4. Tag

Der Bequemlichkeit halber hatten wir uns um 8 Uhr wieder für 120 LE mit Jamal am Fähranleger auf der Westbank verabredet. Er brachte uns dann zuerst zum Hatschepsut-Tempel, dessen Kern seit 1961 von einem polnisch-ägyptischen Archäologen-Team mehr oder weniger authentisch rekonstruiert worden ist. Der von Sphingen gesäumte Aufgang und der gewaltige Eingangspylon fehlen aber bis heute. In christlicher Zeit stand dort das Kloster des Heiligen Phoibammon, dessen Ruine 1893 bis 1896 von Auguste Mariette und Edouard Naville abgetragen wurde, um die darunter liegenden Reste des zerstörten Tempels freizulegen. Die Reliefs der zweiten Kolonade zeigen rechts die göttliche „Geburt“ der einzigen nachweisbaren Königin Ägyptens und links die Expedition ins Land Punt, das im heutigen Äthiopien oder in Nordsomalia gelegen haben könnte.

Nächste Station war das Inspektorat, um dort die Tickets für die Arbeitergräber von Deir-al-Medinah und den Medinat Habu-Tempel zu kaufen. In der Arbeitersiedlung angekommen, gelangten wir über steile Treppen und niedrige Durchgänge hinab in die kleinen Gräber von Inherchau, Sennedjem und Paschedu. Die Wandmalereien sind durch halbhohe Plexiglasplatten geschützt, die Decken sind aber stellenweise so niedrig, dass dort das Dekor längst vollständig abgeschliffen worden ist. Die Sarkophage bestanden aus Holz, aufgrund der engen Durchgänge konnten sie erst in den Grabkammern zusammengesetzt werden. Ein Wächter fragte sogar, ob ich Fotos machen wolle, meinem Hinweis, das sei doch verboten, entgegnete er „I’m an easy man“. Ihren Namen erhielt die Stätte mit etwa 70 Häusern und einer kleinen Nekropole vom dortigen ptolemäischen Hathor-Tempel aus dem 3. Jh..

Auf einen Tee machten wir wieder Station bei Mohammed, der uns freundlich begrüßte und stolz eine Tonschale herumzeigte. Die sei antik und könne 800 oder vielleicht auch 2.000 Jahre alt sein. Gefunden hat er sie selbst in einem alten Grab auf seinem Grundstück, das er in der Freizeit freilege. Er melde aber keinen seiner Funde, denn die Altertümer-Polizei habe keine Lust die zahllosen, unbedeutenden Tonstücke in ihr Register aufzunehmen, daher würden die Beamten die Objekte oft „versehentlich“ zerschlagen, um dem umständlichen Ausfüllen der Formulare zu entgehen.

Am frühen Nachmittag setzen wir das Besichtigungsprogramm mit dem Medinat Habu fort. Den heute größten und besterhaltenen Totentempel des Westufers ließ Ramses III. (1187-1156 v.Chr.) errichten, der letzte große Pharao des Landes. Die Reliefs des Kriegerkönigs wirken eher martialisch: Der Herrscher mit am Schopf gepackten Feinden, die er zu erschlagen droht, bei der Jagd, oder vor seinen Beamten, die ganze Stapel abgehackter Hände und Zungen (einige Experten halten sie auch für Genitalien) zählen.

Um 15 Uhr trafen wir Jamal auf dem Parkplatz wieder und er fuhr mit uns in einem großen Bogen über die 7 km stromaufwärts gelegene Nilbrücke zurück nach Luxor zu einer Reiseagentur, die für uns ein 5-Sterne-Kreuzfahrtschiff ausfindig gemacht hatte. Mit dem Agenturchef besichtigten wir dann die MS Tu-Ya, die schon ein wenig edler aussah, als viele andere Schiffe. Beim recht unverschämten Preis von 400 US$ für zwei Tage in der Doppelkabine (ohne Ausflüge) zeigte sich der Mann dann unnachgiebig (später erfuhren wir im Hotel in Assuan, dass die regulären Preise bei 65-75 US$ pro Person und Tag liegen). Seine Argumentation die Büros aller Schiffe seien in Kairo und deshalb sei es sehr schwierig direkt vor Ort auf dem Schiff ein günstiges Angebot für eine leer gebliebene Kabine zu bekommen, überzeugte uns zwar nicht, aber schließlich willigten wir ein.

Frontansicht des Medinat Habu, des großen Toten-Tempels von Ramses III.
Frontansicht des Medinat Habu, des großen Toten-Tempels von Ramses III.

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