8. Tag

Nach einem Besuch des Black Sand Basin in der Morgenkälte fuhren wir durch ein großes Waldgebiet mit noch fast geschlossener Restschneedecke, über den 2.518 m hohen Craig Pass und vorbei am Ufer des zugefrorenen West Thumb des Yellowstone Lakes zum Südausgang des Parks. Von dort ging es weiter in den tiefer gelegenen Grand Teton-N.P. auf nur ca. 2.000 m Höhe, wo bei angenehmeren Temperaturen kaum noch Schnee lag und auch der Jackson Lake schon eisfrei war. Außer einigen wenigen Hirschkühen sahen wir aber keine Tiere. Am Jenny Lake machten wir dann einen kleinen Spaziergang, und als sich der Himmel wieder zuzog, fuhren wir in leichtem Regen zur Jackson Lake Lodge.

Das klotzig wirkende Gebäude wurde 1955 vom Architekten Gilbert Stanley Underwood im Auftrag von John D. Rockefeller Jr. gebaut. Der Multimillionär wanderte der Legende nach oft mit einem Picknick-Paket in der Hand auf einen kleinen Hügel in der Nähe, um von dort den Blick auf das Meer von Weiden und die dahinter liegende Teton Range zu genießen. Diese Aussicht bieten heute die 18 m hohen Panoramafenster der Upper Hall in der Lodge. Hinter dem Treppenaufgang zur Halle steht der World Peace Table, ein Tisch an dem US-Außenminister James A. Baker und sein sowjetischer Kollege Eduard Schewardnadse im September 1989 die Vereinbarungen ihres Ministertreffens unterzeichneten.

Am Abend speisten wir im edlen Restaurant der Lodge und blickten aus dem Fenster auf die erst komplett und später noch teilweise wolkenverhangenen Berge. Das Restaurant war das einzige im Umkreis von 65 km – das entspricht der Entfernung bis zur nächsten Stadt Jackson – und hatte erst am Vortag die diesjährige Saison eingeläutet. Am Eingang begrüßten drei Damen die Gäste und geleiteten sie dann zu ihrem Tisch, der hübsch mit Porzellan und Gläsern eingedeckt war. Sofort wurde Eiswasser gereicht, der Ober brachte einen Gruß aus der Küche, die Weinkarte, sowie die kleine aber erlesene Speisekarte mit Gerichten wie roter Idaho Forelle, glasierter Ente, Wildlachs aus Alaska und natürlich Steaks von nur mit Gras gefütterten Rindern. Als Kontrast dazu gab es für die Angestellten des Nationalparks in Colter Bay eine Kantine mit Selbstbedienung, frittierten Hähnchen und einem beleibten Koch, der mit der Kelle die Erbsen auf die Plastikteller schaufelte.

Nach dem Essen im Lodge-Restaurant standen wir noch auf der Terrasse vor den Fenstern der Upper Hall und beobachteten eine Elchkuh, die an einem Teich genüsslich schmatzend saftige Wasserpflanzen verspeiste.

Die Gipfel der Teton Range im Grand Teton-Nationalpark.

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