16. Tag

Pünktlich mit der Toröffnung um 7 Uhr starteten wir unsere morgendliche Pirschfahrt, die uns auf der Straße zurück bis ins ca. 30 km entfernte Gebiet um die Bohrlöcher Dalkeith und Boorgate führen sollte. Neben kleineren Herden von Springböcken und Gnus sahen wir in einem Baum direkt neben der Straße einen großen Kampfadler und später fünf Löffelhunde, die in einer breiten Phalanx durch die Steppe zogen, den Blick auf den Boden gerichtet und immer wieder energisch grabend.

Nach einer Mittagspause im Camp, bei der wir zahlreiche Erdhörnchen und ein halbes Dutzend Gelbschnabel-Tokos beobachten konnten, wiederholte ich am Nachmittag noch einmal die morgendliche Tour. Neben den Löffelhunden waren nun auch mehrere Schakale unterwegs, während Gnus und Springböcke meist ganz entspannt im Gras lagen. Größere Raubtiere schienen also nicht in der Nähe zu sein. Unter einem großen Baum sah ich für eine Weile dem geschäftigen Treiben einer Kolonie von Siedelwebern rund um das große Gemeinschaftsnest zu. Die im Vergleich zu anderen Webervögeln unscheinbar grauen Baumeister, die Sperlingen recht ähnlich sehen, flogen eifrig mit Halmen und Ästchen im Schnabel heran und verschwanden damit von unten in den Öffnungen der Brutröhren. Als ich kurz nach Sonnenuntergang zum Camp zurück fuhr, um vor dem Schließen des Tores um 18.30 Uhr dort zu sein, standen in einer Kurve 15 Oryx-Antilopen direkt neben der Straße.

Um 20 Uhr brachen wir dann noch einmal mit Guide Byron zu einem Nightdrive in die Finsternis auf. Im großen Safari-Fahrzeug waren wir die einzigen drei Passagiere und wurden mit warmen Decken und zwei Handscheinwerfern ausgerüstet. Die Schakale und Löffelhunde waren immer noch unterwegs, wobei ein aufgescheuchter Löffelhund mehrere hundert Meter im Lichtkegel der Scheinwerfer etwas irritiert vor dem Wagen herrannte, bis er endlich auf die Idee kam einfach ins Gebüsch abzubiegen. Außerdem entdeckten wir insgesamt sechs Fleckenuhus, von denen einer mitten auf der Straße saß. Byron erklärte die Vögel ernährten sich von Eidechsen, Skorpionen, Mäusen und Ratten. Weil die Nager, wenn sie die Straße überquerten besser zu orten und zu fangen seien als im Busch, hielten sich die Eulen gerne in der Nähe auf. Einmal habe er auch gesehen, wie ein Schakal einem Uhu die frisch erbeutete Ratte gleich wieder abjagte. Im Gras hüpften zudem einige eichhörnchengroße, känguruähnliche Springer umher, und wir beobachteten einen Gecko, sowie eine seltene Afrikanische Wildkatze. Auf die Löwen angesprochen vermutete Byron, dass sich diese in die höher gelegenen, wärmeren Dünen zurückgezogen hätten, während sie sich im Sommer lieber in den Flusstälern aufhielten. Er wollte sich aber per Funk bei seinen Kollegen in Twee Rivieren nach Sichtungen erkundigen, damit wir am nächsten Tag bessere Chancen hätten doch noch einen Löwen zu sehen. Auf der Rückfahrt wartete dann der Löffelhund schon wieder auf der Straße, um uns ein zweites Wettrennen zu liefern.

Schakal im Kgalagadi Transfrontier-Nationalpark.
Schakal im Kgalagadi Transfrontier-Nationalpark.

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