8. Tag

Um 10 Uhr holte uns Ramu ab, um uns für 5.000 INR zum 270 km entfernten Bandhavgarh-Nationalpark zu bringen. Wir fuhren zuerst zum Panna-Nationalpark, bogen hinter der Brücke aber dieses Mal nach links ab und passierten kurz darauf den Abzweig zum Pandav-Wasserfall mit den gleichnamigen Höhlen. Anschließend umrundeten wir das halbe Schutzgebiet und kamen auch am Hinauta-Gate vorbei. An der Straße standen immer wieder Tempo 20-Schilder und Wildwechsel-Warnungen mit einem gezeichneten Tiger, Leopard, Lippenbär oder Hirsch. Die Schilder beachtete aber niemand, auch Ramu nicht.

Auf der Weiterfahrt über Katni und Umaria passierten wir dann ein staatliches Weizendepot. Auf dem großen umzäunten Gelände hatte man die Getreidesäcke nach oben spitz zulaufend aufgestapelt und mit blauen Planen abgedeckt. Die entstandenen Gebilde sahen aus wie Einfamilienhäuser und waren auch ungefähr so groß. Bei einem Stopp in einem Straßenrestaurant konnten wir dann in der offenen Küche beobachten, wie der junge Koch ein auf dem Kohlenofen in der Pfanne blubberndes Curry mit allerlei Gewürzen verfeinerte, die er mit flinken Fingern darüber streute.

Je näher wir dem Bandhavgarh-Nationalpark kamen, desto baumreicher wurde die Landschaft, bis die einspurige Straße schließlich durch den „Dschungel“ führte. An einer Stelle mit einem kleinen See fuhr Ramu langsamer, denn dort habe er schon häufiger Tiger gesehen. Heute zeigte sich aber keiner, doch wir merkten immerhin, dass es mit „nur“ 40 °C etwas kühler war als an den Vortagen.

Als ich Ramu nach seinen Unterkunftsempfehlungen fragte, kam das von uns gebuchte Wildflower Resort in seiner Aufzählung nicht vor und wir sollten bald erfahren warum. Das abgelegene Gelände war nur über eine 4 km lange Lehmpiste erreichbar. Als wir vor dem Tor standen, passierte zunächst nichts, dann gab es Welcome Drink ein kleines Glas Wasser. Unser Cottage roch nach Schimmel und wirkte wie die gesamte Anlage ungepflegt. In den Rabatten lag Müll und auch von den drei auf der Homepage beschriebenen Restaurants sahen wir nichts. Im Speisesaal gab es nicht mal eine einzige Speisekarte, stattdessen wurden wir einfach gefragt, ob wir Fleisch oder vegetarisch essen wollten. Das WLAN entpuppte sich zudem als Hotspot, den der 27-jährige Manager Akshay für ein paar Minuten mit seinem Smartphone einrichten konnte.

Die Krönung war aber eine Baustelle für ein neues Konferenz-Zentrum, für das der noch immer auf der Homepage abgebildete, vergleichsweise große Pool scheinbar abgerissen worden war. Stattdessen ging Akshay mit uns zum heruntergekommen Wellness-Bereich, wo man ein winziges Becken mit Wasser gefüllt hatte. Es gab weder Schirme noch ein Sonnendach, auf den heißen Fliesen neben dem Becken standen nur ein paar Liegen. Der Manager erklärte uns erst, dass wir am falschen Pool seien, bemerkte aber dann seinen Fehler und beharrte fortan darauf, dass es nie einen anderen Pool gegeben habe.

Wir beschwerten uns nachdrücklich, aber weder Akshay noch sein Chef, den er kurzerhand anrief, wollten etwas von einem Preisnachlass wissen. Stattdessen boten sie uns die VIP-Zimmer an, die noch einmal frisch gereinigt worden seien. Im Bad gab es allerdings weder Handtücher noch Toilettenpapier und im Schrank unter dem Fernseher, wo wir einen Kühlschrank vermutet hatten, fanden wir nur einen Haufen leerer Flaschen. Das unengagierte Personal hatte scheinbar nur ein wenig Raumspray versprüht. Da hatten wir am Vortag im Syna Heritage Hotel für das gleiche Geld um mehrere Klassen besser gewohnt.

Das Abendessen war dann aber gut und wir unterhielten uns noch ein wenig mit Akshay. Er erzählte, dass er ein Auslandssemester Hotel-Management in Melbourne in Australien verbracht habe und sein Vater als staatlicher Lehrer 35.000 INR im Monat verdiene. Außerdem hatte er eine interessante Erklärung für die mäßige Motivation seiner Mitarbeiter. Es seien Bauern aus den Dörfern der Umgebung, die außerhalb der Saison auf ihren Feldern arbeiten und die Anstellung im Resort eher als Hobby betrachten würden. Würde er sie zu sehr anherrschen oder antreiben, würden sie einfach gehen. Schließlich gebe es mit 144 Unterkünften rund um den Nationalpark genug andere Arbeitgeber. Da er als Manager aber nicht alles allein machen könne, müsse er eben immer ruhig bleiben und geduldig sein.

Hier sieht man eine Auswahl der Kräuter und Gewürze, die den besonderen Geschmack jeder indischen Garküche ausmachen.

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