21. Tag

Wir folgten zuerst der N7 nach Süden und fuhren dann über kleine Schotterpisten weiter zur Atlantikküste. Unterwegs sahen wir tausende von fingerdicken, haarigen Raupen, die die Straße überquerten oder es zumindest versuchten, und am Ende sogar eine Schildkröte. Im Fischereihafen Lambert’s Bay angekommen, besuchten wir dann die dortige Vogelinsel mit einer Kaptölpel-Kolonie. Die ersten Brutpaare hatten 1912 auf den Felsen genistet, Mitte der 1950-er Jahre war die Zahl auf 4.000 Paare gestiegen und heute gab es etwa 9.500 Paare. 2005 hatten aber alle Vögel die Kolonie für sechs Monate verlassen, nachdem sechs Bullen der Pelzrobben-Population, die an der Spitze der Insel lebte, damit begonnen hatten Tölpelküken zu fressen und auch die erwachsenen Tiere zu Dutzenden zu töten. Als danach die ersten Tölpel zurückkehrten, überflogen sie ihre Nistplätze nur, trauten sich aber nicht zu landen, da sie sich nur in der Gruppe sicher fühlen. Um die Wiederbesiedlung der Kolonie einzuleiten, musste man deshalb erst lebensgroße, bemalte Tölpel-Gipsattrappen aufstellen.

Eigentlich stehen die 2,5 kg schweren Kaptölpel mit einer Flügelspannweite von bis zu 1,80 m nicht auf dem Speiseplan der Pelzrobben, möglicherweise hatten sich die Bullen aber aufgrund der Überfischung der Küstengewässer vor Hunger einfach nach einer anderen Nahrungsquelle umgesehen. Heute wacht ein Mitarbeiter des Wildlife Service darüber, dass die Robben auf ihren Felsen bleiben und vertreibt sie, wenn sie den Vögeln zu nahe kommen. Und so herrscht in der Kolonie wieder ein reges Kommen und Gehen. Da die Nester ausschließlich aus dem reichlich vorhandenen Guano bestehen, müssen die Tiere keine Angst vor dem Raub von Baumaterial haben und hocken dicht nebeneinander. Weil eine plötzliche Landung in dem Gedränge aber Panik auslösen würde, stellen die Tölpel vorher sicher, dass ihr Partner und die Nachbarn wissen, dass sie zurück sind. Darum fliegen sie zunächst in geringer Höhe über das Landegebiet und stoßen ihren Erkennungsruf aus. Die Vögel am Boden registrieren das, dann dreht der Rückkehrer ab und macht noch mehrere dieser Anflüge bis er endlich landet.

Am Abend fuhren wir dann zum Muisbosskerm, das uns nach dem Pärchen auch eine ältere Dame im Beobachtungsstand bei den Tölpeln empfohlen hatte, und wo wir bereits am Mittag drei Plätze reserviert hatten. Das nach eigener Aussage „first and original OpenAir-Restaurant in South-Africa“ feiert 2011 schon sein 25-jähriges Jubiläum und gehört zur Farm der Familie Turner. Umgeben von einer Hecke, dem namensgebenden Mäusebusch, und nur wenige Meter vom direkt zugänglichen Strand entfernt, gruppieren sich auf dem Gelände einige Tische und Bänke um einen großen, zentralen Grill, auf dem diverse Fische und andere Gerichte vor den Augen der Gäste frisch zubereitet werden. Nachdem sie mitbekommen hatten, dass wir aus Deutschland kamen, erklärten uns unsere südafrikanischen Tischnachbarn aus Pretoria und Kapstadt im Laufe des etwa dreistündigen Essens einige Speisen, die wir unbedingt probieren müssten, was wir dann auch taten. Dazu gehörten z.B. Waterblommetjie, ein Eintopf aus Wasserlilien mit bohnenähnlichem Geschmack und Lammstückchen, oder Tripe, ein Gericht aus gut gewaschenen und klein geschnittenen Innereien, Hirnen, Zungen und Augen vom Schaf mit Kartoffeln, das aber durchaus genießbar war. Zum Nachtisch gab es dann noch süß eingelegte Quitten und Koeksisters, ein geflochtenes Fettgebäck, das noch heiß in kalten Sirup getaucht wird, damit es diesen aufsaugt, und ebenfalls entsprechend süß ist.

Den Grillplatz hatte die Familie Turner ursprünglich für sich und ihre Freunde eingerichtet, im Laufe der Jahre war die Gästezahl aber stetig gestiegen und als ein Bekannter schließlich eine komplette, japanische Reisegruppe mitbrachte, entstand ein Geschäftsmodell daraus. Heute werden im „Restaurant“ mittags und abends bis zu 50 Gäste für stattliche 185 R pro Person nebst der Getränke bewirtet.

Kaptölpel-Kolonie in der Nähe von Lambert's Bay.
Kaptölpel-Kolonie in der Nähe von Lambert’s Bay.

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