10. Tag

Das Boot brachte uns zur Landepiste von Boca Manu, im fensterlosen Abfertigungspavillon stürzten sich dann die ersten Moskitos auf uns. Die ganz harmlos aussehenden Quälgeister haben Ähnlichkeit mit Fruchtfliegen, sind aber noch etwas kleiner. Ihr Biss ist absolut schmerzfrei, hinterlässt jedoch eine Art winzigen Bluterguss. In einem 5 mm Radius ist die Haut darum herum für die nächsten 1-2 Tage gerötet, der Biss selbst verschwindet erst nach einer guten Woche.

Mit dem Buschflieger traf eine deutsche Reisegruppe ein. Alle Teilnehmer kannten sich aus ihrer gemeinsamen Studienzeit in Münster und hatten bereits eine 8-tägige Bootsfahrt durch das Galapagos-Archipel hinter sich. Der zweite Teil der Reise umfasste eine 11-tägige Tour durch Peru, zu der auch ein 3-tägiger Abstecher in den Urwald gehörte. Aufgrund des stressigen Programms war ein Ehepaar mit Kreislaufproblemen zur Erholung in Cuzco geblieben, die anderen 15 Gruppenmitglieder fuhren jedoch mit uns den Rio Manu hinauf. Die Ufer des Flusses waren sehr lehmig, darum war das Wasser deutlich gelblicher, als das des Alto Madre de Dios, der am Gipfel des Pucara in den Anden entspringt. Ziel des heutigen Tages war die Casa Machiguenga. Um am Tourismus zu partizipieren, hat der Stamm der Machiguenga mit Unterstützung der deutschen GTZ dort vier spartanische Buschhütten mit je drei Doppelzimmern, Duschen und WC errichtet.

Unterwegs zeigten sich bei schneller Fahrt ein Mohrenkaiman, eine Gruppe Brüllaffen und einige Scherenschnäbel am sandigen Ufer. Außerdem sahen wir Reiher, Geier und andere Vögel. Am späten Nachmittag kamen wir an der Lodge an, die nicht nur über einen kleinen Wasserturm, sondern auch über eine Solaranlage verfügte, die für elektrisches Licht im Haupthaus sorgte. Vor dem Abendessen fand eine kurze Nachtwanderung durch den umliegenden Wald statt. Im Licht der Taschenlampen tauchten dabei ein Frosch, eine Vogelspinne, eine Grille und andere Insekten aus der Dunkelheit auf. Als wir zurückkehrten hatten die beiden Köche in der vergleichsweise gut eingerichteten Küche bereits ein leckeres Mahl zubereitet und der Tag klang bei lockeren Gesprächen langsam aus. Ich erfuhr unter anderem, dass die Gruppe, zu der Professoren, Ärzte und Richter gehörten, alle zwei Jahre gemeinsam eine Fernreise macht und schon in Indien, Tansania und in der Karibik gewesen war. Einer der Ärzte erzählte mir auch, dass es in Holland viel preiswertere Malaria-Präparate gebe als in Deutschland, die auch ebenso wirksam sind, aber in Deutschland keine Zulassung hätten.

Wohnhäuser der Machiguenga-Indianer im Manu Nationalpark.

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