15. Tag

Nach dem Frühstück trafen wir unseren jungen Guide Michael, gebürtig aus Lushoto und angestellt bei der Irente Farm. Er machte mit uns zuerst einen Spaziergang zu einem Aussichtspunkt mit tollem Blick über die Massaisteppe. Dann ging es vorbei an kleinen Feldern und Häusern durch das Dorf. Wir sahen Bäume mit Avocados, Papayas, Jackfruits oder Pfirsichen und auch einige Kaffeesträucher. Die würde aber niemand ernten, erklärte Michael, denn die Einheimischen könnten mit den Kaffeebohnen nichts anfangen. Er zeigte uns außerdem ein halbes Dutzend endemische Usambara-Chamäleons. Ein Usambara-Veilchen sahen wir jedoch nicht. Unser Guide erzählte, dass die Vegetation durch Abholzung sehr gelitten habe. Da sich die Bevölkerung in den vergangenen 50 Jahren von 100.000 auf 600.000 vervielfacht habe, gebe es außerdem massive Erosionsschäden und einen deutlichen Rückgang des Tierlebens. “They eat everything“, sagte Michael, denn aufgrund des niedrigen Bildungsniveaus vieler Leute sei der Naturschutzgedanke in den meisten Köpfen noch nicht angekommen.

Auf der Irente Farm bekamen wir dann ein leckeres Mittagessen mit selbst gebackenem Brot, farmeigenen Frischkäse und selbst gemachter Marmelade. Danach kehrten wir zur Lodge zurück und fuhren mit dem Auto nach Lushoto. Dort besuchten wir den bunten Markt mit vielfältigem Obst- und Gemüseangebot, Fisch, aber auch Kleidung, Schuhen, Koffern und vielem mehr. Leider waren die Leute für Fotos so gut wie garnicht aufgeschlossen.

Die nächste Station war dann das nahe Jägertal. Von den im Reiseführer erwähnten „alten Bauernhöfen deutscher Siedler in herrlicher Berglandschaft“ war allerdings nichts mehr zu sehen. Michael erklärte dazu, das Tal habe sich sehr verändert und man erkenne es kaum noch wieder. Wir fuhren anschließend noch über eine Holperpiste ins 25 km entfernte Lukosi. Die Strecke führte am Shume-Magamba-Reserve vorbei, wo wir in einem Baum fünf Colobus-Affen sahen. Unser Guide berichtete, dass sich einige Touristen schon beschwert hätten, dass sie 10 US$ Eintritt bezahlt hätten, es im Wald aber kaum noch Tiere gebe. Die Regierung habe das Gebiet viel zu spät unter Schutz gestellt, daher sei es schon fast leer gejagt gewesen.

Im Tal vor Lukosi reihten sich dann Gemüsefelder aneinander und auf der Piste standen viele bunt bemalte LKW, die mit der Ernte beladen wurden, die an Märkte im ganzen Land geliefert werden sollte. Unser Reiseführer beschrieb Lukosi als „malerisches Hochtal mit alpinen Berghütten“, wir sahen jedoch ein düsteres Dorf unter einem grauen Himmel mit dunklen Gewitterwolken, mit einem Köhler in seinem geschwärzten Laden und einem Mann, der in einer großen Pfanne mit heißem Fett Gebäck siedete. Daher fuhren wir nur einmal langsam die Dorfstraße auf und ab und kehrten dann um. Auf der Rückfahrt gab es einen kräftigen Schauer, aber in Lushoto war es trocken geblieben. Bei der örtlichen NMB-Bank funktionierte auch nur einer von drei ATMs, so dass hier ebenfalls eine Schlange stand. Als ich endlich an der Reihe war, bekam ich nur die Fehlermeldung, dass mein Kreditinstitut unbekannt sei. Da die maximale Summe, die man pro Tag abheben konnte, nur 400.000 TSh betrug, mussten wir aber fast täglich zur Bank gehen.

Das endemische Usambara-Chamäleon lebt nur in den gleichnamigen Bergen, ist dort aber recht häufig anzutreffen.

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