14. Tag

Nachdem wir die Insel über die drei Brücken des Sanibel Causeways verlassen hatten, stoppten wir kurz an einem kleinen Outlet. Die Fahrt zum nördlichen Ende des Tamiami Trails im 70 Meilen entfernten Sarasota zog sich dann aber aufgrund von unzähligen Ampeln hin, die so geschaltet waren, dass wir an jeder zweiten oder dritten halten mussten. So kamen wir erst gegen 14 Uhr in St.Petersburg an, wo wir das wirklich sehenswerte Dali-Museum besuchten. Es zeigt die umfangreiche Privatsammlung des Ehepaars Morse, das 1942 zum ersten Mal eine Dali-Ausstellung besuchte und nach einem Cocktail mit dem spanischen Künstler und seiner Ehefrau Gala im St.Regis-Hotel in New York eine vier Jahrzehnte währende Freundschaft schloss. Das Museum ist mit 96 Ölbildern, sowie Originalzeichnungen und vielem mehr deshalb das zweitgrößte Dali-Museum der Welt, direkt nach dem von Dali selbst 1974 in seinem spanischen Geburtsort Figueras gegründeten Haus.

Im Rahmen einer sehr lehrreichen, kostenlosen Führung erfuhren wir, dass das Ehepaar Morse 1943 mit „Daddy Longlegs of the Evening-Hope“ sein erstes Dali-Bild für 1.200 US$ erwarb, wobei dieses billiger war als der dazugehörige antike Rahmen für 1.800 US$. Der Maler antwortete in diesem Zusammenhang in einem späteren Interview auf die Frage was der Unterschied zwischen einem seiner Bilder und einer Fotografie sei: „Ungefähr 1 Million Dollar.“ Sein erstes Bild malte Dali mit 13 Jahren, später besuchte er eine bekannte Kunstakademie in Madrid und lernte so zu malen wie die alten Meister. Allerdings lehnte er es später ab, dort die Abschlussprüfung abzulegen, mit der Begründung er wisse ohnehin mehr über Kunst als die Dozenten. Sein liebstes Bild „Stilleben mit Brot“ stammt aus dieser Zeit und er schätzte es deshalb besonders, weil dazu niemand eine Interpretation von ihm verlangte, denn es sei einfach ein Laib Brot. Nachdem der Künstler die Schriften und Theorien von Sigmund Freud gelesen hatte, wandte er sich aber vom Realismus ab und begann ungefiltert seine Gedanken, Wünsche und Träume auf die Leinwand zu bringen, die manchen Betrachter zuweilen auch verstörten. Aus Dankbarkeit an die USA, die seit 1940 zu seiner zweiten Heimat geworden waren, malte er zum 200. Unabhängigkeitstag ein großes Bild, in das er einen optischen Effekt einbaute, der einem Künstler gewidmet war, der sich zu dieser Zeit mit den Pixeln der ersten Computerbildschirme beschäftigt hatte. So zeigt das Bild einen kleinen, pixeligen Abraham Lincoln, und wenn der Betrachter es aus 20 m Entfernung anschaut einen zweiten großen Lincoln aus den zentralen Quadraten des Hauptmotivs. Der Effekt wird noch deutlicher, wenn man dem Bild den Rücken zudreht und es dabei durch eine verspiegelte Sonnenbrille anschaut oder ein Auge zukneift. Ein wichtiges Element des Gemäldes ist die Rückansicht einer nackten Frau, die an Dalis Muse und Gattin Gala erinnert, die in fast jedem seiner Bilder auftaucht. Als das Bild 1976 entstand war Gala jedoch schon 83 Jahre alt, aber Dali hatte in New York eine Kellnerin gesehen, die einen Körper wie die junge Gala hatte und sie gebeten ihm Modell zu stehen. Das tat sei auch, war allerdings zu schüchtern sich das fertige Werk anzusehen. Als sie jedoch Jahre später nach St.Petersburg fuhr, kann man sich ihre Überraschung vorstellen, als an den Straßen überall große Plakate des Museums hingen, die eben dieses Bild zeigten.

Abends gingen wir noch zum Pier der Stadt, der wegen Umbauarbeiten jedoch schon seit Juni 2013 geschlossen war, und bummelten durch das Zentrum, wo aber, wie in vielen US-Städten, die Bürgersteige schon um 20 Uhr hochgeklappt waren.

Dali-Museum in St.Petersburg.
Dali-Museum in St.Petersburg.

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