13. Tag

Am Morgen war es noch windstill und viele Südafrikaner waren mit ihren Seekayaks und Angelausrüstung schon auf dem Meer. Wir fuhren dann zurück nach St.Lucia und unterwegs noch einige Loops ab. Zudem stoppten wir an verschiedenen Viewpoints. Von einem Aussichtspunkt auf den bis zu 200 m hohen, bewachsenen Dünen, die die zweithöchsten der Welt sein sollen, konnte man auf der einen Seite den Indischen Ozean und auf der anderen den 360 km2 großen Lake St.Lucia sehen. Das gleichnamige Delta hatten portugiesische Seefahrer 1576 entdeckt und getauft. Im B&B im Ort begrüßte uns dann Hausherr Derick mit einem Welcome Drink an der Bar. Er erzählte, dass es für die eigentlich heiße und feuchte Jahreszeit in diesem Sommer zu windig und zu trocken sei. Vor allem in den Quellgebieten der Flüsse regne es kaum, so dass z.B. der Umfolozi derzeit nur ein Rinnsal sei. In Durban wäre der Wasserverbrauch deshalb schon rationiert worden. Verantwortlich für die Wetterkapriolen sei ein Hochdruckgebiet über dem Indischen Ozean, ähnlich dem El Niño-Phänomen an der Westküste Südamerikas. Entgegen anders lautenden Aussagen sei St. Lucia im übrigen seit 2007 malariafrei, das bestätige Dr. Brian Sharp vom Malaria Research Council, das 1999 ein großes DDT-House Spraying-Programm gestartet hatte. Auch wäre es normal, dass Ende November nur wenige Touristen da seien. Das sei die Ruhe vor dem Ansturm in den bald beginnenden Weihnachtsferien. Für unser Sightseeing-Programm am Nachmittag empfahl er die Fahrt zum Ski Boat Club, wo sich meist Krokodile und Flusspferde aufhielten. Falls nicht, sollten wir einfach weiter zum Boardwalk gehen, wo in der Regel eine dreiköpfige Flusspferdfamilie anzutreffen sei. Im Restaurant des Clubs könne man zudem gut zu Abend essen. Vom hölzernen Steg aus sahen wir dann tatsächlich ein Dutzend Hippos und zwei große Krokodile sowie viele Webervögel im umliegenden Schilf. Im Sand am brackigen Wasser entdeckten wir zudem schwarze Krabben mit roten Scheren, die sich wie ihre Verwandten in Cape Vidal Röhren gegraben hatten, in denen sie bei Gefahr verschwanden.

Anschließend fuhren wir zu den Stränden am östlichen Ortsrand, wobei der nördlichste Abschnitt der Freitagabend-Treff der heimischen Jugend zu sein schien, die sich dort mit mehreren hundert Leuten, lauter Musik und herumrasenden Autos versammelt hatte. Daher kehrten wir schnell zum Ski Boat Club zurück, der offensichtlich der Treffpunkt der weißen Südafrikaner und Touristen war. Beim Essen hatten wir einen freien Blick auf die Flussmündung und im Wasser tauchten schließlich auch zwei Flusspferde auf. Als wir gegen 19 Uhr gehen wollten, kamen sogar vier Exemplare zum Grasen auf die Wiese direkt vor dem Zaun des Clubs, an dem sich dann alle Gäste versammelten und interessiert zusahen.

Im sehr umfangreichen Info-Ordner des Guesthouses las ich später noch, dass der heutige Aussichtspunkt Catalina Bay am Lake St.Lucia nach den Catalina Flugbooten benannt ist, die dort im zweiten Weltkrieg zur Bekämpfung deutscher U-Boote stationiert gewesen waren. Außerdem gab es den Abdruck eines Briefs von 2001, in dem Ex-Präsident Mandela bedauert aufgrund seiner Gesundheit nicht bei der Freilassung von Elefanten zur Wiederansiedelung in den Wetlands dabei sein zu können. Er erinnerte in dem Schreiben daran zehn Jahre zuvor selbst eine Petition gegen eine Titanium-Mine an den östlichen Stränden unterzeichnet zu haben, und er hoffe, dass die neuen Elefanten die alte Herdenwanderung hinauf in den Norden bis Maputo wiederbeleben könnten. Die Alten der Region hätten doch bestimmt schon mal erzählt, wie früher Elefanten über den Strand gebummelt seien und ihre Spuren im nassen Sand hinterlassen hätten, bevor sie in der Brandung des Indischen Ozeans ihre Possen getrieben hätten.

Der "Holzweg" von St.Lucia.
Der „Holzweg“ von St.Lucia.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Ich akzeptiere

Autor *:

Webseite: