6. Tag

Wir waren schon früh wach, als es gegen 6.15 Uhr einen lauten Bumms an der Eingangstür zu unserem Chalet gab. Als ich daraufhin in die Küche schaute, hatte sich ein stattliches Pavian-Männchen mit Schwung gegen die obere Hälfte der geteilten Tür geworfen, die zwar geschlossen aber nicht verschlossen gewesen war, und sie so geöffnet. Sofort danach war er mit einem großen Satz auf den Küchentisch gesprungen und hatte sich schon unsere dort liegende Provianttüte gegriffen. Von meinem Auftauchen war er aber so überrascht, dass er ohne seine Beute den schnellen Rückzug antrat. Ich beobachtete die Affenfamilie anschließend eine ganze Weile, wie sie auf der Wiese in der Morgensonne saß und sich dann ins Gebüsch jenseits der Straße zurückzog. So dachte ich jedenfalls, in Wirklichkeit lagen sie dort aber auf der Lauer und hatten unser Nachbar-Chalet genau im Blick. Die darin wohnende schwarze Familie ließ schließlich die Tür kurz offen und so fielen dem Pavian-Pascha eine Tüte mit Kuchen und Toast und einem der Weibchen ein Beutel mit Obst in die Hände. Mit der Beute setzte sich der Clan-Chef dann auf die Wiese und verzehrte in wenigen Minuten einen ganzen brotlaibgroßen Kuchen. Die Afrikaner standen lachend in der Tür, nur eine stämmige, lediglich mit Hose und Duschhandtuch bekleidete Frau schrie wütend hinter den Affen her, was diese aber nicht im Mindesten beeindruckte. Als sie schließlich mit einem langen Stock auf das Pavian-Männchen losging, nahm dieses einen Toast in jede Hand und rannte auf den Hinterbeinen davon. Kurze Zeit später wagte sich dann ein Jungtier als erstes wieder an die Stelle der Mahlzeit vor und machte sich zufrieden über die Kuchenreste her.

Die Weiterfahrt führte uns über den 1.850 m hohen Abel Erasmus Pass hinab ins Lowveld. Die Straße führte dort kilometerweit schnurgerade durch Buschlandschaft und vorbei an vielen Private Game Reserves nach Phalaborwa. Von dort kamen uns im Minutentakt Erzlaster aus der örtlichen Kupfermine entgegen, bis wir schließlich zum Amarula Lapa abbogen, einem kraalähnlichen Info- und Verkaufscenter des gleichnamigen Likörs. Hauptzutat sind die kleinen, ovalen Früchte des Marula-Baums, der nicht zu züchten ist und nur im äquatorialen Afrika wächst. Seine Früchte mögen auch die Elefanten gerne, denen einer Legende nach nur deshalb Rüssel gewachsen sind, damit sie die pflaumengroßen Früchte vom Baum pflücken können. Diese sind im Februar reif, so dass sie einen tropisch-leckeren Duft verströmen. Elefanten lassen sich davon über viele Kilometer anlocken, darum heißt der Marula-Baum auch Elefanten-Baum. Die Früchte fallen schließlich gelb und aromatisch zu Boden und werden von den Leuten in und um Phalaborwa aufgesammelt. Vom Verkauf sind insgesamt etwa 60.000 Menschen abhängig. Der Marula-Pulp, also die Fruchtfasern, wird dann in Stellenbosch ähnlich wie Wein fermentiert und zwei Mal destilliert. Danach reift der Amarula zwei Jahre in Eichenfässern und wird abschließend mit frischer Sahne verfeinert. Nachdem wir den Likör auf Eis verkostet und einen Werbefilm angeschaut hatten, kauften wir eine 750 ml Flasche für 120 Rand und fuhren weiter.

Nach einem Großeinkauf im Supermarkt in Phalaborwa tankten wir auch das Auto noch einmal voll. Dabei wies uns ein Tankwart darauf hin, dass unser rechter Hinterreifen Luft verloren und wohl ein Loch habe. Nachdem wir den gesamten Kofferauminhalt direkt neben der Zapfsäule ausgebreitet hatten, wechselte er den Reifen gleich vor Ort gegen das Ersatzrad. Dafür erhielt er von uns ein gutes Trinkgeld von 100 Rand, das er aber sofort abgeben musste, wie wir beobachten konnten.

Wir passierten dann das Tor zum Krüger-Nationalpark am Stadtrand und kamen gegen 15 Uhr bei laut Autothermometer 39 °C im Olifants-Restcamp an. Unterwegs waren uns kaum Autos und auch nur wenige Tiere begegnet. Der Ausblick vom Camp auf den namensgebenden Fluss war aber toll und dort sahen wir ein Nilpferd grasen und einen Elefanten das niedrige Wasser durchqueren. Gegend Abend verdunkelten plötzlich große Wolken binnen Minuten den Himmel und es begann zu stürmen und zu blitzen. Zunächst regnete es nicht, aber dann gab es doch einen kräftigen Wolkenbruch. Den ersten seit Februar, wie uns der Manager des Camp Restaurants erzählte. Durch das Unwetter fiel zweimal der Strom aus, so dass schließlich die Computerkassen streikten und die Kreditkartenleser keine Internetverbindung mehr aufbauen konnten. Daher gab es nur Rechnungen auf einem Schreibblock und Barzahlung. Aufgrund der düsteren Wetterlage waren wir die wenigen hundert Meter vom Bungalow zum Restaurant mit dem Auto gefahren, so dass wir trotz des heftigen Regens relativ trocken nach Hause kamen.

Der diebische "Chef" einer Pavianhorde am Blyde River Canyon.
Der diebische „Chef“ einer Pavianhorde am Blyde River Canyon.

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