4. Tag

Nach einem sonntäglichen Supermarktbesuch um 8.30 Uhr morgens, machten wir uns auf den Weg nach Amboy, einem fast vergessenen 17-Seelen-Nest an einem erhalten gebliebenen Teilstück der historischen Route 66. Zunächst durchquerten wir das Wonder Valley, wo in unregelmäßigen Abständen ganze Batterien von Briefkästen an der Straße standen, die zu den kleinen, vereinzelt in der Einöde stehenden Häusern gehörten. Im kleinen Café neben der restaurierten Tankstelle von Amboy konnten wir dann bei einem Mann, der an seinem Gürtel für jeden gut sichtbar einen Revolver trug, Kekse, Ansichtskarten, T-Shirts und gekühlte Getränke kaufen. Nachdem man vergeblich versucht hatte den ganzen Ort bei Ebay zu versteigern, erwarb ihn 2005 der aus Japan stammende Besitzer einer erfolgreichen Hähnchenbräterei mit 21 Filialen, um ihn wieder instand zu setzen und zu vermarkten. Das Motel ist aber bis heute geschlossen.

In Las Vegas angekommen, fanden wir dann problemlos die Abfahrt auf den vom Verkehr total verstopften „Strip“ und bogen von dort auf die Zufahrt zum Bellagio ab. Vor dem Haupteingang gab es acht Fahrspuren, wo die Autos zum Ein- und Ausladen kurz anhalten konnten. Sofort kam ein Page mit einem Gepäckwagen, verlud unsere Koffer und gab uns eine Registrierkarte. Nachdem das Auto in einem der drei hoteleigenen Parkhäuser verstaut war, gingen wir in die Lobby, wo sich ein ganzes Dutzend Mitarbeiter hinter einer langen Theke nur um die ein- und auscheckenden Gäste kümmerte. Wir bekamen zwar extra einen Lageplan, aber alle Wege waren so gut ausgeschildert, dass wir das uns zugedachte der insgesamt 3.933 Zimmer im 28. Stock auch ohne einen Blick darauf problemlos fanden. Von unserem Fenster hatten wir einen tollen Blick auf den Garten und die Pools des Hotels und das umliegende Stadtgebiet. Auf dem Telefon gab es eine Extra-Taste für den Gepäckservice, nach dem Durchlaufen einer Warteschleife musste man nur die Nummer seines Registrierscheins nennen und 10 Min. später klopfte ein weiterer Page mit dem dazu passenden Gepäckwagen an der Tür.

Bevor wir den riesigen Gebäudekomplex näher erkundeten, reservierten wir drei Karten für die hauseigene Show „O“. Die 90-minütige Vorstellung des Cirque du Soleil in einem eigens dafür gebauten Theater mit 1.800 Plätzen war am Abend komplett ausverkauft. Als sich der effektvoll wallende rote Vorhang schließlich um 19.30 Uhr hob, nahm ein großes Schwimmbecken das gesamte Bühnenrund ein. Die Wasserfläche konnte durch eine in viele kleine Segmente unterteilte Plattform in der Tiefe reguliert oder auch in wenigen Sekunden gänzlich trocken gelegt werden. Mehrere Dutzend Darsteller in bunten, sehr aufwendigen Kostümen bevölkerten die phantasievollen Szenen in, an und über dem Wasser. Für Atmosphäre sorgten die Musik, vielfältige Lichteffekte und verschiedene Vorhänge. Zu den Requisiten gehörte z.B. ein riesiges Trapez in Form eines stilisierten Schiffs oder 2-3 m große Pferdefiguren wie von einem Kirmeskarusell, die von der Hallendecke ins Wasser schwebten und darin dann von kleinen Schrauben angetrieben eigenständig herumfuhren. Einmal sprangen die Artisten von am Rand aufgestellten Schiffsschaukeln im hohen Bogen mit Pirouetten, Salti oder anderen Flugfiguren kunstvoll ins Wasser. Später stürzten sich drei Akteure sogar von der Hallendecke senkrecht in das etwa 15 m darunter befindliche Becken hinab. Für zwischenzeitliche Erheiterung sorgten zwei Clowns, die auf einem schwimmenden Hausboot mit Standuhr, Bett und anderen Utensilien ihre Späße machten.

Als wir nach der Show wieder am Speisesaal des All-you-can-eat-Buffets für 40 US$ vorbeikamen, standen dort noch immer viele Leute in einer Dutzende Meter langen Schlange an, und warteten auf Einlaß. Nach einer kurzen Pause im Zimmer schauten wir uns zuerst die sehr effektvollen Wasserspiele auf dem künstlichen See vor unserem Hotel an und bummelten dann über den nächtlichen, hell erleuchteten Strip. Es waren selbst nach Mitternacht noch solche Menschenmassen unterwegs, dass man nur langsam vorankam. Allein vor dem Treasure Island-Hotel standen viele hundert Leute und warteten auf die Mini-Seeschlacht, die dort alle 90 Min. zwischen furchterregenden Piraten und leicht bekleideten Sirenen stattfand. Gegen 1.30 Uhr war ich dann schließlich im Bett.

Tägliche Seeschlacht vor dem Treasure Island-Hotel in Las Vegas.

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