13. Tag

Zum Abschluss der Reise setzten wir mit der Nilfähre noch einmal nach Theben-West über und fuhren mit dem Taxi erst zum Ticket-Office und dann zu den Gräbern der Noblen. Von den etwa 450 Grabkammern sind ein gutes Dutzend zugänglich. Im Gegensatz zu den Königsgräbern zeigen die Malereien in den letzten Ruhestätten von Gouverneuren, Bürgermeistern und Schreibern keine spirituellen Motive, sondern Szenen aus dem Alltag im alten Ägypten. Früher lagen die Eingänge versteckt zwischen den bunten Häusern und in den Hinterhöfen des „Grabräuberdorfes“ Qurna, das aber inzwischen, wie uns ja schon Jamal erzählt hatte, fast vollständig bis auf die Grundmauern verschwunden ist, so dass man sich problemlos zurechtfindet. Daher feilschten wir erst gar nicht mit den Jugendlichen, die uns am Eingang für total überzogene 50 LE ihre Dienste als Führer anboten, sondern beachteten sie nicht weiter. Der beste Weg schnell in Ruhe gelassen zu werden.

Zuerst besichtigten wir eine Dreiergruppe von Gräbern etwa 100 m rechts vom Eingang. Chons (Nr. 31) war Oberpriester eines Totentempels zur Zeit von Ramses II., Userhet (Nr. 51) war ebenfalls Priester, aber unter Sethos I., und Benia (Nr. 343) war Aufseher des Schatzhauses von Thutmosis III.. Es folgten die beiden Gräber von Nacht (Nr. 52) und Menena (Nr. 69), die vermutlich ein und derselbe Künstler gestaltet hat. Nacht war Hofastronom von Thutmosis IV., sein schönes Grab ist mit Szenen eines Festes geschmückt. Sie zeigen z.B. das Besitzerpaar am Speisetisch und darunter sitzt eine Katze, die einen Fisch verspeist, die Herrin, die von einer nackten Dienerin geschmückt wird, oder eine ganz berühmte Szene mit drei Musikerinnen, die Laute, Harfe und ein Blasinstrument spielen. Im Grab von Nachts Zeitgenossen Menena, einem Landvermesser und Schreiber, sieht man eine Getreideernte und andere Szenen aus der Landwirtschaft, sowie Opferrituale.

Die Gräber von Sennefer (Nr. 96) und Rechmire (Nr. 100) sind deutlich größer. Sennefers geräumige Grabkammer liegt tief unter der Erde und ist über eine steile und enge Treppe zugänglich. Auf den vier Säulen des Raumes dahinter ist der hohe Beamte von Amenophis II. vierzehn Mal ganz nah bei seiner Frau zu sehen. Die unebene Decke hat der Künstler geschickt genutzt, um den Trauben des darauf abgebildeten Weinstocks eine gewisse Dreidimensionalität zu verleihen. Das Grab des Rechmire, einem Gouverneur unter Thutmosis III. und Amenophis II., stammt aus der gleichen Zeit und ist mit politischen Motiven gestaltet. Sie zeigen z.B., wie der Wesir Tribute aus fremden Ländern entgegennimmt, dazu zählen Giraffen aus Nubien, Pferde und ein Bär aus Syrien oder Töpfe aus Kreta. In der langen und schmalen Kapelle hinter dem Eingang steigt die Decke allmählich auf ca. 10 m an. Die Wände sind bis obenhin ein einziges Bilderbuch mit Szenen wie dem Begräbnisbankett, Bauphasen eines Tempels oder dem Blick in ein Kosmetikzimmer. Bemerkenswertes Detail ist dort eine Dienerin, die nicht wie üblich im Profil, oder mit Kopf, Hüfte und Beinen in Seitenansicht sowie Schultern und Brust in Frontalansicht, dargestellt ist, sondern in einer einzigartigen Perspektive schräg von hinten mit detailliert gemaltem Rücken und Po.

Obwohl uns der Taxifahrer am Morgen noch hatte erzählen wollen, ein solcher Spaziergang sei nicht möglich und uns stattdessen eine Tagestour anbot, gingen wir anschließend quer über die Ebene vorbei an der etwa 1 km entfernten Stadt der Grabarbeiter und von dort über die nächste Hügelkette noch ein Stück weiter ins Tal der Königinnen, das in einem Wadi am südlichen Rand der thebanischen Nekropole liegt. Unterwegs trafen wir einen deutschen Koptologen, der dort ebenfalls zu Fuß unterwegs war. Bei bedecktem Himmel waren auch die Temperaturen angenehm, und als wir am Ticketoffice ankamen, tröpfelte es sogar für 10 Min., nachdem es zuvor schon in der Ferne gedonnert hatte. Von den 75 Gräbern sind nur drei zugänglich, das von Tete, der Gemahlin eines Pharaos der 20. Dynastie, sowie die von zwei Nachkommen von Ramses III., dem Erbauer des Tempels in Medinat Habu. Chaemwaset, der älteste Sohn, und Amunherchopschef, der erklärte Thronfolger, der mit etwa 15 Jahren starb, sind auf den jeweiligen Wandmalereien zusammen mit ihrem Vater und allein vor den Göttern zu sehen. Das Grab von Nefertari, das als das schönste von allen gilt, ist leider nur noch für Staatsgäste und andere VIPs zugänglich.

Da wir schon um 15.30 Uhr wieder im Hotel waren, blieb genug Zeit für eine kurze Abkühlung im Pool. Der spätere Abendspaziergang um den Luxor-Tempel wurde dann noch einmal zu einer Parade der Nepper, Schlepper und Bauernfänger. Zuerst trafen wir einen vermeintlichen Schuhputzer, der für diese Tätigkeit eigentlich viel zu gut gekleidet war, und der mich letztlich erfolglos in Geldwechselspielchen mit einem 10 Euro-Schein verwickelte. Wenige Meter weiter beglückwünschte uns danach ein Mann, dass wir nicht auf den Trickbetrüger hereingefallen seien, den er seit 5 Jahren kenne, um uns gleich darauf zu erzählen, dass er auf einem Kreuzfahrtschiff arbeite, aber seinen Lohn noch nicht erhalten habe. Deshalb brauche er etwas Geld um Falafeln für seine hungrigen Kinder zu kaufen. An der Corniche machten wir dann noch die Bekanntschaft mit einem weiteren Felukenkapitän, der uns erst sofort im Dunkeln, oder wenigstens am nächsten Morgen herumfahren wollte. Als wir erwiderten, dass wir am kommenden Tag abreisten, meinte er der Abflug sei doch erst um 14.25 Uhr, genug Zeit also um vorher noch eine Felukentour zu machen. Wir lehnten trotzdem ab und er erwiderte trocken, dann könnten wir ihm unsere restlichen LE ja auch einfach so geben, weil wir sie sowieso nicht mehr brauchen würden.

Der Weg Weg ins Tal der Königinnen in Theben-West.
Der Weg Weg ins Tal der Königinnen in Theben-West.

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