9. Tag

Nach einem frühen Aufbruch ging es zunächst mit dem Bus weiter durch den Nebelwald hinab ins Tal. Der Stopp bei einer Dorfbäckerei in Cosñipata erwies sich als zu früh, denn der runde Holzbackofen im Backhaus war zwar bereits angeheizt, aber die kleinen Fladenbrot-Teiglinge standen noch neben der Holzwanne, die zum Kneten des Teiges diente, auf Gare. Im Hof befand sich ein kleiner Stall mit Meerschweinchen, die mit Mais und altem Brot gefüttert wurden, bevor sie später auf den Grill kamen.

Die Weiterfahrt endete am Anleger von Atalaya. Dort stiegen wir in ein Boot um, und fuhren den Rio Alto Madre de Dios hinab. Nach einiger Zeit wurden die Berge immer flacher und verschwanden schließlich ganz. Aufgrund der Trockenzeit war der Wasserstand des Flusses sehr niedrig, so dass an verschiedenen Stellen Kiesbänke bis an die Wasseroberfläche reichten. Das Boot fuhr recht schnell mit der Strömung dahin, in der Ferne sahen wir häufig Geier, Reiher und andere Vögel. Die vergleichsweise hohe Fliessgeschwindigkeit sorgte aber dafür, dass es hier im Gegensatz zum Rio Manu, den wir morgen auf dem Weg in die Zona Experimental befahren würden, keine Piranhas und Kaimane gab. Am Nachmittag überquerten mehrere Ara-Paare und kleine Gruppen von anderen Papageien den Fluss in großer Höhe auf dem Weg zurück zu ihren Schlafplätzen. Eine Gruppe Totenkopfäffchen konnten wir zwar hören, die Tiere selbst blieben aber in der dichten Vegetation verborgen. Am Ufer sahen wir immer wieder kleine Dörfer, deren Bewohner teilweise in peque peques unterwegs waren, denen ihr Motorengeräusch den Namen gab. Diese einfachen Langboote werden nämlich von einem VW-Motor angetrieben, dessen Rotation eine lange Stange an die ins Wasser gehaltene Schraube überträgt. Eine langsamere aber billigere Lösung als unser 60PS-Außenbordmotor von Yamaha. Nach einem Stop an einer heißen Quelle hielten wir später noch an einer Urwaldtankstelle, um Benzin nachzufüllen. Der „Tankwart“ verkaufte den Treibstoff direkt aus großen Fässern, zur Bestimmung der Füllmenge diente eine Holzstange mit Messmarkierungen, ähnlich dem Ölstab beim Auto.

In der Dämmerung kamen wir gegen 18 Uhr nach etwa 7 Stunden auf dem Fluss in Boca Manu an. Die Abbruchkante der Uferböschung war dort notdürftig mit Sandsäcken gesichert, denn der Fluss hatte sich bereits bis auf wenige Meter an die ersten Häuser des Dorfes herangearbeitet. Nach einer 10-minütigen Weiterfahrt erreichten wir die etwas außerhalb gelegene Manu Inversiones Lodge. Ein Weg führte von der Anlegestelle etwa 200 m durch den Wald zu einer Lichtung, auf der ein großes Haupthaus mit Küche und Generator stand. Darum gruppierten sich im Halbkreis die kleineren Gästebungalows. Zum Abendessen gab es fangfrischen Bagre oder catfish, der Wels zappelte bei unserer Ankunft noch im Waschbecken. Die nächtliche Geräuschkulisse von unzähligen zirpenden Insekten war deutlich lauter als der kleine Cosñipata-Fluss am Vortag.

Die Dorfbäckerei in Cosñipata mit einem runden Holzbackofen.

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