauen Himmel. Wir passierten die Descend Road, doch kurz darauf wurde die Straße zu einer fürchterlichen Wellblechpiste, die unseren RAV4 ordentlich durchrüttelte. Obwohl wir mit maximal 40 km/h weiter fuhren und immer wieder von deutlich schnelleren Safari-Fahrzeugen überholt wurden, war unser Stoßdämpfer rechts hinten, der von Anfang an immer mal wieder durchgeschlagen hatte, nach nur wenigen Kilometern endgültig defekt. Wenn wir danach auf den schlimmsten Abschnitten schneller als 20 km/h waren, schlug jede Bodenwelle voll durch und der Stoßdämpfer knallte laut und metallisch. Wir fuhren aber vorsichtig weiter durch die Steppe mit ihren charakteristischen Schirmakazien, kleine Massaidörfern und Hirten mit ihren Herden. Schließlich erreichten wir nach 80 km dann den Abzweig zur noch 20 km entfernten Ndutu Safari Lodge. Eine Fahrspur aus festem Lehm führte querfeldein durch das trockene Gras und später durch ein lichtes Waldgebiet. Dort waren die Fahrspuren streckenweise tief ausgefahren und mit Schlamm gefüllt. Als wir die Lodge gegen 12.30 Uhr erreichten, schilderten wir dem stellvertretenden Manager Stephen gleich unser Auto-Problem. Er erwiderte sein Mechaniker sei gerade zum Gemüse kaufen in Karatu und könne versuchen dort einen neuen Stoßdämpfer zu besorgen. Letztendlich kam der Mann dann am späten Abend tatsächlich mit einem gebrauchten Ersatzteil zurück.

Am Nachmittag erkundeten wir mit unserem Auto ganz vorsichtig die Umgebung der Lodge. Zuerst fuhren wir zum Lake Ndutu und mussten feststellen, dass unser Fahrzeug für die Gegend nicht wirklich geeignet war, denn dort durfte man noch Offroad fahren. Deshalb gab es viele Spuren, die tief ausgefahren waren, schlammige Passagen und sogar Furten durch unter Wasser stehende Bereiche. Nachdem wir einmal in einer schlammigen Pfütze stecken geblieben waren und das Auto mit zugeschaltetem Allrad-Antrieb so gerade noch hatten befreien können, beschränkten wir uns mit unserem Vehikel, das nun stark an einen grünen Elefanten nach dem Schlammbad erinnerte, auf die Hauptpiste zum nahen Lake Masek. Dieser ist tiefer als der Lake Ndutu und trocknet nur selten komplett aus, deshalb gibt es dort eine kleine Flusspferd-Population. Wir fuhren bis ans Ufer und konnten in der Ferne einige Flamingos und auch einige Flusspferde beobachten, die langsam an uns vorbei zogen. Später zog zudem noch ein Gewitter mit beeindruckenden Wolken an uns vorbei.

In der Ndutu-Lodge leisteten uns beim Abendessen dann einige Ginsterkatzen Gesellschaft, die unter der Decke des Haupthauses ihre eigenen Klettersteige hatten und auch eine kleine Fleischmahlzeit bekamen. Anschließend unterhielten wir uns noch lange mit Bob Johnson, der eigentlich schon ins Bett wollte, uns schließlich aber einige seiner tollen Fotos zeigte. Bob war in Großbritannien hauptberuflich Vertriebsingenieur für ein deutsches Unternehmen aus Mönchengladbach, bot daneben aber seit 15 Jahren exklusive Fotoreisen in das Ndutu-Gebiet an. Er war gerade seit elf Tagen mit einer Gruppe vor Ort und reiste am nächsten Tag ab. Ausgerüstet mit einer Canon 1DX und einem 600-er Teleobjektiv, hatte er tolle Löwen-,  Geparden- und Leopardenbilder, auch spektakuläre Jagdszenen, im schönsten Morgen- und Abendlicht sowie viele weitere Supermotive zu bieten. An Foto-Wettbewerben mochte er sich zwar nicht beteiligen, hat aber eine Facebook-Seite und hält in seiner Heimat regelmäßig Vorträge zu seinen Tansaniareisen und kennt sich auch mit der dortigen Fauna sehr gut aus. Einmal habe er einer Gepardenmutter mit vier Jungen an fünf Tagen hintereinander in der Wildnis folgen können, an den vergangenen beiden Tagen habe aber auch sein erfahrener Guide keine Raubkatzen in der Gegend finden können. In diesem Zusammenhang erzählte Bob, dass sich die Fahrer, wenn sie sich gut kennen, nur über Codeworte verraten was sie wo gesehen haben, damit nicht alle, die den Funkverkehr mithören, Bescheid wissen.

Im Haupthaus der Ndutu-Lodge leisten einige Ginsterkatzen den Gästen beim Abendessen Gesellschaft, die unter der Decke eigene Klettersteige haben.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Ich akzeptiere

Autor *:

Webseite: