8. Tag:

Um 8.30 Uhr brachen wir zur 600 km-Fahrt nach Lüderitz auf. Die erste Etappe bis Keetmanshoop führte über gut gepflegte Schotterpisten. Die C17 kreuzte zunächst über einige km langgestreckte Dünen aus rotem Kalahari-Sand. Die Senken dazwischen waren dicht mit Büschen bewachsen und dienten als Viehweiden für Schafe, Ziegen oder auch Springböcke. Nach den Dünen folgte eine karge Ebene mit dem Ort Koes im Zentrum, der im Wesentlichen aus zwei blauen Schulgebäuden und vielen ärmlichen Blechhütten darum herum bestand. Als wir uns schließlich Keetmanshoop näherten, standen immer mehr Köcherbäume auf den Hügeln beiderseits der Piste. Schließlich fuhren wir zuerst am Mesosaurus Fossil Camp mit einem eigenen Köcherbaumwald vorbei. Dort zeigen die Inhaber Giel und Hendrik Steenkamp gern ihre gut erhaltenen Fossilien und erklären humorvoll, wie der Mesosaurus die Teilung der Kontinente beweist, denn er kommt in den gleichen Felsformationen im südlichen Afrika und in Südamerika vor. Dann passierten wir unsere Unterkunft auf der Farm Gariganus. Als wir auf der asphaltierten B4 den Abzweig zum Fish River Canyon erreichten, fuhren wir geradeaus weiter, überquerten den Fluss auf einer Brücke und gelangten auf eine Hochebene mit zahlreichen niedrigen Tafelbergen und rotem Gestein am Boden. Die Gegend erinnerte stark an den Südwesten der USA, zumal die Straße, die sich oft schnurgerade bis zum Horizont zog, auch gelbe Seitenmarkierungen hatte. Es folgte ein Tankstop im 1.446 m hoch gelegenen Aus mit dem schön renovierten Bahnhofshotel. Der Ort lag auf einer weiteren Hochebene mit gelbem Sand und wenig Vegetation, die jedoch nach Regenfällen zu einem bunten Blütenteppich wird, wie das südafrikanische Namaqualand weiter südlich.

Auf den nächsten 20 km warnten mehrere Schilder vor Pferden, denn rund um die einzige Wasserstelle Garub herum gibt es in der Wüste etwa 140 verwilderte Pferde. Sie sollen von der Deutschen Schutztruppe und den verfeindeten Streitkräften der südafrikanischen Union stammen, und dort seit 100 Jahren ihr kärgliches Auskommen finden. Das Bohrloch in Garub versorgte ursprünglich die Dampfloks der parallel zur Straße verlaufenden Bahnlinie nach Lüderitz mit Wasser und ist inzwischen mit einem Unterstand zur Pferdebeobachtung versehen worden. Gegen 15 Uhr hatten wir dann die Kolonialstadt am Atlantik erreicht, die der Ursprung von Deutsch-Südwestafrika gewesen ist. Benannt ist die 30.000 Einwohner-Stadt nach dem Bremer Tabakhändler Adolf Lüderitz, der die 1488 von Bartolomeu Diaz entdeckte Bucht dem Nama-Häuptling Joseph Fredericks „abkaufte“ und 1884 zum deutschen Protektorat erklärte. Die zahlreichen erhaltenen Jugendstil-Bauten lassen Lüderitz sehr weiß wirken, die Mehrheit der Bevölkerung ist aber schwarz und meist arbeitslos, deshalb ist die Kriminalitätsrate vergleichsweise hoch. Da der Hafen viel von seiner Bedeutung verloren hat, lebt die Stadt heute maßgeblich vom Langustenfang und dem Tourismus. Um die Attraktivität für die Besucher zu steigern, sind einige Häuser restauriert worden und am Hafen wurde eine kleine Waterfront mit Geschäften und Restaurants gebaut. Andere Ecken von Lüderitz wirken jedoch etwas heruntergekommen und haben einen eher morbiden Charme. Am Sonntag-Nachmittag wirkte die Innenstadt wie ausgestorben, wir sahen mehr Wachleute vor den Bankfilialen als Passanten auf den Bürgersteigen. Gut besucht war dagegen das Penguin-Restaurant im Nest-Hotel, dem mit vier Sternen ersten Haus am Platz, wo wir gut zu Abend speisten.

Stadtansicht in Lüderitz.
Stadtansicht in Lüderitz.

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