5. Tag

Um 5.25 Uhr klopfte es an unserer Zimmertür, davor standen drei Herren vom Sicherheitsdienst und ein Techniker. Sie entschuldigten sich für die Störung und erklärten vier Etagen über uns wäre ein Betrunkener in seine Badewanne gestiegen, habe das Wasser aufgedreht und sei dann wohl eingeschlafen. Sie wären nun dabei herauszufinden durch wie viele Stockwerke die Feuchtigkeit nach unten gedrungen sei. Bei uns war jedoch alles trocken, obwohl auch das Bellagio in der typisch amerikanischen Leichtbauweise mit Stahlskelett und  Pressholzplatten statt Steinmauern errichtet worden war. Insgesamt sehen die durchaus beeindruckenden Fassaden der Casinos in Las Vegas deshalb alle ein wenig künstlich aus, die Optik ihrer Spielsäle ist allerdings fast beliebig austauschbar.

Draußen brennt die Sonne tagsüber so heiß, dass die Straßencafés statt der in unseren Breiten üblichen Heizstrahler in gesondert ausgewiesenen „cooling zones“ große Ventilatoren aufgestellt haben, die zur Abkühlung feine Wassernebel versprühen, die nach ein bis zwei Metern in der Hitze verdunsten. Viele Hotels sind deshalb durch klimatisierte Gänge mit gedämpftem Licht und zahlreichen Geschäften untereinander verbunden. Größere Entfernungen überbrücken Monorail-Bahnen, deren Strecken auf beiden Seiten des Strips hinter den Casinos verlaufen.

Betritt man die Straße, so blendet zunächst die Sonne und vor den Billigshops stehen zahlreiche Latinos, die mit ganzen Stapeln von Visitenkarten in ihren Händen, auf denen willige Damen ihre Dienste anbieten, ratschende Geräusche machen. In der ganzen Stadt regiert der Kommerz, man kann praktisch auf jedem Meter für irgendetwas Geld ausgeben.

Nach einer Verschnaufpause im Hotel erkundete ich weitere Casinos, unter anderem das Venetien mit einer Miniaturausgabe des Canale Grande. Auf dem kleinen Kanal ruderten Gondoliere die Gäste auf Wunsch in echten Gondeln bei stilechten italienischen Gesängen über den Vorplatz und durch die Shopping Mall.

Am Abend sah ich mir bei nur noch angenehm warmen Temperaturen nocheinmal die Fontänen des Bellagio an und beobachtete das Treiben vor dem Hotel, wo ein klein gewachsener Mann im Livree energisch die in einer langen Reihe über eine spezielle Auffahrt anrollenden Taxen zu den wartenden Gästen dirigierte. Diese standen ebenfalls ganz brav in einer Reihe, um auf die einzelnen Fahrzeuge verteilt zu werden. Viele der Damen hatten sich für den abendlichen Ausflug mit Abendkleid und hohen Schuhen richtig in Schale geworfen.

Die Lobby und die Rezeption des Bellagio in Las Vegas.

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