20. Tag

Wir verließen Sandwich auf der alten Route 6A und machten dann einen Abstecher nach Hyannis an der Südküste, den Sommersitz der Kennedys. Dort standen auf einer Wiese vor einer Kirche zahlreiche Paletten mit Kürbissen und ein Schild „The pumpkin patch“. Daneben saßen drei ältere Damen unter einem Zeltdach und erklärten, dass sie jedes Jahr 4.000 Kürbisse von der Navajo Reservation aus New Mexico bekommen, die sie dann vom 1.-31. Oktober für einen guten Zweck verkaufen. Wieder zurück auf der alleeartigen Route 6A hielten wir in Yarmouth am Hallet’s Store, der „old fashioned“ Limonade und Eis anbietet. Der 1889 als Apotheke eröffnete Laden war aber eher schmucklos eingerichtet, das Museum im 1. Stock geschlossen und in den Regalen standen nur einige, etwas verloren wirkende Limonadenflaschen. Wir probierten dann die Sarsaparilla-Variante. Die namensgebende Stechwinde ist eine amerikanische Spezialität, hat einen hustensaft-ähnlichen Geschmack und war früher Bestandteil des root beers. Vorbei an hübschen Häuschen, bunten Herbstbäumen und vielen schon geschlossenen Motels mit Schildern „Thank you for the great season, see you again in may 2013“ erreichten wir schließlich Provincetown. In der Nähe des Touristenorts mit 3.200 Einwohnern und sehr engen Straßen landeten einst die Pilgerväter an der Spitze des Kaps. Das 80 m hohe, einem toskanischen Campanile nachempfundene Pilgrim Monument erinnert unübersehbar daran. Im frühen 19. Jh. blühte die Stadt in der Ära des Walfangs auf und später entdeckten Maler wie Edward Hopper oder Jackson Pollock die einsamen Strände der heutigen Künstler- und Schwulenkolonie.

Durch Dünen und kleine Wäldchen fuhren wir am Nachmittag zur Race Point Beach, einem 13 km langen Sandstrand, der mit einem für eine Woche gültigen Angel-permit auch mit 4WD-Geländewagen befahren werden darf. Beim Strandspaziergang entdeckten wir viele handtellergroße Schneckenhäuser im Sand, in denen aber noch die Bewohner steckten und auf die nächste Flut warteten, sowie drei kleine, tote Haie, über die sich die Möwen hermachten. Und ich traf David Zeller, einen Versicherungsmakler aus Lynn in Massachusetts, der mit Wagen, Freund, Angelausrüstung und Kamera hergekommen war. Während wir uns unterhielten, patrouillierten nur wenige Meter entfernt mehrere Seehunde im Wasser auf und ab, warfen immer wieder prüfende Blicke auf das Geschehen am Strand und warteten darauf einem der Angler den Fisch direkt vom Haken wegzuschnappen, wie David erklärte. Deutlich weiter draußen sahen wir dann auch kurz zwei Delfine oder kleine Wale vorbeiziehen. In den Dünenwäldern gebe es außerdem wilde Truthähne, Füchse und einige Kojoten. Vor nicht allzu langer Zeit sei dort sogar ein Schwarzbär aufgetaucht, den die Zeitungen drei Wochen lang feierten, weil er seit Jahrzehnten der erste war, der den Cap Cod-Kanal überwunden und die 60 Meilen bis zur Kapspitze zurückgelegt hatte. Dann wurde das Tier jedoch narkotisiert und umgesiedelt.

Kirche mit Pumpkin Patch in Hyannis auf Cap Cod.
Kirche mit Pumpkin Patch in Hyannis auf Cap Cod.

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