20. Tag

Um 8 Uhr stand der Bus bereit, der uns zur Sheraton-Anlage ein Stück weit die Straße hoch brachte. Dort erwartete jedes Paar ein eigener Berater, für uns war der 56-jährige Trinity Brooks zuständig, der früher Stuntman gewesen war und in Hollywood-Streifen wie Ocean’s Thirteen mitgespielt und dabei die Welt bereist hatte. Im Namen der Starwood Vacation National, zu der weltweit namhafte Hotels, wie das Atlantis auf den Bahamas, das von Dali schon geschätzte St.Regis in New York oder die Westin-Kette gehören, bot er uns ein Timesharing für 25.000 US$ Einlage (für 15% Zinsen auch in Monatsraten zahlbar) und jährliche Verwaltungsgebühren an. Für 199 US$ pro Woche oder entsprechende Punkte, deren Vergabesystem er aber nicht genau erklärte, sollte man dann überall günstig buchen können, für sich selbst, aber auch für Freunde oder Geschäftspartner. Seine Frau würde z.B. Geschäftspartnern so gerne mal eine Woche im Luxushotel in der Karibik schenken. Er versuchte gekonnt eine Verbindung zu uns herzustellen, zeigte uns Fotos von seinen Kindern und auch ein Modell-Apartment mit Top-Ausstattung inkl. Jacuzzi im größeren der beiden Schlafzimmer und mehreren riesigen Flatscreen-Fernsehern. Nach gut 2 Stunden wollte er dann entweder ein „Ja“ oder ein „Nein“ von uns. Als wir dankend ablehnten, erhob er sich sofort, verwies uns knapp an einen Kollegen und verschwand ohne jedes weitere Wort. Wir erhielten aber noch unsere Tickets und wurden dann zu unserem Hotel zurück gebracht.

Gegen 13 Uhr kamen wir dann wesentlich später als geplant im Kennedy Space Center an. Zuerst machten wir eine Bustour über das weitläufige Gelände, das nur zu etwa 10% genutzt wird, so dass die restlichen 90% nach den Everglades das zweitgrößte Schutzgebiet Floridas sind. Zudem erfuhren wir, dass der Standort für die Nasa z.B. den Vorteil hat, dass das Wetter ganzjährig relativ gut ist. Außerdem sorge die Nähe zum Äquator dafür, dass die Raketen etwa 1.000 mph stärker beschleunigten, was eine Menge Treibstoff spare. Vorbei am Assembly Building, in dem die Raketen und Shuttles zusammengesetzt werden, und zwei Startrampen ging es weiter zu einer Halle mit einer Saturn V-Rakete des Apollo-Mondprogramms in Originalgröße, einem echten Stück Mondgestein, verschiedenen Raumanzügen und vielem mehr. Die derzeit größte Rakete der USA hat mit voller Nutzlast ein Gewicht von 3,1 Mio. kg, soviel wiegen etwa sieben Boeing 747. Die Höhe von 363 ft (110 m) entspricht zwei Space Shuttles oder zweieinhalb Mal der 152 ft hohen Freiheitsstatue. Die erste Antriebsstufe beschleunigt die Saturn V bei einem Kraftstoffverbrauch von 15 Tonnen pro Sekunde auf 5.000 mph, ist nach zweieinhalb Minuten ausgebrannt und wird abgesprengt. Die Apollo 11-Mission vom 16.-24. Juli 1969 brachte dann endlich die von Präsident Kennedy angekündigte Mondlandung. Der 38-jährige Astronaut Neil Armstrong setzte die Fähre „Eagle“ dabei mit nur noch 30 Sekunden Treibstoff-Vorrat auf dem Erdtrabanten auf. Mit Apollo 17 vom 7.-19. Dezember 1972 endete das bemannte Mondprogramm der Nasa bereits wieder und die Space Shuttle-Ära begann, die 2011 mit dem letzten Flug der Atlantis ihren Abschluss fand. Die Raumfähre ist seit der Eröffnung eines eigenen Gebäudes im Juni 2013 ebenfalls im Original zu sehen. Die Besucher sehen im Eingangsbereich der Halle zuerst einen Einführungsfilm mit einigen Computersimulationen, dann wird die große Leinwand langsam transparent und das dem Dunkel dahinter taucht die Atlantis auf, begleitet von triumphaler Musik und den großen Lettern „Welcome home“. Weil das Space Center bereits um 17 Uhr schloss, reichte die Zeit leider nicht, um sich alles anzusehen und auch die „Astronaut Hall of Fame“ sahen wir auf der Rückfahrt nach Titusville nur von außen. Abends war es dann mit 41 °F (5° C) schon so kalt, dass die für New York eingepackte Kombination aus Fleecejacke und Outdoorjacke schon vorzeitig zum Einsatz kam.

Die Raumfähre Atlantis im Kennedy Space Center.
Die Raumfähre Atlantis im Kennedy Space Center.

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