1. Tag

Als Folge der neunstündigen Zeitverschiebung waren wir schon um 6 Uhr wach. Vor unserer Zimmertür lag die neueste Ausgabe der „USA today“ und in der Lobby stand ein kleiner Tisch mit Kaffee, Tee, Orangensaft, Croissants, Muffins, süßen Plunderteilchen sowie Papptellern und Styroporbechern fürs Frühstück. Danach spazierten wir am Strand entlang bis nach Venice Beach, dem buntesten Fleckchen von L.A., wo die meisten Kitschgeschäfte und Fastfood-Läden noch geschlossen waren. Auch die Hippies, die in farbenfroh angestrichenen Wohnwagen auf dem benachbarten Parkplatz lebten und kleine Verkaufsstände unterhielten, wachten erst langsam auf. Im Freiluft-Fitnessstudio des legendären Muscle Beach übte sich aber bereits ein durchtrainierter, dunkelhäutiger Mann, der sich „Lord“ nannte, im Stemmen von 126 kg schweren Gewichten. Allerdings verbrachte er mehr Zeit damit sich mit seinen Kollegen und vorbei laufenden Passantinnen zu unterhalten. Da er in der Nähe wohne, komme er sechs Mal die Woche her, außer samstags. Vor sechs Monaten sei sogar Gouverneur Schwarzenegger, der dort früher selbst trainiert habe, noch da gewesen und habe ihm persönlich die Hand geschüttelt.

Unsere Fahrt mit dem öffentlichen „Big Blue“-Bus zum Getty Center am frühen Nachmittag endete dann leider nicht am Parkplatz des Museums, sondern vor dem Freeway 405 an einer Straßenkreuzung. Also machten wir uns zu Fuß auf einem kaum vorhandenen Bürgersteig am Rand des Nobelviertels Bel Air entlang auf den Weg zur Bahnstation, wo der automatische Zug startete, welcher die Besucher auf den Hügel des Museumskomplexes hinauf brachte. Letztendlich kamen wir erst um 16 Uhr am Getty Center an, das bereits um 17.30 Uhr schloß. Die großzügig gestaltete Anlage hatte etwa 1 Mrd. US$ gekostet, die Gebäude bestanden aus weißem Travertin-Marmor und für die Gärten allein waren 32 Angestellte zuständig. Vier von ihnen kümmerten sich z.B. nur um die Bepflanzung des künstlichen Bachlaufs in Robert Irwin’s Central Garden, den ein zickzack-artig angelegter Fußweg an mehreren Stellen quert. Getreu dem Motto „sound, colour and texture“ klingt das fließende Wasser für den Besucher von jeder der kleinen Brücken anders, weil der Untergrund des Baches immer feiner wird. Auch die Blumen unterscheiden sich von Abschnitt zu Abschnitt in Farbe und Form. Die Sammlungen des Museums umfassen alte Schriften, Fotografien, prunkvolle Einrichtungsgegenstände und Gemälde. Im Raum der Impressionisten hängen neben den Schwertlilien von van Gogh auch Werke von Monet, Cézanne, Renoir und Gauguin. Von einer Terrasse im Süden des Komplexes bietet sich ein toller Panoramablick über Los Angeles bis hin zur Pazifikküste.

Für die Rückfahrt zum Hotel nahmen wir den Bus, der direkt von der Bahnstation abfuhr und sich im dichten Verkehr der rush hour in einem großen Bogen zur UCLA bewegte. An der Universität stiegen wir dann in die Linie 2 um, die uns bis zum Hollywood Boulevard in Santa Monica und damit fast vor unser Hotel brachte.

Der Blick über den Kakteengarten des Getty Centers in Los Angeles.

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