17. Tag

Bei unserer Fahrt durch den Park entdeckten wir zum Abschluß passenderweise noch ein dösendes Nashorn unter einem Baum. Die anschließende Tagesetappe über die gut ausgebaute N2 verlief dann zügig und führte erst durch Eukalyptus-Haine, später vorbei an landwirtschaftlichen Flächen und schließlich durch grasgrüne Hügel mit dem Indischen Ozean in Sichtweite. Das Ziel Umhlanga Rocks entpuppte sich allerdings nicht als lieblicher Vorort, sondern als „Bettenburg“ mit dem „Gateway Theatre of Shopping“, das nach der jüngsten Erweiterung angeblich vom größten Einkaufszentrum der südlichen Hemisphäre zum größten der Welt geworden ist. Unsere Gastgeberin Jessica empfahl uns auch einen Besuch dort, auf den wir aber verzichteten. Stattdessen spazierten wir, auf einem Bohlenweg vorbei an einem Schilfdickicht mit vielen Webervögeln und ihren Nestern, durch das Lagoon Nature Reserve zum Strand. Fußgänger waren in den Straßen mit den gepflegten Anwesen hinter hohen, oft mit Stacheldraht oder Elektrozäunen bewehrten Mauern und schweren Toren aber wohl eigentlich nicht vorgesehen, denn Bürgersteige gab es keine. Am Strand, wo sich ein Hochhaus an das andere reihte, konnte man aufgrund der hohen Wellen auch nicht schwimmen. Die Promenade war aber belagert von tausenden feierwütigen Schülern, die, ähnlich dem amerikanischen Spring Break in Daytona Beach in Florida, zum „Matric Rage“ in dem Ferienort einfielen, um die Zeit zwischen Schulabschluß und Studienbeginn sinnvoll zu nutzen.

Jessica erzählte uns später, dass sie aus Simbabwe stamme, aber mit ihrem Mann nach Südafrika gekommen sei, als es mit ihrer Heimat wirtschaftlich bergab ging, was jedoch bedauerlicherweise seit einigen Jahren auch in Südafrika der Fall sei. Das Ehepaar war auch einmal in Deutschland gewesen, als BMW Jessicas Gatten in Südafrika als Servicetechniker des Jahres ausgezeichnet und nach München eingeladen hatte. In einer Woche hätten sie dann mit einem BMW-Leihwagen Touren bis Schloß Neuschwanstein, Österreich und sogar Italien gemacht. Wenn sie in Südafrika mal einen Tapetenwechsel brauche, so fahre sie dagegen oft für eine Woche auf die von uns bereits für den nächsten Tag gebuchte Ardmore Guest Farm. Die Leute dort seien nett, die Landschaft schön und das Essen bodenständig, aber gut. Für einen längeren, zweiwöchigen Urlaub bucht sie dagegen seit vielen Jahren ein ganz bestimmtes Cottage im Lower Sabie Restcamp im Krüger-Nationalpark. Dort hätte sie unter anderem schon über mehrere Tage von der Terrasse des Restaurants aus einen Löwen den Flussen durchqueren sehen und bei Pirschfahrten recht häufig Leoparden beobachten können. Einer habe z.B. minutenlang seine erbeutete Antilope auf einen Baum und dort dann von einer Astgabel zur nächsten geschleppt. Eine Freundin von Jessica hatte zudem früher ein B&B in Graskop, dieses dann aber irgendwann abgegeben, weil es dort inzwischen so viele günstige Unterkünfte gebe, dass sie kein Geld mehr verdienen konnte.

Am Abend fuhren wir zum Essen ins noble Oyster Box-Hotel. Vom Restaurant hatten man einen guten Blick auf den Leuchtturm und das Meer, wo etwa 20 große Frachter auf Reede lagen, offensichtlich um die Hafengebühren von Durban zu sparen.

Blick von Umhlanga Rocks auf die Skyline von Durban.
Blick von Umhlanga Rocks auf die Skyline von Durban.

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