11. Tag

Dieses war die erste Nacht in Indien, in der wir draußen die Grillen zirpen hörten und nicht den Lärm einer Stadt. Allerdings war die Luft ein wenig rauchig, von dem Müll, der hinter dem Nachbarhaus verbrannt wurde, wie in Indien üblich inklusive diverser Plastiktüten.

Nach dem Frühstück umrundeten wir den Nakki-See auf dem gepflasterten Uferweg und stiegen dabei auch zum Toad-Rock in Form einer Kröte hinauf. Anschließend gingen wir durch den kleinen Ort. Gestärkt durch eine frisch geöffnete Kokosnuss mit viel Milch und einer dünnen Schicht von weichem Fruchtfleisch, stiegen wir schließlich über mehrere hundert Stufen zum kleinen Hindu-Tempel „Arbuda Devi“ hinauf. Die breite Treppe mit vielen Glocken am mittleren Geländer war in regelmäßigen Abständen von Verkaufsständen gesäumt, die von Getränken über Opfergaben, Spielzeug und Kleidung bis hin zu bunten Fotos alles mögliche anboten. Der Tempel befand sich in einer natürlichen Höhle. Die Wände und -decken waren weiß gestrichen und der Boden mit Marmorplatten ausgelegt. Um ins Allerheiligste zu gelangen, musste man fast auf allen Vieren unter einem Felsen hindurch kriechen. In dem großen Raum dahinter saß ein Priester vor dem Götterbild, vor sich eine Opferschale und eine Schale mit Zuckerkügelchen. An der Wand hingen eine Klimaanlage und ein Flatscreen, der die Bilder verschiedener Überwachungskameras zeigte.

Wir kehrten dann in den Ort zurück und besuchten das Jaipur House hoch über dem See. Das kleine Hotel ist bis heute im Besitz des Maharadjas von Jaipur und bietet von der Terrasse einen tollen Ausblick. Wir speisten als einzige Gäste im Restaurant, das zu nur unwesentlich höheren Preisen deutlich besseres Essen als die Lokale unten im Ort bot. Im Garten des Hotels trafen wir zwei ältere Herren wieder, die bei uns im Hotel wohnten und aus Bamberg stammten. Die beiden Deutschen waren weitgereist und einer von ihnen schon zum vierten Mal in Indien unterwegs. Er war vor seiner Pensionierung als Botschafts-Mitarbeiter jahrelang in Eritrea, dem Tschad, Togo, Ruanda oder Syrien tätig gewesen. Solange Afrika seine hochkorrupten „Eliten“ nicht überwinde, werde es dort nie einen nennenswerten Aufschwung geben, meinte er. In Togo habe er zum Beispiel jedem Unternehmer aufgrund der fehlenden Rechtssicherheit von Investitionen in das Land dringend abgeraten. Die reichen Togolesen würde ihr Geld aus diesem Grund auch nach Frankreich bringen. Dabei war der Hafen der Hauptstadt Lomé in den 1970-er Jahren mit Investitionen von mehr als einer Milliarde DM das größte deutsche Entwicklungshilfe-Projekt in Westafrika und ist bis heute der erfolgreichste Hafen in der Region, weil er als einziger nicht versandet. Der noch immer sprudelnde große Erlös des Hafens versickere aber komplett in den Taschen der mindestens 90 Kinder des fast 40 Jahre diktatorisch regierenden und 2005 verstorbenen Präsidenten Étienne Gnassingbé. Dessen Nachfolge trat sein Sohn Faure Gnassingbé im Rahmen einer manipulierten Wahl an. Der bis heute von der EU nicht anerkannte Präsident sei ein gebildeter und angenehmer Mann, für seine Bevölkerung tue er aber absolut nichts, versorge seine zahlreichen Geschwister jedoch mit den nötigen Millionen für einen luxuriösen Lebensstil in Paris und anderen Metropolen der westlichen Welt.

Zudem erzählte der Ex-Diplomat, dass Paul Kagame, der Präsident von Ruanda, der einzige in Afrika gewesen sei, der immer alle Verträge eingehalten habe. Im Tschad habe man bei Dienstreisen mangels Infrastruktur meist in einfachen Missionsstationen übernachten müssen und in Eritrea gebe es keine Verbrechen und die meisten Einwohner seien mit der quasi diktatorischen Führung des Landes recht zufrieden. Eritreer in Deutschland seien daher ausschließlich Wirtschaftsflüchtlinge.

Jaipur House ist ein Palasthotel hoch über Mount Abu mit einem tollen Ausblick, das bis heute im Besitz des Maharadjas von Jaipur ist.

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