8. Tag

Als ich am frühen Morgen aus dem Tor fuhr, sprach mich der aufmerksame Tankwart des Camps auf das aufgezogene Reserverad an und meinte ein kleines Loch könne er sofort flicken. Er fand dann sehr schnell einen mehrere cm langen Nagel, der im Reifen steckte, zog ihn heraus und verstopfte das Loch im schlauchlosen Reifen mit einer Art Pfeifenreiniger aus Gummi. Die ganze Reparatur dauerte mit Reifenwechsel etwa 15 Min. und er erhielt 50 Rand für das Material und 50 Rand für seine Mühe. Nach einer kleinen Runde um das Camp erfuhr ich von zwei älteren Südafrikanern, die ich schon unterwegs getroffen hatte, und die jetzt mit mir vor dem Camp-Restaurant einige grün-schillernde Sunbirds in einem Baum beobachteten, dass es sich dabei um einen Marula-Baum handelte. Nach dem Frühstück fuhren wir dann in Richtung Satara. Auf dem Weg dorthin kamen wir an einem toten Büffel vorbei, der allerdings keine großen Wunden aufwies und unter Dutzenden von Geiern kaum noch zu sehen war. Immer wieder schwebten weitere Aasfresser elegant heran und warfen sich zeternd ins Getümmel. Als wir das Restcamp erreicht hatten, zeigte das Thermometer 39 °C an. Anschließend bogen wir auf den Sweni Drive ab, wo sich die größten Löwenrudel des Parks gern aufhalten sollten, trafen aber nach wenigen km auf einen Geländewagen und erfuhren vom Fahrer, dass er nichts gesehen habe und die Gegend staubtrocken sei. Also drehten wir um und bogen kurz vor Satara auf die S100 ab, die sogenannte Löwenpiste. Diese hielt dann auch was der Name versprach, denn nach kurzer Zeit sahen wir zwei Safarifahrzeuge quer auf der Piste stehen. Es dauerte nicht lange und es traten zwei stattliche Löwen aus dem Gebüsch, zögerten nur kurz und überquerten den Fahrweg, um ans Ufer des kleinen Nwanetsi Rivers zu gelangen. Minuten später folgten noch zwei weitere Männchen, aber dann war die Show vorbei.

Nach einer kühlen Cola in Satara machten wir uns auf den Rückweg und sahen in der für die Gegend typischen offenen Savanne ein Nashorn. In der SanPark Times war dazu zu lesen, dass seit 2008 über 3.000 Nashörner gewildert worden sind, 65 % davon im Krüger Park. Die Täter seien meist bewaffnete Kommandos aus Mozambique, die die 350 km lange, schlecht gesicherte Grenze innerhalb des länderübergreifenden Schutzgebiets unbehelligt passieren können. Dabei sind sie zudem relativ sicher, weil die südafrikanischen Ranger nur schießen dürfen, wenn sie angegriffen werden. Da die Wilderer das auch wissen und dementsprechend selten das Feuer eröffnen, werden weniger als 10% von ihnen gestellt. Deshalb forderte der Autor des Artikels, dass die Wildhüter künftig mit allen nötigen Mitteln gegen das Abschlachten vorgehen dürften. Das sei bitter nötig angesichts von Preisen von 90.000 US$ für ein kg Horn, das bei einem ausgewachsenen Nashorn durchschnittlich 4 kg wiegt.

Später sahen wir noch eine Blauracke, die von der Nachmittagssonne perfekt in Szene gesetzt auf einem Strauch neben der Straße saß. Diese war im Rahmen von Pflegemaßnahmen dick mit Sand bestreut worden. Dabei hatte man zuerst eine heiße Schicht Bitumen bzw. Erdpech aufgesprüht und diese dann mit Flusssand bedeckt. Mit der Dampfwalze verfestigt, entsteht so eine Schutzversiegelung, die 15-20 Jahre hält, weil im Nationalpark eine straßenschonende Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h gilt und dort keine schweren LKW unterwegs sind. Zurück im Olifants Camp ging dann pünktlich um 18.30 Uhr, als das Tor schloß, der Strom in den Gästehütten wieder an.

Blick auf den Olifants River vom gleichnamigen Restcamp im Krüger-Nationalpark.
Blick auf den Olifants River vom gleichnamigen Restcamp im Krüger-Nationalpark.

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