10. Tag

Auf ein Sonnenaufgangsticket für zusätzliche 100 Quetzales hatten wir verzichtet, da sich die Sonne morgens sehr oft im Frühnebel versteckt und erst gegen 9.30 Uhr hervorkommt. Dementsprechend sind auch die Sonnenaufgangstouren, die in Flores überall angeboten werden und dort um 4 Uhr morgens starten, ein fragwürdiges Vergnügen. Wir standen aber natürlich schon um 6 Uhr an der Schranke, um das Erwachen Urwalds live mitzuerleben. Die Brüllaffen, die mit den Toyota-Fernsehwerbespots in den 1990-er Jahren berühmt geworden sind, waren jedenfalls schon wach. Sie ließen sich zwar nicht blicken, waren jedoch nicht zu überhören. Das Gelände lag noch im Nebel und es waren nur wenige kleine Touristengruppen unterwegs, als wir wieder zum „Mundo Perdido“-Komplex liefen. Dort kam uns eine Horde von etwa 50 Nasenbären auf der Suche nach ihrem Frühstück entgegen. Ihre Schwänze hatten sie, wie gestreifte Positionsfahnen, senkrecht in die Höhe gestreckt und ihre Nasen steckten tief im Gras. Zudem sahen wir noch ein paar Tukane und andere Vögel, bevor wir um 8.30 Uhr selbst beim Frühstück in der Lodge saßen, das vergleichsweise üppig ausfiel.

Nach einer Pause am kleinen Pool und einem kurzen Rundgang durch das Welcome Center der Ausgrabung, wo das einige Quadratmeter große Modell der restaurierten Bauten von Tikal gerade selbst restauriert wurde, starteten wir zur Erkundung des nördlichen Teils der Ausgrabungen. Vorbei an einem Gebäudekomplex, wo sich zwei kleine Zwillingspyramiden gegenüberstanden, eine ausgegraben und die andere nach wie vor überwuchert, kamen wir zum Tempel IV. Die Terrasse der knapp 65 m hohen Pyramide war schon Kulisse für den Rebellenstützpunkt auf dem Mond Yavin im Hollywood-Film „Star Wars IV – Eine neue Hoffnung“ gewesen. Während man vor 25 Jahren noch an Seilen den Hang hinauf kraxeln musste, führt inzwischen auch hier eine bequeme Holztreppe nach oben. Einer der Guides, die dort mit ihren Besuchergruppen unterwegs waren, berichtete auf Englisch, dass die Treppe erst 2017 gebaut worden war und es die Plattform auf der „Mundo Perdido“-Pyramide auch erst seit 2013 gebe. Vor dem Aufstieg konnten wir dann an einem Kiosk sogar noch einen kalten Eistee oder eine Aloe Vera-Limonade trinken. Während wir am gesamten Vortag nur etwa 50 Besucher getroffen hatten, tummelten sich heute nur während unserer Getränkepause allein schon etwa 150 Leute um uns herum.

Später erkundeten wir die Grand Plaza nochmals genauer und stiegen auf den Holzbalkon der Pyramide der Masken hinauf. Von dort hat man einen schönen Blick über den Platz auf die 45 m hohe Pyramide des Großen Jaguar direkt gegenüber. Gegen 16.30 Uhr stiegen wir dann noch einmal auf die Pyramide der „verlorenen Welt“, um uns den Sonnenuntergang anzusehen, der schon gegen 17.30 Uhr stattfand. Dort oben könnte man stundenlang sitzen, über den noch bis zum Horizont reichenden Urwald schauen und den Tieren lauschen. Wir sahen dann dabei zu, wie die Sonne recht schnell sank und die Farben wärmer wurden. Über den Pyramiden entstand sogar für einige Minuten ein Stück von einem Regenbogen. Zudem setzten sich endlich einmal zwei Tukane so auf einen Baum, dass wir im letzten Sonnenlicht einen freien Blick auf die Vögel mit ihren farbenprächtigen Schnäbeln hatten. Die Entfernung betrug allerdings wieder einmal etwa 20 Meter.

Als die Sonne verschwunden war, mussten wir uns etwas beeilen, um noch rechtzeitig zum Ausgang zu kommen, wo allerdings kein Ranger mehr stand. Stattdessen sprach uns dort ein weiterer Guide an. Er erzählte die Maya seien ursprünglich über Alaska aus Asien nach Mittelamerika gekommen. Als Beweis dafür habe man bei reinrassigen Maya, wie er einer sei, am Rücken eine anatomische Besonderheit nachweisen können, die auch bei Mongolen zu finden ist. Zudem seien die Maya eher klein gewesen, genau wie er mit seinen 1,65 m. Ein König von Tikal, dessen Grab man gefunden habe, sei jedoch stattliche 1,82 m groß gewesen und 80 Jahre alt geworden. Beim leckeren Abendessen im Restaurant der Lodge konnten wir dann auf Spiegel Online lesen, dass der Flüchtlingstreck inzwischen auf etwa 7.500 Personen angewachsen sei, die mexikanische Grenze erreicht und dort den Fluss durchquert habe. Die Weiterreise sei dann teilweise auf den total überfüllten Ladeflächen von LKW erfolgt.

Im Urwald mit den Ruinen leben viele Tiere. Auch Gruppen der sympathischen Nasenbären, Pizotes genannt.

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