15. Tag

Heute klingelte der Wecker erst um 7 Uhr. Frühstück sollte es um 7.30 Uhr geben, es dauerte aber schließlich doch bis 8 Uhr, bis alles vorbereitet war. Um 10 Uhr wurden wir dann abgeholt und zum 242 km entfernten Tadoba-Nationalpark gebracht. Das Schutzgebiet ist vergleichsweise abgelegen, die Straße dorthin aber in einem guten Zustand. Auf den letzten km kamen wir durch einige Dörfer, wo teilweise die Zeit stehen geblieben zu sein schien. Es gab dort flache Häuser mit buckeligen Ziegeldächern und Wänden aus Lehm oder geflochtenen Matten. Zudem standen auf vielen kleinen Höfen große Heuhaufen und einige Karren für Ochsengespanne, die vereinzelt auch auf der Straße unterwegs waren.

Als wir um 14 Uhr pünktlich zum Mittagessen im Serai Tiger Camp ankamen, wollte der Fahrer dann zu den vereinbarten 5.500 INR zusätzlich noch 400 INR für die unterwegs angefallene Straßenmaut haben, die jedoch immer im Preis eingeschlossen ist. Erst nach einem Telefonat mit der Rezeption des Pench Jungle Camps sah er das ein und fuhr davon.

Nach dem Mittagessen unterhielten wir uns mit Sumantha, der im Corbett-Nationalpark am Fuß des Himalayas arbeitete. Er zeigte uns auf seinem Laptop Fotos und Videos, die er im Tadoba-Nationalpark gemacht hatte. Ein Clip zeigte drei Tiger, die im Wasser des Tadoba-Sees mit einem dicken Ast spielten, ein anderer einen Lippenbären und ein dritter ein Krokodil, das am Ufer sein Nest bewachte. Sumantha erzählte, dass die Tigerzahlen in Indien so angestiegen wären, dass sie die Schutzgebiete an ihre Kapazitätsgrenzen bringen würden. Deshalb gebe es Pläne, wie in Afrika oder den USA und Kanada einzelne Nationalparks mit Korridoren zu verbinden, was aufgrund der immer neuen Straßen, Bahnlinien, Staudämme und anderer Infrastrukturmaßnahmen aber nicht leicht sei. Durch die auch in Indien herrschende Landflucht sei es jedoch oft möglich die Schutzgebiete selbst etwas zu vergrößern, wenn die umliegenden Dörfer von den Bewohnern aufgegeben würden. Um den Stress für die Tiere, vor allem für die Tiger, die natürlich jeder Besucher sehen möchte, zu senken, habe die Regierung zudem die Zahl der zugelassenen Gypsys beispielsweise in Bandhavgarh spürbar reduziert. Das habe einige der umliegenden Resorts in wirtschaftliche Schwierigkeiten gebracht, wie wir ja selbst hatten feststellen müssen.

Der Naturschutz in Indien sei aber nicht profitorientiert, erklärte Sumantha, und so sei Ranthambore der einzige Nationalpark des Landes, der Gewinne erwirtschafte. Alle anderen würden bezuschusst. Zudem hätten nur die Ranger des Kaziranga-Nationalparks zum Schutz der dortigen seltenen Panzer-Nashörner die Erlaubnis zuerst auf Wilderer zu schießen. Die BBC habe dann einen kritischen Bericht darüber gebracht und die Behörden damit so verärgert, dass diese den britischen Sender mit einem fünfjährigen Drehverbot belegt hätten. Diese harte Entscheidung sei jedoch kontrovers diskutiert worden, denn schließlich sei Indien eine Demokratie mit freien Medien.

Sumantha selbst fand es aber auch schade, dass es so wenige positiven Meldungen über die indischen Fortschritte im Naturschutz gebe und wunderte sich über die fehlenden Filme und Artikel über die chinesischen Schwarzmärkte für Rhino-Horn und Tigerteile. Denn die Wilderei in Indien bediene zu 90% den chinesischen Markt. Zudem wünschte er sich einen Bericht über die Erfolge beim Schutz des Schneeleoparden, die dazu geführt hätten, dass inzwischen fast jede Beobachtungs-Expedition auch eine Sichtung verbuchen könne. Allerdings sagte Sumantha auch, dass jedes Jahr noch immer 50.000 Inder durch Wildtiere sterben, über 90% davon durch Schlangenbisse. Doch Elefanten, Leoparden, Lippenbären und seltener auch Tiger würden ebenfalls immer wieder Menschen töten. Daher müsse man bei der Bevölkerung noch viel Aufklärungs- und Überzeugungsarbeit in Sachen Naturschutz leisten.

Als später der Besitzer des Camps, Mukul, von seiner Nachmittags-Safari zurückkam, berichtete er ganz begeistert, dass auf dem Rückweg zum Gate gleich zwei Lippenbären an der Piste aufgetaucht seien.

Die Gegend um den Tadoba-Nationalpark im Bundestaat Maharastra ist noch sehr ursprünglich. Ochsengespanne sind dort nicht selten.

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