12. Tag

Um 5.30 Uhr gab es Kaffee, Tee und ein paar Kekse. Dann startete der Wildlife Walk mit Carlos, dem Sohn des Hauses. Wir fuhren zuerst mit seinem Geländewagen in den Nationalpark und folgten dort für einige Kilometer der Piste nach Nakum. Diese wird in der Regenzeit nur selten befahren, war auf dem ersten Abschnitt jedoch gar nicht matschig. Dann ging es für ein paar Kilometer zu Fuß weiter, unterwegs sahen wir aber kein einziges Tier. Daher kehrten wir um und bogen auf den noch seltener befahrenen Pfad zum 2 km entfernten Pochitoca ab, einem der unzähligen kleinen Fundorte. Es handelte sich dabei um die nicht ausgegrabenen Plattformen einer Wohnsiedlung, die wir am Wegesrand gar nicht als solche erkannt hätten, wenn Carlos uns nicht darauf hingewiesen hätte.

An einer feuchten Stelle zeigte er uns außerdem Fußspuren, die er als Tapir identifizierte, und einen kleinen Laubhaufen, den ein Jaguar nach dem Urinieren zur Reviermarkierung mit der Pranke zusammengeschoben haben sollte. Dann scheuchten wir noch ein paar Pekaris auf, mittelamerikanische Wildschweine, die wir aber mehr flüchten hörten als dass wir sie sahen. Weitere Tierbeobachtungen machten wir auf der insgesamt gut 10 km langen Wanderung nicht. Carlos Erklärung dafür war der Vollmond. Den Tieren sei es daher nachts zu hell, sie fühlten sich nicht sicher und zögen sich tiefer in den Wald zurück. Um kurz vor 10 Uhr waren wir dann zurück in der Lodge, wo es das übliche kleine Frühstück gab.

Danach erkundeten wir das Lodge-Gelände genauer und machten am Bootssteg Bekanntschaft mit „Rosco“, einem der endemischen Moreletti-Krokodile der Lagune. Rosco schwamm ganz langsam auf seinen Lieblingsplatz zu, tauchte aber ab, als er uns bemerkte. Erst eine halbe Stunde später kam er wieder an die Wasseroberfläche und schwamm davon. Um 14.30 Uhr starteten wir dann mit Hildardo zu einer Bootstour über die Lagune. Auf der Fahrt nach Topoxté, der größten der vier Inseln in dem flachen See, sahen wir Reiher, Kormorane und einen Pelikan. Auf Topoxté befand sich eine Maya-Siedlung mit über 100 Gebäuden. Zur Blütezeit von Yaxhá fanden dort drei königliche Begräbnisse und andere Zeremonien statt. Heute ist die Insel von vielen Moskitos bewohnt und einigen Brüllaffen, die wir endlich nicht nur hörten, sondern auch dösend in den Bäumen über uns entdeckten. Nachdem sie eine ganze Weile nur schläfrig auf den Ästen gelegen hatten, lieferten sich die Männchen von zwei kleinen Gruppen dann schließlich doch noch den ersehnten akustischen Schlagabtausch. Eines von ihnen war dabei nur gut fünf Meter von uns entfernt.

Auf dem Rückweg fuhren wir noch ein paar Buchten der Lagune ab und entdeckten einige Eisvögel, zwei Tukane und weitere Vögel. Alle allerdings außer Fotoreichweite. Nach Sonnenuntergang kamen wir auch am alten Anleger von Yaxhá unterhalb von Tempel 216 vorbei und erreichten schließlich wieder die Lodge. Dort erzählte uns die Chefin, dass sie seit 38 Jahren dort lebe, aber noch nie einen so trockenen Oktober erlebt habe wie 2018. Diese Wetterveränderung kam uns Touristen natürlich entgegen, war für die örtlichen Farmer aber eine Katastrophe. Der deutsche Dürresommer 2018 mit regionalen Ernteeinbußen von bis zu 50% lässt grüßen.

Beim Bezahlen hatten wir dann eine längere Diskussion über ein angemessenes Preis-Leistungs-Verhältnis. Schließlich einigten wir uns auf einen Abschlag von gut 10 Prozent und tranken mit der Chefin zusammen einen guten guatemaltekischen Rum. Insgesamt war die Dame sehr hilfsbereit und freundlich, die Location schön und das Essen in Ordnung, im Vergleich zu anderen Unterkünften der Reise war El Sombrero aber einfach überteuert.

In der acht Quadratkilometer großen Laguna Yaxhá leben auch einige endemische Moreletti-Krokodile.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Ich akzeptiere

Autor *:

Webseite: