7. Tag:

Dank des dicken Oberbetts und einer kuscheligen Decke war die Nacht im unbeheizten Chalet sehr angenehm gewesen, als uns die vor dem nach Osten ausgerichteten Panoramafenster über dem Dünenkamm aufgehende Sonne gegen 6 Uhr weckte. Nach einer heißen Tasse Tee waren wir dann in Pullover, Fleece-Jacke und Softshell-Jacke gehüllt bei Außentemperaturen um den Gefrierpunkt um 7 Uhr gerüstet für das vierstündige Löwen-Tracking. Auf der Fahrt ins 6 km entfernte Lion Reserve erklärte unser Guide Niclas, dass sich die Gäste in der einen Hälfte des 40.000 ha Lodge-Geländes frei bewegen dürften, während das in der anderen Hälfte, dem umzäunten Revier von 12 Löwen, von denen vier Sender trügen, nicht möglich sei. Im Reserve begrüßten uns schon nach wenigen hundert Metern ein Dutzend Erdmännchen, die hochaufgerichtet vor den Eingängen ihrer Kolonie in der wärmenden Morgensonne standen und aufmerksam die Umgebung beäugten. Auf einer Sandpiste ging es dann weiter hinein ins Gelände, und Nicky versuchte auf den bewachsenen Dünenkämmen mit einer Peilantenne die Signale von Löwin Lucy zu lokalisieren. Als diese schließlich als lauter werdende Piepstöne aus dem Lautsprecher drangen, fuhren wir in der entsprechenden Richtung querfeldein einen sandigen Hang hinauf, bis schließlich der erste Löwenkopf aus dem hohen Gras hervor lugte. Zur Gruppe um Lucy gehörten auch zwei fast erwachsene Jungtiere, die sich in der Nähe eines halb verspeisten Oryx-Kadavers ausruhten. Ein neugieriges Männchen kam jedoch bald bis auf einen Meter an den offenen Landcruiser heran, und umkreiste das Auto ganz bedächtig, um es genau zu inspizieren. Danach verlor er aber schnell das Interesse und legte sich wieder hin. Um die Löwen nicht zu sehr zu stören, fuhren wir nach ca. 20 Min. weiter. Zuvor hatten die Tiere bereits ihre Beute einige Meter vom Auto weggezerrt und hinter einem Busch in Sicherheit gebracht.

Nicky bedauerte, dass die Batterie des Senders des kapitalen Männchens mit imposanter Mähne leider leer sei, so dass er das Tier nicht orten könne. Er fuhr mit uns zwar noch kreuz und quer durch den losen Sand, über Büsche und Dünenkämme und suchte dabei die Gegend mit dem Fernglas ab, fand den Löwen aber nicht. Ohne Sender sei das Tier sehr schwer zu finden und er habe keine Ahnung wo genau er suchen solle, gestand unser Guide. Zu einer anderen Löwengruppe mit Männchen könne er auch nicht fahren, weil dort schon eine andere Besuchergruppe sei. Wir entdeckten dann eine angefressene Junggiraffe neben der Fahrspur. Nicky stieg aus, stupste den Körper mit dem Schuh an und sagte, dass es ein frischer Riss sei, weil der Kadaver noch nicht steif sei. Außerdem untersuchte er die Löwenspuren daneben und erklärte, dass auch Junge vor Ort gewesen seien und die Tiere noch in der Nähe sein müssten. Er fand sie allerdings ebenfalls nicht, so dass wir schließlich, vorbei an einem Erdferkel-Bau mitten auf der Fahrspur, der nur per Allrad zu umfahren war, den Rückweg antraten. Die Erdmännchen hatten sich längst in ihr Ganglabyrinth zurückgezogen und wir bekamen in der Loge um 12 Uhr noch ein spätes Frühstück serviert.

Dass Nicky die Löwen in einem begrenzten Gebiet nicht hatte finden können, zeigte uns noch einmal eindrücklich welches Riesenglück wir mit unseren Sichtungen am Vortag gehabt hatten. Der Kgalagadi-N.P. hatte dabei seinem Namen als einer der besten Katzenparks des südlichen Afrika alle Ehre gemacht, während ich dort 2011 bei meinem ersten Besuch in drei Tagen als einziges Raubtier einen Schakal gesehen hatte. Passend zum Thema gab es in der Juni 2015-Ausgabe der SANpark Times, die ich aus Twee Rivieren mitgenommen hatte, einen Artikel über ein zweijähriges Forschungsprojekt von Maya und Otto Beukes über die Schwarzmähnen-Löwen des Nationalparks. Auslöser war eine Bestandszählung im Jahr 2009 gewesen, die ergab, dass die Löwen überwiegend männliche Nachkommen bekamen. Man befürchtete daher ein Schrumpfen der Population, denn bereits zwischen 1976 und 1996 hatte sich die Zahl der männlichen Löwenbabies verdoppelt. Abschließende Ergebnisse der Untersuchungen an über 300 Löwen, 268 Rissen und 195 Exkrementen lagen zwar noch nicht vor, es gab aber die Theorie, dass der durch die festen Wasserlöcher veränderte Speiseplan der Löwen und ihre in der Folge verbesserte Konstitution männliche Nachkommen begünstige. Zudem hatten die beiden Studenten herausgefunden, dass die Tiere hauptsächlich in den Dünen und nicht in den Flußtälern jagten. Dabei sind Oryx-Antilopen ihre Hauptbeute. Die Lebensbedingungen für die Löwen seien insgesamt aber hart, denn sie würden jede Nacht durchschnittlich 17 km wandern und zwischen zwei erfolgreichen Jagden könnten bis zu acht Tage liegen.

Wir verbrachten dann den Rest des Tages mit einem Spaziergang durch die Dünenlandschaft und beobachteten von den Terrassen unserer Chalets wie immer wieder kleine Gruppen von Springböcken, die durch den davorliegenden Trockenfluss zogen, der 2006 zuletzt Wasser geführt und das Lodgegelände überschwemmt hatte. Nach einem letzten Getränk am offenen Kamin der Bar, lagen wir dann um 9 Uhr wieder in den Betten.

Löwe im Porträt auf der Kalahari Game Lodge.
Löwe im Porträt auf der Kalahari Game Lodge.

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