6. Tag

Nach einer kurzen Wanderung zu einem Aussichtspunkt an der Straße zur Gunlom-Campsite erklommen wir über einen steilen Pfad die Oberkante des gleichnamigen, in der Trockenzeit ebenfalls fast versiegten Wasserfalls. Dort gab es mehrere kleine Felsenpools, die zu einem erfrischenden Bad einluden, eine kleine Schlucht und oberhalb davon eine recht malerische Flusslandschaft. Bei der Weiterfahrt nach Katherine kam uns ein halbes Dutzend kunterbunt bemalter, alter Autos mit witzigen Aufbauten entgegen. Im letzten Licht der untergehenden Sonne sahen wir neben der Straße einen kleinen Buschbrand. In der Dunkelheit waren dann außer uns nur ein paar Roadtrains auf dem Stewart Highway unterwegs und als wir nach 20 Uhr in der Stadt ankamen, waren auch dort die Bürgersteige schon hochgeklappt. Nur der Supermarkt hatte noch bis 22 Uhr geöffnet und selbst im Backpackers war niemand mehr anzutreffen. An der geschlossenen Rezeption hing dann einfach ein Zettel mit einer Telefonnummer. In der Kookaburra Lodge wohnte Scott, der Besitzer, jedoch im Haus nebenan, wo wir ihn dann auch schon scheinbar leicht alkoholisiert antrafen. Aber er kriegte es noch geregelt uns ein Zimmer zu geben.

In der Küche fanden wir einen Aushang der Regierung mit dem Foto einer großen Kröte, die genauso aussah wie jene, die wir am Vortag auf dem Waldboden entdeckt hatten. Wir erfuhren, dass es sich um Aga-Kröten (Bufo marinus), in Australien cane toads genannt, handelte, die ursprünglich als biologische Waffe zur Bekämpfung von Zuckerrohrschädlingen 1935 aus Hawaii eingeführt worden waren. Es hatte sich aber herausgestellt, dass die giftigen Neubürger nicht den Käfern in den Plantagen zu Leibe rückten, sondern statt dessen die heimische Fauna bedrohten. Zwei Giftdrüsen am Hinterkopf, aus denen sie ihr starkes Gift auch bis zu 2 m weit verspritzen kann, schützen die ursprünglich in Venezuela beheimatete Kröte vor Fressfeinden. So hat sie im Northern Territory die Todesotter, die Gefleckte Python und 47 weitere Schlangenarten fast ausgerottet. Der krötenfressende, nachtaktive Quoll oder Fleckschwanzbeutelmarder, die größte der 4 in Australien vorkommenden Arten, könnte dieses Schicksal auch bald teilen. Außerdem waren die bis zu 25 cm großen Zuckerrohrkröten fast ohne natürliche Feinde mittlerweile zu einer echten Landplage geworden. Aus den importierten 101 Tieren sind mittlerweile Millionen geworden, wie ja auch wir hatten sehen können. Es wurde empfohlen die Tiere vorsichtig einzusammeln, ins Gefrierfach zu stecken und anschließend zwecks Kompostierung zu vergraben.

Es gibt aber auch gute Nachrichten. Die University of Sydney hat herausgefunden, dass sich die grüne Baumschlange und die rotbäuchige Schwarzotter in nur zwanzig Generationen bzw. 70 Jahren in einer Art Blitzevolution auf die giftige Nahrung eingestellt haben. Durch verkleinerte Köpfe und verlängerte Körper können sie nur noch die kleineren, weniger giftigen Kröten fressen und das Gift auch besser verdauen. Außerdem sind der heimische Dahl’s Aquatic Frosch und die aus Asien stammende und mit giftigen Kröten seit Jahrtausenden vertraute Keelback-Schlange gegen das Gift immun.

Die giftigen Aga-Kröten wurden zur Schädlingsbekämpfung aus Hawaii eingeführt und sind längst zur Landplage geworden.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Ich akzeptiere

Autor *:

Webseite: