10. Tag

Nach dem Frühstück packten wir unsere Sachen zusammen und deponierten sie zusammen mit vier Croissants, die wir als Bestandteil der Breakfast-Box sehr gelobt hatten und die uns Frau Hanan deshalb noch gratis als Reiseproviant hatte besorgen lassen, an der Rezeption. Dann gingen wir zuerst noch einmal in den Ferial-Garden und beobachten das Treiben auf dem Nil, das aber heute deutlich verhaltener war als vor drei Tagen. Gegen 13 Uhr fuhren wir dann mit dem Taxi nach Schellal südlich des alten Dammes, zum Anleger der Barkassen zur Insel Philae. Da der Preis für die Überfahrt pro Boot und nicht pro Person verhandelt wird, taten wir uns mit einem Pärchen aus Neuseeland und einer slowenischen Fremdenführerin mit ihrem ägyptischen Begleiter zusammen, was die Kapitäne natürlich nicht gerne sahen, die lieber drei Mal kassiert hätten.

Der örtliche Tempel ist Isis, der göttlichen Mutter, geweiht, die in den ersten Jahrhunderten die größte Konkurrentin des Christentums war. Nach Ansicht einiger Experten versuchte die noch junge Religion deshalb die Anbeter der Göttin durch den Marienkult für sich zu gewinnen. Die Insel Philae war von der Ptolemäerzeit bis weit in die christliche Zeit von großer Bedeutung, der Tempel der Isis schloß erst 550 n.Chr. als letztes heidnisches Heiligtum seine Pforten. Auf der nördlichen Innenwand des Hadrianstores findet sich die letzte ägyptische Hieroglyphen-Inschrift aus dem Jahr 394 n.Chr.. Sie stammt vom greisen Priester Esmet-Aton, der die unsauber eingeritzte Zeichenfolge unvollendet ließ, weil er sich nur noch unvollständig an die traditionellen Formulierungen und Zeichen erinnerte.

