8. Tag

Um 7.30 Uhr begann der Mechaniker mit der Reparatur unseres RAV4. Der Austausch des Stoßdämpfers dauerte keine Stunde und kostete inklusive Material 45.000 TSh. Marita, die Küchenchefin und gute Seele des Hauses, teilte uns dann beim Frühstück mit, dass uns Marando, der hauseigene Guide, auf einen Gamedrive mitnehmen würde, als kleine Entschädigung für unser Pech mit dem Auto. Im alten Landrover der Lodge, der das Gelände und den schlammigen Untergrund problemlos bewältigte, saß außer uns nur die deutschstämmige Brigitte. Sie war in Namibia geboren und ihre Schwester wohnte dort auf der Nachbarfarm der Nubib Mountain Guest Farm, wo wir 2015 zu Gast gewesen waren. Beruflich hatte sie unter anderem für die Werbeagentur des Wildfrucht-Sahne-Likörs „Amarula“ gearbeitet, der von Südafrika in 110 Länder exportiert wird. Inzwischen war sie aber Rentnerin, lebte in der Nähe von Kapstadt und nutzte ihre Zeit für viele Reisen.

(Gut ein Jahr später sollten wir Weihnachten 2017 von Brigitte erfahren, dass Marando nach 26 Jahren als erfahrener Guide einen schweren Unfall mit einem Elefanten gehabt hatte und wenige Tage später im Krankenhaus von Arusha seinen schweren Verletzungen erlegen war. Der traurige Nachruf der Lodge hatte auch humorige Bestandteile. So stand darin, dass Marando es nie verstanden habe, dass auf einem Gamedrive auch andere Tiere als Löwen interessant sein könnten und er daher jede Ausfahrt still und leise zu einer Suche nach ihnen gemacht habe.)

Kurz nach unserem späten Start um 8 Uhr begegneten wir an einer Furt gleich dem Landrover der Biologin Ingela Jansson, die die Löwen der Ndutu-Region erforscht, als Expertin schon bei der BBC zu Gast gewesen war und von den Lodge-Mitarbeitern „Mama Simba“ genannt wurde. Unser erster Beobachtungs-Stopp war dann ein Raub- oder Savannenadler (Aquila rapax), der im Gras saß und von bis zu sechs Kronenkiebitzen (Vanellus coronatus), die wohl in der Nähe ihre Gelege hatten, so lange bedrängt wurde, bis er davon flog. Der Höhepunkt der Fahrt wartete schon kurz danach unter einem Baum auf uns: Ein stattliches Löwenmännchen mit drei Weibchen und einer gerissenen Grant Gazelle. Alle vier Raubkatzen dösten, aber von Zeit zu Zeit stand eine der Damen auf, ging zum Männchen und dieses musste dann seinen Pflichten nachkommen. Anschließend folgte, wie schon im Ngorongoro-Krater, die nächste Pause. Als nach einiger Zeit aber zwei Massai mit ihrer Rinderherde am Horizont auftauchten, wurden die Löwen sofort unruhig. Sie hatten (Todes-)Angst vor den Hirten und wichen daher Stück für Stück immer weiter in die Steppe zurück. Den Rückzug führte das Männchen verletzt humpelnd an. Marando erklärte dazu, dass der Löwe genau wisse wie unverzichtbar er für den Fortbestand der Art sei und sich deshalb zuerst in Sicherheit bringe. Jedes Mal, wenn seine Damen aber versuchten die günstige Gelegenheit zu nutzen, um an ein paar Bissen von der Gazelle zu gelangen, raste der Löwe sofort zurück, verscheuchte sie unwirsch und nahm selbst einen Happen. Das ganze Geschehen beobachteten außer uns auch zwei Schakale und der Raubadler, die vergeblich auf ihren Anteil hofften. Am Ende war die Gazelle infolge diverser Scharmützel dann in mehrere Stücke gerissen, die die Löwinnen davontrugen. Sie folgten damit dem Männchen, das längst im hohen Gras verschwunden war, und auch wir fuhren weiter. Nachdem wir noch eine Herde Elefanten beim Fressen und ein Dutzend Giraffen beim Trinken am See beobachtet hatten, wo sich die Tiere mit einem gekonnten Spagat weit hinunter beugten, kehrten wir gegen 13 Uhr zur Lodge zurück.

Dort nutzten wir die Mittagshitze für eine Pause und fuhren dann um 16 Uhr noch einmal los, um die Piste bis zum Naabi Hill Causeway zu erkunden. Dieser war gut befahrbar, aber so trocken, dass wir unser Auto vollständig in eine grau-braune Wolke einhüllten und der Staub von außen die Scheiben hinunter rieselte. Für die Rückfahrt wählten wir eine Offroad-Strecke am Ndutu-See entlang. Dabei stellten wir erwartungsgemäß fest, dass der Boden nach nur wenigen Metern in Richtung Wasser sehr weich und feucht wurde. Um nicht einzusinken, kehrten wir daher lieber schnell auf den festen Untergrund am Ufer zurück.

Ein prächtiger Löwe in der Ndutu-Region, die zum Serengeti-Nationalpark gehört.

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