20. Tag

Die Flamingos, die wir am frühen Morgen im Uferbereich der Laguna Colorada beobachteten, zeigten sich noch recht verschlafen und steckten ihre Köpfe ins wärmende Gefieder. Beim Laufen über die dünne Eiskruste, die sich in der Nacht gebildet hatte, brachen die rosafarbenen Vögel immer wieder in das flache Wasser ein. Von einer Halbinsel aus sahen wir auf allen Seiten tausende weitere Flamingos, die immer in Bewegung waren. Sie zogen z.B. in einer langen Reihe an einer heißen Quelle am Ufer vorbei, streckenweise durchs Wasser watend und streckenweise auch wie Enten schwimmend. Bis zum Mittag konnten wir außerdem zusehen, wie das von kupferhaltigen Mineralien rötlich gefärbte Wasser immer mehr an Leuchtkraft gewann.

Wir verließen das Schutzgebiet dann in Richtung Norden auf einer sehr holperigen Piste, die sich in den Senken meist über die ganze Breite in zahlreiche Fahrspuren auffächerte, die vor dem nächsten Hügel wieder zusammen liefen. Nachdem wir die fast vegetationslose Stein- und Sandwüste hinter uns gelassen hatten, passierten wir einige kleinere Lagunen, bevor wir auf eine gut ausgebaute Schotterpiste trafen. Diese war zwar nicht in unseren alten Militärkarten verzeichnet, führte aber zu der Bahnlinie von Uyuni nach Calama. Allerdings stellten wir bald fest irgendwie zu weit nach Westen geraten zu sein, so dass wir nicht beim Militärposten Chiguana, sondern an der 25 km entfernten Bahnstation Abaroa nahe der chilenischen Grenze angekommen waren. Also durchquerten wir den Salar de Chiguana in östlicher Richtung, wobei wir in der Dunkelheit trotz GPS-Peilung keine Spur von dem gleichnamigen Militärposten entdecken konnten, und erreichten schließlich das Dorf San Juan. Direkt an der Hauptstraße fanden wir dort einen dem Refugio vom Vortag sehr ähnlichen Gebäudekomplex, allerdings gab es hier sogar Zimmer mit eigenem Bad, wenn auch nur mit kaltem Wasser, weil ein moderner Durchlauferhitzer zwar vorhanden, aber nicht eingeschaltet war. In der behaglich beheizten Küche mit einem aufgeräumten Verkaufsregal konnte man auch warme Mahlzeiten bekommen, jedoch nur nach Voranmeldung.

Die Laguna Colorada macht ihrem Namen alle Ehre.

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