Eigentlich hatten wir länger auf der Insel bleiben und am Abend noch einige Aufnahmen der beleuchteten Anlage machen wollen. Weil die Draufsicht mit Wasser im Vorder- und Hintergrund, wie sie auf dem Bild des französischen Fotografen Patrick Godeau im National Geografic Reiseführer zu sehen ist, aber nur derjenige hat, der auf der Nachbarinsel den dortigen Hügel erklettert, fuhren wir mit den anderen schon nach 90 Min. mit der Barkasse zurück, die solange gewartet hatte. Unser Taxifahrer hatte nicht gewartet, da eigentlich vier Stunden für die Besichtigung eingeplant waren. Stattdessen hatte er uns einen kleinen Zettel mit seiner Fahrzeugnummer und seiner Handynummer gegeben, der Teil eines raffinierten Systems war. Man ging damit zu einem Polizisten, der auf dem Parkplatz Dienst tat, und irgendwann seine scheinbar endlosen Privatgespräche kurz unterbrach, um den jeweiligen Fahrer anzurufen, der bald darauf erschien und seine Passagiere wieder abholte. Für uns kam, aus welchen Gründen auch immer, ein anderes Taxi. Wir ließen es kurz vor unserem Hotel halten, um das Gepäck zu holen, und uns dann am Bahnhof absetzen. Dort ging es vor den Ticketschaltern recht chaotisch zu und wir erhielten widersprüchliche Auskünfte: Mal sollte der nächste Zug um 16 Uhr fahren, mal um 18 Uhr oder auch erst um 22 Uhr, die Tickets sollte es am Schalter geben, oder doch nur beim Schaffner direkt im Zug und andere Ungereimtheiten. Daher stiegen wir schließlich in den Nachtzug nach Kairo ein, dessen Schaffner einem Agatha Christie-Krimi entsprungen sein könnte. Ein stattlicher Mann mit Schnurrbart und tadeloser Weste, der mit seiner sonoren Stimme ein perfektes Englisch sprach und uns am Platz heißen Tee servierte. Der Zug fuhr pünktlich um 16 Uhr ab und so reisten wir für den doppelten Preis des normalen Zuges im Schlafwagenabteil zurück nach Luxor, wo wir um 19.15 Uhr ankamen. Als wir nach 10 Min. mit einem Taxi vor unserem Hotel hielten, wollte der Fahrer die ausgehandelten 15 LE insgesamt plötzlich pro Person haben und gab Dirk auf einen 50 LE-Schein kurzerhand nur 25 LE wieder heraus. Kurze Zeit später sprach uns auf dem Weg zu einem Restaurant Achmed an. Er sei Lehrer, habe einen Manfred aus Frankfurt als Freund und wolle uns auf einen Tee ins Kaffeehaus einladen, weil er so gerne Deutsch spreche. Erst erzählte er, dass er mit seinen vier Kindern und einer jungen, hübschen Frau auf der Westbank wohne, die sich immer über Besuch freuen würde. Seine Deutsch-Kenntnisse stellten sich aber schnell als sehr begrenzt heraus, so dass er ins Englische verfiel und von seiner belgischen Freundin berichtete, die er schon in Brüssel besucht habe und die einmal im Jahr nach Ägypten käme und ganz vernarrt in ihn sei. Er besorge ihr dann ein Appartment in Luxor, denn er liebe einfach den Sex und die Frauen, von denen er ja bis zu vier haben dürfe. Seine Gattin wisse und akzeptiere das. Schließlich wollte er uns unbedingt ein ganz tolles Shopping-Center zeigen, wo es viele Souvenirs gebe und die Verkäufer alle Anzug und Krawatte trügen. Sie gehörten schließlich wie er selbst zu den gebildeten Ägyptern, während die Kalesch-Fahrer und die anderen einfachen Leute ja einfach überhaupt keine Ahnung hätten. Wir lehnten ab und wollten auch nicht, dass er uns zu den besten Geschäften im Souk führte. Als er realisierte, dass mit uns wohl kein Geschäft mehr zu machen war, erzählte er von seiner angeblichen Sammelleidenschaft für ausländische Münzen, die er bei der Bank aber nicht bekommen könne, weil man dort nur Scheine vorhalte. Exemplare aus Holland und Belgien habe er schon, aber eines aus Deutschland fehle ihm noch. Unseren Einwand, dass es in allen drei Ländern seit fast zehn Jahren einheitlich nur noch den Euro gebe, ignorierte er und beharrte auf einer deutschen Münze. Um den unsympathischen Kerl endlich loszuwerden, kramte ich ein 50 Cent-Stück aus dem Portemonnaie, das sogar das Brandenburger Tor zeigte, aber das wollte er nicht, lieber einen Euro. Als ich dabei blieb nur diese eine Münze dabei zu haben, weil man in der Bank ja schließlich nur Scheine tauschen könne, steckte er sie schließlich ein, brachte noch ein knappes „Danke schön“ über die Lippen und verschwand.

Gleich am ersten Tag hatte uns vor dem Hotel schon ein Junge angesprochen und erzählt er arbeite dort in der Küche und hätte uns gesehen. Nun habe er aber frei und müsse Kräuter kaufen, bei dieser Gelegenheit wollte er uns einen echt arabischen Markt zeigen, der nur einmal in der Woche stattfinde und gerade heute gebe es auch noch alles zum halben Preis. Am nächsten Tag erzählte uns der Nächste er sei Koch in unserem Hotel, habe uns dort gesehen und würde uns gern einen tollen, nur an diesem Tag geöffneten Markt zeigen.

Es ist auf die Dauer schon nervig ständig unter fadenscheinigen Vorwänden angesprochen zu werden, wobei die Unterhaltung mehr oder weniger schnell immer darauf hinausläuft, dass man für irgendetwas, was man gar nicht will bzw. braucht, Geld ausgeben soll. Da passiert es dann schnell, dass man auch den Ägyptern gegenüber, die wirklich nur nett und hilfsbereit sein möchten, kurz angebunden oder sogar abweisend gegenübertritt.

Der Eingang des Isis Tempels auf der neuen Insel Philae.
Der Eingang des Isis Tempels auf der neuen Insel Philae.

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