7. Tag

Nach dem Frühstück verließen wir das Schiff und liefen vom Anlegeplatz im Norden der Stadt über die Corniche bis ins etwa 1,5 km entfernte Zentrum von Assuan. Dort bezogen wir im Hotel Philae ein Zimmer mit Nilblick. Nach einer kurzen Pause begannen wir mit der Stadterkundung. Im Ferial Garden, direkt neben dem wegen Renovierung geschlossenen Old Cataract Hotel, setzten wir uns auf eine Bank unter einem schattigen Baum und sahen bei einer angenehmen Brise dem Treiben auf dem Nil zu. Es waren zahlreiche Feluken unterwegs, die beim Ab- und Anlegen ihre Segel hissten und refften. Dann besuchten wir die dem Garten gegenüberliegende koptisch-orthodoxe Erzengel Michael-Kathedrale. Von einer geschäftstüchtigen, ein wenig Deutsch sprechenden Mitarbeiterin der riesigen, erst 1995 erbauten Kirche erfuhren wir bei einem kurzen Rundgang der Innenausbau sei noch unvollendet. Bänke aus amerikanischer Eiche und einen Fussboden aus Carrara-Marmor gab es aber bereits. Am Schluss ging sie zum Souvenirshop im Hof, wo sie uns Papyrusbildchen, kleine Ikonen und Schmuckkreuze in zahlreichen Varianten zeigte. Zum Abschied wünschte sie uns gesegnete Weihnachten, obwohl die Kopten dieses Fest erst am 7. Januar feiern.

Um der Mittagshitze zu entgehen, zogen wir uns dann in das sehenswerte, 1997 eröffnete Nubische Museum zurück. Viele der 300.000 Einwohner Assuans sind Nubier, die nach dem Bau des Hochdamms in den Jahren 1960-1971 ihre vom Stausee überfluteten Dörfer verlassen mussten. Die Ausstellung mit einer überlebensgroßen Statue von Ramses II. (1279-1213 v.Chr.) widmet sich den wechselhaften Beziehungen zwischen Nubiern und Ägyptern als Herrscher und Beherrschte. Themen sind dabei u.a. das nubische Reich Kusch oder die von 747-656 v.Chr. das gesamte Nilreich lenkende 25. Dynastie der Nubischen Pharaonen.

Andere Abteilungen zeigen in Dioramen das Dorfleben und die Landwirtschaft in Nubien, sowie alte Fotos der im Wasser versunkenen Monumente, oder erläutern die Rettung von Abu Simbel und die Umsetzung weiterer Tempel von der Insel Philae auf die 300 m weiter stromabwärts und höher gelegene Insel Aglika, deren Aussehen dafür entsprechend verändert wurde. So erhielt die Insel durch Aufschüttungen am Ufer die Form einer auf dem Fluss schwimmenden Taube. Nachdem die Monumente gesäubert und fotogrammetrisch vermessen worden waren, versetzte man den ersten Block am 9. September 1975. Anfang 1977 waren 37.363 Blöcke gehoben, etikettiert, inventarisiert und mit Frachtkähnen zu einem Lagerplatz am Nilufer gebracht worden. Dann konnte die Wiedererschaffung der heiligen Insel beginnen, der erste Stein lag am 29. März 1977 an seinem neuen Platz. Die letzte Stufe des Projekts begann 1979 mit der Bepflanzung von Agilkia mit Bäumen und Büschen, die früher auf Philae gewachsen waren. Das war nötig, um Neu-Philae die Magie der alten Insel zu geben, die durch die hintergründige Verbindung von natürlicher Landschaft, schönen Bauwerken und den Wassern des Nils entstand.

Nach einem Spaziergang durch den schönen Museumsgarten mit Wasserlauf, einer Höhlennachbildung mit Felszeichnungen und dem historischen Kuppelgrab eines örtlichen Heiligen, ließ uns ein Wächter für ein Bakschisch den unterhalb des Museums gelegenen Fatimiden-Friedhof mit weiteren Kuppelgräbern aus dem 9. Jh. durchqueren, um zum unvollendeten Obelisken zu gelangen. Der 42 m lange Obelisk wäre der größte und mit 1.168 Tonnen Gewicht auch der schwerste aller Zeiten geworden, ein Riss im Stein beendete die Arbeiten aber vorzeitig, so dass der Granitpfeiler auf der vierten Seite bis heute mit dem Fels des historischen Steinbruchs verbunden blieb. An anderer Stelle sieht man noch die Löcher, die früher in einer Reihe in das Gestein getrieben wurden, um einen Holzpfahl hineinzurammen, den man wässerte, bis er sich ausdehnte und einen Spalt im Fels erzeugte.

Blick über den Fatimidischen Friedhof zum unvollendeten Obelisken in Assuan.
Blick über den Fatimidischen Friedhof zum unvollendeten Obelisken in Assuan.

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