20. Tag

Nach dem Frühstück stiegen wir zum Aussichtspunkt „Cerro de la Cruz“ hinauf, wo eine amerikanische Familie gerade eine kleine Drohne kreisen ließ. Leider lagen die Vulkane hinter der Stadt im Dunst, wie es meist der Fall ist. Wir schauten uns dann die Kirchen und Klöster im Osten der Stadt an. Zuerst kamen wir zu den Ruinen des Convento de la Concepción, des ersten Frauenklosters Antiguas von 1578, in dem die berühmte Juana de Maldonado y Paz ausschweifend lebte und Gedichte schrieb, wie der irische Dominikanermönch Thomas Gage der Nachwelt berichtete. Die nächste Station war das Convento de San Francisco, eines der größten Franziskanerklöster im spanischen Reich.

Die Fassade der einst prächtigen Kirche ist erhalten geblieben, die Innenausstattung ist nach dem Wiederaufbau aber deutlich bescheidener. Das Grab des 2002 von Papst Johannes Paul II heilig gesprochenen Hermano Pedro in der Kapelle der Kirche ist jedoch zur Wallfahrtsstätte geworden. „Bruder Peter“, der mit vollem Namen Pedro de San José de Betancur hieß, kam 1651 von Teneriffa, wo er als Ziegenhirte in einer Höhle gelebt hatte, nach Guatemala. Dort wurde er Franziskaner und begann bald außerhalb des Klosters Alte und Kranke zu pflegen. Zudem baute er das Belén auf, das erste Hospital der Stadt, und begründete mit den Bethlehemitern eine eigene Bewegung. 1667 starb er mit nur 41 Jahren.

Nach einer Mittagspause im Hotel besichtigten wir noch die Ruinen des Convento la Recolección. Nach dem Erdbeben von 1717 noch pompöser wieder aufgebaut, machte das Kloster mit zwei Stockwerken den Franziskanern jedoch nur wenige Jahrzehnte Freude. Die riesigen Mauerbrocken auf dem Gelände vermitteln noch heute eine Ahnung von der Wucht der Erdstöße im Jahr 1773. Der letzte erhaltene große Bogen stürzte schließlich beim Erdbeben von 1976 in sich zusammen. Das Szenario der Zerstörung auf dem Gelände inspirierte schon viele Maler und Künstler, und auch wir versuchten die Atmosphäre mit Fotos einzufangen.

Anschließend schauten wir uns noch einige Innenhöfe mit schönen Brunnen an und besuchten die recht angesagte Rooftop-Bar der Antigua Brewing Company, die als einzige im ganzen Land Craft Beer aus dem Faß anbietet. Dort saß scheinbar auch eine Influencerin, durchgestylt mit großer Sonnenbrille trotz wolkigem Himmel und ausgestattet mit Laptop und iPhone, auf denen sie abwechselnd mit großem Ernst herumklimperte.

Für das festliche Abschlussessen der Reise hatten wir um 19 Uhr einen Tisch im „Panza Verde“ reserviert. Das sehr empfehlenswerte Restaurant füllte sich dann recht schnell und an einem Tisch, um den herum Rosenblätter gestreut worden waren, erhielt eine junge Dame im topmodischen kurzen Kleid einen Heiratsantrag. Nach kurzen Blick in die Speisekarte waren wir uns schnell einig: Das 6-Gänge Degustationsmenü mit korrespondierenden Weinen für 385 Quetzales klang einfach hervorragend und erwies sich auch als genau die richtige Wahl. Der guatemaltekische Küchenchef verwendet dabei viele landestypische Zutaten, zum Beispiel einen besonderen Honig aus seinem nahegelegenen Heimatdorf.

Die einzelnen Gänge waren ganz hervorragend. Es gab zum Beispiel gefüllte Seezunge auf einem Bett von Ackerbohnen und sautierten Pilzen mit einem Hauch von Speck und Orangensaft oder geräucherten Schweinebauch mit Zuckerrohrsauce, frittierten Tarowurzeln, guatemaltekischem Feta-Käse und frischem Basilikum. Auf der Rechnung standen hinterher zwar die nur in Antigua, dort aber flächendeckend üblichen 10% Service Charge, nicht jedoch die in vielen Shops und Restaurants zusätzlich erhobenen 5-6% Kreditkartengebühr. Auf dem Rückweg von diesem gelungenen Abend zum Hotel drangen aus ein paar Diskotheken schon bunte Lichtblitze und laute Musik auf die Straße, Freitagabendgäste waren aber noch nicht anwesend.

Die riesigen Mauerbrocken auf dem Gelände des Convento la Recolección zeigen noch heute die Wucht der Erdstöße von 1773.

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