17. Tag

Um 7.15 Uhr startete die Manatee Snorkel Tour mit Captain Jeff, der die ganzen drei Stunden viel Interessantes zu den Seekühen erzählte. Den ersten Stopp machte er an der Three Sisters Spring, wo ein mit Bojen und Leinen abgeteilter Bereich allein den Tieren vorbehalten war. Ein Parkranger auf einer halb ins Wasser gebauten Terrasse wachte außerdem darüber, dass kein Schnorchler die Regeln der „passive observation“ übertrat. Als schließlich ein Manati mit einer kleinen Peilboje, gefolgt von zwei weiteren Tieren, in das Sanctuary schwamm, konnte man durch die Taucherbrille ihre grauen Umrisse in der Ferne ganz gut erkennen. Das Tier schlief dann schnell ein und schwebte dabei bewegungslos im Wasser, laut Jeff mit abgeschaltetem Gehirn. Zudem berichtete er, dass im vergangenen Jahr in einem anderen Küstenabschnitt etwa 500 Manatis durch die „red tide“, eine giftige rote Alge, verendet seien. Normalerweise aber sei Erfrieren im Winter die häufigste Todesursache, deshalb suchten die Seekühe zu dieser Zeit besonders nachts oft die artesischen Quellen mit einer ganzjährig konstanten Wassertemperatur von 72 °F (22,2 °C) auf. Weil sie eine niedrige Stoffwechselrate und nur wenig Körperfett besitzen, tolerierten die Tiere keine allzu niedrigeren Temperaturen. Im Sommer wandern sie zwar bis Texas im Westen oder Virginia im Norden, kehren aber nach Florida zurück, wenn die Wassertemperatur im Meer fällt. Die Manatis ernähren sich von etwa 60 verschiedenen Wasser- und Sumpfpflanzen und pro Tag kann ein Tier das Seegras auf der Fläche eines Fußballfeldes abweiden bzw. bis zu 10% seines Körpergewichts von 500-600 kg fressen. Als Anpassung an die Abnutzung der Zähne durch die harte Pflanzenkost wachsen von hinten kontinuierlich neue Backenzähne nach, die dann vorne angekommen ausfallen. Im Schnitt tauchen die Seekühe alle 2-4 Min. zum Atmen auf, sie können aber beim Ruhen auch 15-20 Min. unter Wasser bleiben.

Bei nur 17 °C Außentemperatur war es ziemlich kalt, als wir in unseren nassen Neopren-Anzügen wieder ins Boot kletterten, daher verteilte der Kapitän Becher mit heißer Schokolade und Kaffee. Es folgten eine zweite Schnorchelrunde, nachdem zwei weitere Manatis angekommen waren, und ein Stopp an einem anderen Sammelpunkt an der Kings Spring in der gleichnamigen Bucht. Auf der Rückfahrt erfuhren wir dann, dass sich die Zahl der Schnorchler in den vergangenen zehn Jahren auf jährlich 170.000 Personen vervielfacht hat, so dass es längst nicht mehr möglich ist, dass jeder auch ein Manati anfassen kann. Es sei denn das Tier nähert sich von selbst, um mit seinen Barthaaren, die viel sensibler sind als die von Seelöwen, zu erkunden, wer denn da noch im Wasser ist.

Nach der Rückkehr ins Resort nahmen wir gegen 11.15 Uhr eine heiße Dusche und gingen anschließend hinunter zum Sonntagsbrunch. Am Nachmittag fuhren wir dann ins 7 Meilen entfernte Homosassa Springs. Vom Parkplatz des gleichnamigen State Parks ging es dort mit einem Elektroboot über den Pepper Creek durch tropische Vegetation, mit Spanish Moss an den Bäumen und Nistkästen der ehemals bedrohten Brautenten (wood ducks) im Wasser, zum eigentlichen Eingang. Unterwegs erzählte der Kapitän, dass Henry Ford, als er sein Model T auf den Markt brachte, Spanish Moss für das geeignete Füllmaterial für die Sitzpolster hielt. Da darin aber viele kleine Käfer und andere Insekten leben, gab es schon bald die erste Rückrufaktion in der Automobilgeschichte. Die Attraktion im Park ist das 360°-Observatorium in einem abgeteilten Seitenarm des Homosassa Rivers, von dem schon im Diveshop die Rede gewesen war. Die Fenster waren aber schon deutlich sichtbar mit Algen bewachsen und außerdem war der Zugang zum Quelltopf im Winter für die wilden Artgenossen der vier Park-Manatis geöffnet. Diese waren solange in ein kleines separates Bassin gesperrt, damit sie nicht davon schwimmen konnten, und erhielten dort ihre tägliche Ration Salatköpfe. Ein Rundweg führte außerdem vorbei an Gehegen mit anderen in Florida heimischen Tieren, wie z.B. Flussottern, Luchsen, Pumas, Schwarzbären oder Kaninchenkäuzen und vielen anderen Vögel. Am Wegrand war der Park schon weihnachtlich geschmückt mit lebensgroßen aufblasbaren Rentieren sowie Weinachts- oder Schneemännern und bunten Lichterketten. Als die Tiere gegen 17 Uhr aus den Freigehegen für die Nacht in ihre Käfige gebracht wurden, machten wir uns auf den Rückweg zum Resort.

Fahrt mit dem Elektroboot über den Pepper Creek durch tropische Vegetation im Homosassa Springs State Parks.
Fahrt mit dem Elektroboot über den Pepper Creek durch tropische Vegetation im Homosassa Springs State Parks.

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