18. Tag

Beim Frühstück im tropischen Garten mit einem kleinen Felsenpool erzählte Jessica, dass sie eine Rangerin aus dem Hluhluwe-Imfolozi-Nationalpark kenne und diese mal gefragt habe, warum die Straßen dort so schlecht seien. Es wäre kein Geld da, sei die Antwort gewesen. Später habe sie dann aus der Presse erfahren, dass der schwarze Geschäftsführer des Parks verurteilt worden war, weil er 70 Mio. Rand für sich beiseite geschafft hatte. Es sei überall das Gleiche, die Schwarzen würde politisch gewollt auf die höchsten Posten gehieft und hätten dabei zwar keine Ahnung, aber ihr eigenes Wohl im Sinn. So wäre es auch bei der Betreiber-Gesellschaft der elektronischen Maut im Großraum Johannesburg. Die örtlichen Taxifahrer würden diese deshalb einfach boykottieren und viele Südafrikaner ebenfalls. Auch sie selbst hätte schon viele Rechnungen und Mahnungen für das Auto ihrer Tochter erhalten, diese aber nicht bezahlt. 

Wir fuhren dann durch Durban, am Stadion der Fussball-WM vorbei, und auf der N3 nach Norden. Auf Jessicas Tipp hin verließen wir die Schnellstraße hinter Pietermaritzburg und wechselten auf die R103, die sich als „Midlands Meander“ durch das Vorland der Drakensberge schlängelt. Die Strecke führte vorbei an der Mandela Capture Side, wo dieser 1962 auf der Flucht vor der Polizei verhaftet wurde und 1992 selbst das Denkmal zu diesem Ereignis einweihte, sowie vielen Geschäften, etwa für selbstgemachte Lederwaren, Käse nach Schweizer Art oder Franks German Sausages. Außerdem passierten wir zahlreiche B&Bs und auch einige noble Anwesen mit Gästezimmern. Bei Estcourt verloren wir dann im Geflecht der streckenweise schlecht ausgeschilderten Landstraßen etwas die Orientierung und folgten in der irrigen Annahme, dass das Giant’s Castle Game Reserve ganz in der Nähe der Ardmore Guest Farm liege, den entsprechenden Schildern. So fuhren wir vorbei an vielen Zulu-Dörfern und erreichten schließlich bei einsetzendem Regen eine Schlaglochpiste, die nach ca. 15 km am Schlagbaum des Schutzgebietes endete. Da es schon 15 Uhr war, gab es dort jedoch keine Führungen mehr zur berühmten Höhle mit der Rock-Art der San. Das war allerdings kein Problem, denn dazu hätten wir ohnehin keine Zeit gehabt, wie sich bald herausstellte.
Zuerst fragten wir zwei schwarze Minibusfahrer nach dem Weg zu unserer Guestfarm, beide waren zwar sehr freundlich, konnten uns jedoch keine Auskunft geben, daher hielten wir schließlich an einem großen Farmhaus mit Funkantennen auf dem Dach, mehreren Geländewagen davor und drei großen Hunden als Begrüßungskomitee. Der weiße Besitzer war aber sofort sehr hilfsbereit, bat mich ins Wohnzimmer und erklärte, dass wir in der völlig falschen Ecke gelandet seien und noch gut 100 km weit fahren müssten. Da er selbst im Champagne Valley, unserem Tagesziel, aufgewachsen war, zeichnete er eine detaillierte Wegskizze und rief außerdem auf der Guestfarm an, um mitzuteilen, dass wir erst später kommen würden. Wir erreichten unsere Unterkunft dann schließlich kurz vor 18 Uhr. Das Cottage war toll und vor dem Abendessen um 19 Uhr erzählte uns der Besitzer Paul, daß er die Farm 1995 gekauft und für Gäste umgebaut habe. Anbauen würde er aber nur noch Eukalyptus-Bäume für die Papierindustrie. Einige klassische Farmer in der Umgebung hätten dagegen aufgrund der derzeitigen „green drouth“, einer Dürre mit vereinzelten Regenschauern aber insgesamt zu wenig Niederschlag, schon ihre diesjährige Ernte verloren

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