2. Tag

Der Weg von meinem unverputzten Wohnhaus an der Plaza Tupac Amaru, wo auch das Polizeipräsidium von Cuzco liegt, zur Sprachschule war sehr einfach zu finden. Vor der Haustür links, dann immer geradeaus bis zur Post und dort dann nach rechts in die Avenida el Sol einbiegen. Das Gebäude von Maximo Nivel liegt kurz vor der Corichancha, dem ehemaligen Tempelbezirk der Inkahauptstadt.

Joseline wechselte heute ihr Volunteer-Projekt. Bisher hatte sie Straßenkinder, die ein warmes Essen und Sprachstunden bekamen, in Englisch unterrichtet, dabei stellte sie jedoch fest, dass zu ihren Schülern mehr peruanische Studenten gehörten, die die preiswerte Weiterbildung nutzten, als wirklich Bedürftige. Dieser Sachverhalt schien allerdings bereits bekannt zu sein, denn man ging mit keinem Wort auf ihre Beobachtungen ein und versetzte sie ohne Zögern in ein anderes Projekt.

Am Nachmittag besuchte ich die Plaza de Armas und die Kirche La Merced. Dort hatte sich eine Bettlerin hinter einem Mauervorsprung auf den Boden gesetzt und hielt ihren Hut vor sich hin. Zu ihren Füßen hockte eine kleine Promenadenmischung, die alle Passanten mit treuherzigem Blick beim Vorübergehen beobachtete, aber niemand nahm Notiz von den beiden. Die alte Frau blickte mit Sorgenfalten auf der Stirn meist zu Boden und sah nur hin und wieder ein wenig auf. Später wartete Carlene, eine der Projektleiterinnen, bei Maximo auf mich. Sie stammte aus L.A. und war selbst als Volunteer ohne Spanisch-Kenntnisse nach Cuzco gekommen. Weil es ihr dort so gut gefiel, hatte sie bei der Sprachschule angefangen, deren Schüler hauptsächlich aus den USA kommen.

Mit dem Taxi fuhren wir zusammen zum Hotel Rosal, wo eine Besprechung über das Conservation-Projekt stattfand. Magdalena Ruiz managte nicht nur das Hotel, ihr gehörten auch eine Reise-Agentur in Cuzco und eine Lodge im Manu-Nationalpark. Allerdings stellte sich heraus, dass die Lodge in Wirklichkeit im Reserva Atalaya liegt, das zur Zona Cultural gehört, also dem öffentlich zugänglichen Teil des Parks, in dem es Dörfer gibt und wo auch Fischen sowie Holzeinschlag erlaubt sind. Zum Gelände der Lodge gehöre aber auch ein Bereich der Zona Experimental, dort solle auf neu angelegten Pfaden die lokale Tierwelt erkundet werden, zur Zeit sei bereits ein spanischer Ornithologe (der sich als mäßig interessierter Laie herausstellte) mit dem Monitoring von Vögeln beschäftigt, berichtete sie.

Blick über die Plaza de Armas in Cuzco.

 

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