22. Tag

Bevor wir die Fahrt über den Salar fortsetzten, erkundeten wir unser Eiland im großen weißen Salzmeer noch ein wenig. Bei der Umrundung einer kleineren Nachbarinsel, auf der allerdings nur wenige Kakteen wuchsen, fuhr ich dann unvorsichtigerweise auf die instabile Salzkruste im Uferbereich. Erst der zugeschaltete Allradantrieb machte unser zentimetertief eingesunkenes Fahrzeug wieder flott. Auf dem Weg zum Ostrand des Salzsees schwenkten wir schließlich auf die Hauptfahrtroute ein, die so stark frequentiert war, dass man sie gut an der durch den Reifenabrieb etwas dunkleren und völlig glatt geschliffenen Oberfläche erkennen konnte. Vorbei am wegen Abwasserproblemen inzwischen zum Cafe umfunktionierten ersten Salzhotel erreichten wir schließlich Colchani. Der ganze Ort lebt fast ausschließlich vom Salz, das hier zerkleinert und kegelförmig aufgehäuft wird, bevor uralte LKWs das „weiße Gold“ abtransportieren. Am Ortsrand befand sich ein neu gebautes Salzhotel, beim Blick durch die verschlossene, gläserne Eingangstür sahen wir Tische und Stühle aus gesägten Salzblöcken sowie einen langen, lichten Flur mit Wänden aus mit Salz verputzten Salzquadern und einem mit groben Salzkristallen bestreuten Boden. In der Mitte des Ganges befand sich ein quadratischer, in den Boden eingelassener Sitzbereich mit Kissen auf den umlaufenden Salzbänken. Der einzige anwesende Angestellte erklärte uns das Hotel sei wegen Umbauarbeiten zur Zeit geschlossen. Also fuhren wir weiter und erreichten am Abend den ehemaligen Eisenbahnknotenpunkt Uyuni, wo ich auf dem „cementerio de las locomotoras“ ein gutes Dutzend alter Dampfrösser im Licht der untergehenden Sonne bewundern konnte. Die imposanten Schlepptender-Lokomotiven verschiedenen Typs waren vollkommen ausgeschlachtet, teilweise war selbst der Kessel vollständig demontiert. Sie rosteten auf stillgelegten Gleisen am Stadtrand langsam vor sich hin, in unmittelbarer Nachbarschaft eines zweiten Abstellbereichs mit zahlreichen Waggons.

Der „cementerio de las locomotoras“ am ehemaligen Eisenbahnknotenpunkt Uyuni.

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