11. Tag

Der „Morning Drive“ führte nur 12 km die Hauptstraße entlang und wieder zurück. Schon bald begegnete mir dabei auf der leeren Straße eine Tüpfelhyäne. Erst sah ich im Gegenlicht in einer Kurve nur ihre Silhouette auftauchen, die auch ein Warzenschwein hätte sein können. Aus der Nähe war dann aber sogar ihr blutverschmiertes Maul zu erkennen. Nur fünf Minuten später sah ich einige grüne Meerkatzen, die sich gegenseitig ausgiebig lausten und nach weiteren fünf Minuten Fahrt erreichte ich mehrere Autos am Straßenrand. Es stellte sich schnell heraus, dass dort zwei Löwinnen entlang trotteten und binnen Sekunden entstand eine Prozession von einem Dutzend Fahrzeugen, die jeweils in 2-er Reihen im Schritttempo hinterdrein rollten. An ein vernünftiges Foto war unter diesen Umständen natürlich nicht zu denken und bald gähnte eine Löwin noch einmal ausgiebig, dann bogen beide aber ganz gemächlich ins Gebüsch ab. Nach dem Frühstück sahen wir auf dem Weg zum Phabeni Gate schließlich drei Nashörner bei einer Ménage-à-trois, bei der es nach halbstündigem Turteln zum Geschlechtsakt kam, bei dem das dritte Tier dezent einige Schritte zur Seite trat. Einige km weiter kreuzte noch ein Nashorn unseren Weg, obwohl allein 2014 nur im Krüger Park schon 300 Exemplare gewildert worden waren. Anschließend beobachteten wir eine Paviansippe mit ihrem Nachwuchs beim Spielen und Streiten. Dabei musste eine Affenmama ihr Baby vor einer kinderlosen Nachbarin in Sicherheit bringen. Gegen 11.30 Uhr verließen wir den Park und hatten in den fünf Tagen im Malaria-Risikogebiet nur einen einzigen Moskito gesehen, der sich in unser Auto verirrt hatte.

Die Straße von Hazyview nach Süden führte zunächst durch arme, ehemalige Homelands und großflächige Plantagen von Tropenfrüchten. Dann passierten wir Nelspruit, die Hauptstadt von Mpumalanga, die sich seit den 1990-er Jahren vom Versorgungszentrum für Händler, Farmer und Goldsucher zur Handelsmetropole der Region entwickelt hat, mit sechsspurigen Straßen und der noblen Riverside Mall, die auch viele Geschäftsleute aus Mozambique und Swasiland anzieht. Hinter der wenig attraktiven, größten Stadt des Lowveld fuhren wir an einer ausgedehnten Bananenplantage vorbei, bevor die Straße bei Baberton in die wolkenverhangenen Berge hinauf führte. Durch die nebelähnlichen Verhältnisse mit ca. 50 m Sicht und die zahlreichen LKW, die die Steigungen der nur zweispurigen Straße mit 20-40 km/h hinaufschlichen, kamen wir bei kühlen 15 °C nur langsam voran. In den tiefer gelegenen Regionen erstreckten sich dann über ca. 100 km endlose Wiederaufforstungen mit Eukalyptus und Kiefern, gefolgt von einer Ebene mit großen Viehweiden und Ackerland. Unterwegs passierten wir alle paar km eine „Traffic control“. Als wir schließlich auch angehalten wurden, begnügte sich der Polizist aber mit einem kurzen Blick auf meinen Führerschein, erkannte ihn als europäisch und wünschte eine gute Weiterfahrt. Später fuhren wir auf der N2 durch weitere Nebelbänke und weitere Waldgebiete, bis wir schließlich im Dunkeln und bei leichtem Regen gegen 18.30 Uhr Pongola erreichten. Der örtliche Shoprite hatte schon um 18 Uhr geschlossen und so fuhren wir weiter zu unserem B&B, vorbei an einer Zuckermühle und über eine Lehmpiste durch Zuckerrohrfelder zu einem großen Anwesen mit Zaun und Rolltor, wo wir von zwei älteren Damen und einem doggenähnlichen Hund freundlich begrüßt wurden. Versorgt mit einer großen Flasche Wasser bezogen wir dann unser geräumiges Zimmer.

ménage à trois unter Nashörnern im Krüger-Nationalpark.
ménage à trois unter Nashörnern im Krüger-Nationalpark.

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