18. Tag

Die Fahrt nach Orlando führte zunächst durch eine Farmgegend mit Gemüsefeldern, Rinderweiden und kleinen Waldstücken und dann durch den Ocala National Forest. Kurz dahinter stoppten wir am Lake Woodruff National Wildlife Refuge am Oberlauf des St.Johns River, dem mit 500 km längsten Fluss Floridas. Dort liefen wir den kurzen Mayaca Trail ab, der durch ein kleines Wäldchen und über eine Lichtung mit dicht mit Spanish Moss behangenen Bäumen führte. Unterwegs konnten wir einen Weißkopfseeadler auf seinem Horst beobachten. Der Name des Weges erinnert an die Mayaca-Indianer, die bis zur Ankunft der Spanier am Fluss lebten. Die Gegend am mäandernden St.Johns River mit einer Kette von Seen war früher der Brotkorb des Landes. 1565 gründeten die Spanier dort St.Augustine und beschrieben die Mayaca als „viele und sehr kriegerisch“. Bereits 1717 war vom gesamten Stamm aber nur noch ein einziges Dorf mit Flüchtlingen übrig.

Nur wenige Meilen weiter besuchten wir den Blue Spring State Park am Rand von Orange City. Dieser trägt den Beinamen „Winter home to the Manatee“ völlig zu recht, der Ranger am Eingang berichtete, dass sich derzeit 42 Tiere im Bereich der Quelle aufhalten. Diese ist malerisch umrahmt von üppiger Tropenvegetation und im kristallklaren Wasser waren neben den Seekühen auch viele große Fische und einige Schildkröten zu beobachten. Während die örtliche Population 1970 nur vier Manatis umfasste, ist ihre Zahl bis 2005 auf fast 200 gestiegen. In den Sommermonaten findet man die Tiere nur selten im Quelltopf mit konstant 72 °F, denn der St.Johns River ist mit 85 °F (29,4 °C) in der Spitze im August deutlich wärmer, im Februar aber dagegen mit 50 °F (10 °C) wesentlich kälter. Deshalb sammeln sich die Manatis von Ende November bis April im Quelltopf, weil sie bei einem längeren Aufenthalt in Wasser, das kälter ist als 60 °F (15,6 °C) erfrieren würden. Die Blue Spring ist die größte Quelle des St.Johns River, sie liefert täglich 101 Millionen Gallons (je 3,79 l) Wasser. Diese Menge würde ausreichen, um jedem Einwohner der Metropolregion Orlando jeden Tag 50 Gallons bereitzustellen. Das Wasser stammt aus dem Floridan Aquifer, den jedes Jahr die Sommerregenfälle wieder auffüllen. Allerdings trägt der Regen auch nicht natürliche Mineralien aus Düngemitteln und Chemikalien in das Grundwasser ein, die dann im Quelltopf das Algenwachstum fördern, das dem Wasser ein milchiges Grün verleiht. Der erste weiße Siedler an der Quelle war Louis Thursby, der dort 1856 mit seiner Familie ankam und damals nur per Dampfschiff Anschluss an den Rest der Welt hatte.

Auf der teilweise 10-spurigen Interstate 4 fuhren wir dann am Zentrum von Orlando mit der typischen Hochhauskulisse vorbei und bogen am Rand des riesigen Disney-Geländes zu unserem Hotel ab. Im Umfeld der gut zwei Dutzend Themenparks gibt es jede Menge große Hotels. Unseres hatte 279 Suiten und auf den Betten lag ein Zettel mit dem Tipp „Für ein gutes Frühstück komme um 9 Uhr nach unten, für ein besseres Frühstück um 8 Uhr und für das beste um 7 Uhr“, denn je später der Morgen, desto länger die Schlangen. Das Hotel war aber nur mäßig belegt, so dass es am nächsten Morgen kein Gedränge im Frühstücksraum für 250 Leute geben sollte.

Am Abend fuhren wir noch kurz in das örtliche Outlet, das passend zum Standort riesig war und dort herrschte wirklich fast Gedränge wie im Schlussverkauf. In den großen Geschäften waren viele Auslagen schon ziemlich zerwühlt und viele Leute regelrecht mit Tüten bepackt. Zurück im Hotel versuchten wir dann ermäßigte Tickets für Seaworld zu bekommen, die regulär 97,98 US$ inkl. Tax kosteten. An einem Infoschalter in der Lobby bot uns eine Dame Promotion-Tickets für 54 US$ an. Voraussetzung dafür sei allerdings ein verheiratetes Paar zu sein, eine Kreditkarte zu haben und mehr als 60.000 US$ im Jahr zu verdienen. Die Tickets gebe es dann als Geschenk für die Teilnahme an einer 90-minütigen Infoveranstaltung über Timesharing-Apartments. Ein kleiner Kiosk auf der anderen Straßenseite hatte ein ganz ähnliches Angebot, das zwar auch für nicht Verheiratete, aber nicht für Europäer galt. Der Vermittler, der sich das Kioskfenster mit einem sehr anhänglichen Boxer teilte, bedauerte uns nicht helfen zu können und gab noch den Tipp, dass man im Internet derzeit auf der Seaworld-Homepage für Werktage Tickets ohne Verkaufstour für 50 US$ buchen könne. Es stellte sich dann jedoch heraus, dass dieses Angebot wieder nur für US-Bürger galt.

Szenerie im Blue Spring State Park dem „Winter home to the Manatee“.
Szenerie im Blue Spring State Park dem „Winter home to the Manatee“.

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