13. Tag

Von der Eco Lodge, dem Scheitelpunkt unserer Reise, starteten wir um 9.15 Uhr zurück in Richtung Guatemala-Stadt. Die westliche Route führte erst wieder nach Santa Elena, dort bogen wir dann auf die PET-11 nach Süden ab und fanden uns für die nächsten 20 km auf einer mittelprächtigen Schotterpiste wieder. Nach 2:45 Stunden Fahrtzeit hatten wir schließlich die 135 km entfernte Kleinstadt Sayaxché erreicht. Als wir an der Fähre über den Rio La Pasión ankamen, lief vom Lancha-Anleger gleich ein Bootsführer auf uns zu und bot für 650 Quetzales eine Fahrt zur Mayastätte Aguateca an. Es war kurz nach 12 Uhr und die Fahrt sollte pro Strecke anderthalb Stunden dauern, dann hätten wir noch zwei Stunden Zeit für die Besichtigung gehabt.

In der Umgebung von Sayaxché gibt es mit mehreren Flüssen, 14 Lagunen und insgesamt 32 archäologischen Stätten, wie Dos Pilas oder El Ceibal, sogar noch viel mehr zu sehen. Wir entschieden uns aber für die Weiterfahrt und setzten für 15 Quetzales mit der altertümlichen Fähre über. Nach einem kurzen Einkaufsstopp für drei Colas an einem Tienda führte die Straße zuerst durch den Wald des El Rosario-Nationalparks und dann oft kilometerweit schnurrgerade vorbei an Weiden und Ölpalmenplantagen. Man hätte entspannt 80-100 km/h schnell fahren können, wenn es die tumulos nicht gäbe. Diese weit verbreiteten steilen halbrunden Schwellen zur Verkehrsberuhigung zwangen im Extremfall alle paar hundert Meter zum Abbremsen auf Schrittgeschwindigkeit. Während manchmal ein Schild vor ihnen warnte oder die Hindernisse in leuchtenden Signalfarben gestrichen waren, konnte man die asphaltgraue Standardvariante oft erst im letzten Moment vom Schatten eines Baumes oder einer geflickten Stelle der Fahrbahndecke unterscheiden. Vor allem diese Art von Schwellen tauchte auch immer wieder plötzlich direkt hinter einer Steigung auf.

Doch es sollte noch schlimmer kommen, denn hinter der Brücke über den Rio Sebol endete die Teerstraße ganz unvermittelt. Wir hatten inzwischen das Departamento Petén verlassen und fuhren auf die Berge von Alto Verapaz zu. Die RN-5 führte dort auf den nächsten 50 km, für die wir drei Stunden brauchen sollten, streckenweise als Holperpiste der übelsten Art in unzähligen Kurven durch eine malerische Landschaft. An manchen Stellen war die oberste Schicht aus losen Steinen so locker, dass die Räder im ersten Gang durchzudrehen begannen und ein leichter Geruch von verschmortem Gummi in der Luft lag. Den Kontrast dazu bildeten felsige Passagen mit so hohen Steinkanten, dass unser Kia dort mehrfach mit dem Boden aufsetzte.

Auf den ersten km begegneten wir keinem anderen Fahrzeug, später kamen uns auf der einspurigen Piste aber doch einige Lastwagen und Busse entgegen. Irgendwie kam man an einer etwas breiteren Stelle jedoch immer aneinander vorbei und bedankte sich mit einem kurzen Hupen. In den kleinen Dörfern am Wegesrand waren meist viele Leute zu Fuß unterwegs. Männer in Gummistiefeln mit Holzbündeln oder großen Säcken auf dem Rücken und Frauen in traditionellen Röcken, teilweise auch in feineren hochhackigen Schuhen, mit Schüsseln auf dem Kopf oder Tüchern mit Babies auf dem Rücken. Für all diese Menschen, die ganz abgeschieden in einfachen Verhältnissen lebten, war der schlechte Zustand der Piste ganz normaler zeitraubender Alltag. Wir dagegen konnten mit unserem Auto einfach weiterfahren und dieses Problem hinter uns lassen.

Doch zunächst lagen hinter einer Kurve plötzlich ohne Vorwarnung einige größere Steine quer über die holprige Fahrbahn verteilt, über die sich zusätzlich ein Seil spannte. Daneben standen zwei junge Männer. Sie erklärten uns, sie hätten die schlimmsten Stellen der Piste mühevoll ausgebessert und wollten dafür von uns 200 Quetzales „Maut“ haben. Als wir nur lachten, waren es schnell 100 Quetzales und als letztes Angebot schließlich 50. Wir boten stattdessen unser zusammengesuchtes Kleingeld in Höhe 24,50 Quetzales an. Auch damit waren die beiden zufrieden und ließen uns passieren. In Campur begann dann endlich wieder der Asphalt. Allerdings endete er bereits direkt hinter dem Ort wieder, denn die Straße wurde dort gerade instandgesetzt. Immerhin hatte die Baustelle schon einen ebenen, verdichteten Schotterbelag. So erreichten wir bei Einbruch der Dunkelheit schließlich Lanquin. In dem kleinen Ort mit kopfsteingepflasterten Straßen, die uns an Copán Ruinas erinnerten, stürmten einige für guatemaltekische Verhältnisse recht aufdringliche Jungen auf unser Auto zu und wollten uns Hotels oder Touren vermitteln. Als wir dankend ablehnten, ließen sie uns aber schnell wieder in Ruhe.

Nach den letzten 11 km auf einer Lehmpiste, die einige Berghänge rauf und runter führte, kamen wir um 18.30 Uhr nach insgesamt 310 km Fahrt an unserem Tagesziel an, dem Hostal El Portal in Semuc Champey. Auf dem Parkplatz standen dort neben unserem Kia nur noch vier schwere Geländewagen. Das Hostel war eine preisgünstige Backpackerunterkunft. In den einfachen Holzhütten hing ein Hauch von Schimmelgeruch in der Luft und das mit lauter Musik beschallte mittelprächtige Restaurant hatte Fastfood und eine Cocktail-Happy hour im Angebot. Aufgrund der abgeschiedenen Lage gab es aber kein WiFi. Wir aßen nur noch etwas und dann war der Tag zu Ende.

„Semuc Champey“ bedeutet „Dort, wo das Wasser verschwindet“, denn 90 Prozent davon strömt durch eine Höhle darunter.

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