14. Tag

Wie gewohnt standen wir um 6.30 Uhr auf und frühstückten. Als der Eingang zu den berühmten Kalksteinbecken um 8 Uhr geöffnet wurde, waren wir die ersten, die die 50 Quetzales Eintritt bezahlten. Über Wege und Treppen gelangten wir dann zu den sechs türkisblau schimmernden und bis zu drei Meter tiefen Becken, die der Rio Cahabón mit seinem kristallklaren Wasser speist. 90 Prozent des Wassers strömt jedoch durch eine Höhle darunter, die man im Rahmen einer Tour durchs Wasser watend erkunden kann. So erklärt sich auch der Name „Semuc Champey“, das bedeutet „Dort, wo das Wasser verschwindet“.

Als wir über einen 750 m langen Weg zu dem Aussichtspunkt über dem Tal hinaufstiegen, hatte die Sonne die morgendlichen Nebel vertrieben und die Hitze in Kombination mit der hohen Luftfeuchtigkeit ließ uns schweißgebadet oben ankommen. Als die Sonne höher stieg, lagen die Becken und auch ein schmaler beidseitiger Uferstreifen schließlich voll im Licht, so dass man ab 10 Uhr gute Fotos machen konnte. Nach dem halbstündigen Abstieg tranken wir im Hotel noch eine kühle Flasche Gatorade und fuhren dann weiter. Besonders steile Passagen der Lehmpiste zurück nach Lanquin waren mit Panzerplatten gepflastert, sonst wären sie bei Regenwetter wohl unpassierbar. Als wir einmal mit zu wenig Schwung auf die Platten fuhren, war die Steigung so groß, dass der Motor selbst im ersten Gang zu wenig Kraft entwickelte. Wir mussten also erst vorsichtig wieder ganz zurückrollen und unten nochmal richtig Anlauf nehmen. Mit durchgetretenem Gaspedal klappte es dann.

Zurück auf der RN-5 fuhren wir anschließend auf Asphalt mit vielen Kurven durch die Berge, vorbei an kleinen Dörfern mit Maisfeldern auf den Hängen bis zur 200.000 Einwohner-Stadt Cobán, die ebenfalls am Rio Cahabón liegt. Wir hielten an einem Tienda und erwarben bei der freundlichen Verkäuferin Kekse und kalte Getränke. Ergänzt wurde das Mittagsmahl noch durch einen Trinkjoghurt aus dem Supermarkt. Dann fuhren wir weiter zum Biotopo del Quetzal. Vorbei an Kaffeeplantagen und einigen Verkaufsständen mit Orchideen und anderen Topfpflanzen kamen wir dort nach einer 125 km langen Tagesetappe gegen 16 Uhr im Regen am kleinen Guesthouse „Ranchitos del Quetzal“ an. Dessen Gelände, das direkt an das Biotopo grenzt, schützt 40 Hektar Nebelwald. Zudem waren dort vor vielen Jahren zahlreiche Trompetenbäume, die auf Spanisch „Guarumo“ heißen, gepflanzt worden, deren Früchte die Lieblingsspeise des Quetzals sind.

2012 war eine Sichtung der seltenen Nationalvögel von Guatemala deshalb noch fast garantiert gewesen, wie im Blog „The Trans-Americas Journey“ nachzulesen ist. Demnach klopften die Besitzer der Unterkunft vor Sonnenaufgang an die Zimmertür und fragten, ob man Quetzals sehen möchte – “Quiren ver las quetzales?” Dann setzte man sich unten vor das Restaurant und konnte zwischen 6 und 7:30 Uhr bis zu zehn Vögel teilweise in nur gut 12 m Entfernung beobachten. Der neue junge Pächter Juan Pablo holte uns jedoch gleich auf den Boden der Tatsachen zurück und berichtete, dass die Quetzals aufgrund des Klimawandels nur noch unregelmäßig kommen würden. Am Vortag habe man immerhin noch drei Stück gesehen, heute aber keinen einzigen. Wir bezogen trotzdem eines der vier zweckmäßigen Zimmer.

Anschließend erkundeten wir im Halbdunkel des Waldes unter einem grauem Himmel den River Trail, der an einem Bach mit einem kleinen Wasserfall und hübschen Farnen entlang führte. Beim Abendessen mit gebratenen Tortillas mit Käsefüllung landete später eine große Motte in der Schüssel mit den Bohnen. Sie schlug darin so heftig mit ihren Flügeln, dass die Soße über den halben Tisch spritzte, bis wir sie mit einer Gabel aus ihrer misslichen Lage befreiten. Aufgrund der Höhe von 1.500 m war es bald nur noch 19 °C kühl, so dass wir zum ersten Mal unsere Jacken aus dem Rucksack holten. Wir gingen dann früh zu Bett, denn am nächsten Morgen stand eine geführte Quetzalsuche auf dem Programm.

Im Nebelwald des Biotopo del Quetzal leben noch einige Quetzals, die seltenen Nationalvögel von Guatemala.

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