2. Tag

Um 5.20 Uhr fingen die ersten Vögel im Garten an zu zwitschern und es begann langsam zu dämmern. Aufgrund einer geschlossenen Wolkendecke gab es beim Sonnenaufgang um 6.10 Uhr aber kein Farbenspiel am Himmel und auch keinen malerischen Morgennebel in den Niederungen. Es wurde einfach nur allmählich heller und der Himmel blieb grau. Weil die Wolken nachts die Wärmestrahlung der Erde reflektiert hatten, waren die bodennahen Luftschichten nicht stark genug abgekühlt, um den Taupunkt zu erreichen. Dann hätte die Luft weniger Wasser aufnehmen können und der überschüssige Anteil wäre in Form von Nebelbänken kondensiert. Ideale Voraussetzungen dafür sind eine Hochdruckwetterlage und eine sternenklare Nacht.

Nach dem leckeren Frühstück stand der Besuch Sienas auf dem Programm. Die gotische Stadt war die ewige Widersacherin der 70 km Luftlinie entfernten Renaissance-Metropole Florenz, der sie sich 1555 aber endgültig geschlagen geben musste. Von unserer Klosterunterkunft konnte man die markanten Türme von Rathaus und Dom im nur 10 km entfernten Siena schon gut erkennen. Wir steuerten dort das einfach zu erreichende und mit 2 Euro Tagespauschale sehr günstige Parkhaus am Bahnhof an. Schon bei der Einfahrt muss man sich darin für eine der beiden Ebenen mit insgesamt 502 Stellplätzen entscheiden, denn eine Durchfahrt gibt es nicht. Über dem Parkhaus befindet sich das kleine Einkaufszentrum „Galleria PortaSiena“ mit Supermarkt, Foodcourt und WC. Von dort führt ein halbes Dutzend leise quietschende Rolltreppen hintereinander hinauf zur Innenstadt. Wendet man sich oben angekommen nach links, so gelangt man bald zur Porta Camollia, einem der Tore der alten Stadtmauer. In die Altstadt führen dann enge Gassen, gesäumt von den Backsteinpalästen des Adels. Vorbei am Palast der Monti dei Paschi di Siena, der ältesten Bank der Welt, die einst die mächtigste der Stadt war, Ende 2016 aber vom italienischen Staat vor der Insolvenz gerettet werden musste, gelangt man bald zur Piazza Il Campo. Diese befindet sich an der niedrigsten Stelle Sienas, im Tal zwischen drei Hügeln, auf denen sich die „terzi“, die natürlich gegliederten Stadtdrittel erheben. Den muschelförmigen Platz selbst, der als der schönste der Toskana gilt und entsprechend überfüllt war, dominiert das Rathaus mit dem 87 m hohen Torre del Mangia. Die Piazza ist zwei Mal im Jahr auch Austragungsort des Palio, eines Pferderennens mit halsbrecherischen Runden um den Platz.

Nur wenige hundert Meter weiter auf dem Domplatz steht der Duomo Santa Maria an der höchsten Stelle der Stadt. Baubeginn war 1210, die Gotikfassade wurde aber schon im 14. Jh. neu konzipiert. Geplant war eigentlich den heutigen Dom zum Querschiff eines noch gewaltigeren Kirchenbauwerks zu machen. Errichtet wurde davon aber nur ein Bogen der geplanten neue Fassade, dann machte 1348 eine Pestepidemie die weitere Finanzierung zunichte. Berühmt ist der Dom für seine Fußbodenbilder, die heute nur zu bestimmten Terminen ganz zu sehen sind. Sie wurden im 15. Jh. in die Marmorplatten geritzt und mit Teer ausgefüllt. Auch die Innenaustattung ist prächtig. Besonders sehenswert sind die Fresken in der Libreria Piccolomini, die der spätere Papst Pius III aus der Familie Piccolomini Ende des 15 Jh. malen ließ, um an seinen Onkel Papst Pius II zu erinnern. Die großformatigen Bilder zeigen Szenen aus dessen Leben. Unter dem Dom kann man die Krypta mit Fresken aus dem 13. Jh. besichtigen. Noch ein Stockwerk tiefer liegt das Baptisterium, die Taufkirche mit weiteren Fresken aus dem 15. Jh.. Dort gibt es auch eine sehr künstlerische Multimedia-Show, die alle 30 Minuten für 30 Zuschauer startet. Die Wartezeit kann also schnell eine Stunde oder länger sein, so dass man sich überlegen sollte, ob sich der Zeitaufwand lohnt.

Wir besuchten dann noch das Fontebranda am Fuße des Domhügels. Das älteste und schönste Brunnenhaus der wasserarmen Stadt ähnelt einer kleinen Festung. Viele Brunnenhäuser waren bei Belagerungen lebenswichtig, daher befinden sich im Untergrund Sienas ergänzend auch geschätzte 25 km leitungsähnliche tonnenförmige Wasserspeicher. Vom Brunnenhaus führten Treppen hinauf auf den gegenüberliegenden Hügel zur großen, sehr sparsam ausgestatteten Hallenkirche „San Domenico“ aus dem 13. Jh.. Ein Schmuckstück dieses Gotteshauses ist das einzige authentische Bild der heiligen Katharina von Siena, deren Haus mit der Kapelle Santa Caterina bis heute etwas weiter unten am Hang steht. Zum Abschluss des Stadtbesuchs drehten wir noch eine Runde durch den Supermarkt des Einkaufszentrums.

Die prächtigen Fresken der Libreria Piccolomini im Dom von Siena erinnern an Papst Pius II.

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