10. Tag:

Beim verabredeten 8 Uhr-Termin bei Schwab Motors war der mit Wasser vollgesogene Dieselfilter in 10 Min. ausgetauscht. Herr Zwicker, der aus Schwaben ausgewanderte Chef, beaufsichtigte seine drei Mechaniker bei den Arbeiten persönlich und wünschte uns dann eine gute Fahrt. Sehr gesprächig war er nicht, aber sehr hilfsbereit und die 350 N$ für den neuen Filter mussten wir auch nicht bezahlen, die würde er Avis in Rechnung stellen. Vorbei an Kolmanskop, den Wildpferden und Klein-Aus Vista fuhren wir dann auf der B4 zurück bis Aus und bogen dort auf die C13 ab. Die Schotterpiste war weniger gut gepflegt als die bisherigen Strecken und führte ziemlich kurvenreich durch felsiges Gelände. Schließlich erreichten wir das fast 2.000 km2 große, private Namib Rand Reserve mit rotem Sand, einigen Oryx-Antilopen und einer langgestreckten Düne, hinter der das exklusive Wolvedans Dune Camp lag. Gegen 14 Uhr kamen wir dann an der Nubib Mountain Guest Farm an. Unsere Gastgeber Irmelien und Horst Baumann mit Rhodesian Ridgeback-Hündin Senja waren sehr nett und servierten als erstes eine kühle Cola auf der schattigen Terrasse in einem hübsch angelegten Garten, in dem unter anderem Mandarinen- und Marula-Bäume standen. Aus den Früchten machte Irmelien Marmelade. Horst, der auch Jagdführer ist, erzählte, dass auf dem 30.000 ha großen Gelände viele verschiedene Tiere lebten, wie wir auch bei der anschließenden Sundowner-Fahrt selbst erlebten. Wir sahen Oryx-Antilopen mit Nachwuchs, Berg- und Steppenzebras, Kuhantilopen, Springböcke und einen der auf der Farm lebenden Erdwölfe. An zwei Wasserstellen hatte Horst außerdem Fotofallen aufgestellt und zeigte uns Bilder von Leoparden, Geparden und braunen Hyänen. Er erklärte, dass eine Leoparden-Jagd 14 Tage dauere. Dabei wird versucht den Leoparden mit einem Köder anzulocken, während der Jäger in 75 m Schussentfernung ansitzt. Die Raubkatzen seien aber sehr schlau und vorsichtig, in der Regel kämen sie kein zweites Mal an dieselbe Stelle, so dass ein holländischer Jäger z.B. drei Mal anreisen musste, bevor er endlich seine Trophäe mit nach Hause nehmen konnte. Außerdem müsse man bei angeschossenen Tieren sehr aufpassen, da diese meist erst weglaufen, sich später aber auf der eigenen Spur hinlegen würden, um versteckt auf ihren Verfolger zu warten und diesen dann ganz unvermittelt anzugreifen.

Weil die Leopardenjagd so schwierig sei, würden von der jährlichen Quote von 200 Tieren in Namibia oft nur die Hälfte erlegt. In Südafrika gebe es dagegen schon Jagd-Angebote, wo man sich seinen Löwen auf Fotos im Internet aussuchen könnte. Nach der Anreise wird das Tier dann aus einem Käfig in ein überschaubares Freiareal gelassen und könne dort garantiert geschossen werden. Selbst von nicht mehr so treffsicheren, etwas betagteren Schützen. Für Horst ist das aber keine richtige Jagd. Ein Problem sind für ihn auch Schutzprojekte wie Africat auf Okonjima, die viel mehr Leoparden und Geparden „retten“ bzw. züchten, als sie selbst halten können. Die überzähligen Tiere würden dann einfach irgendwo freigelassen, oft zum Schaden der örtlichen Farmer. Wenn diese Schafzucht betreiben, könne ein Gepard z.B. einfach 5-10 Tiere töten, weil sie eine so leichte Beute seien, auch wenn er sie dann garnicht frisst. Ein Leopard mache so etwas dagegen nicht. Aufgrund der vielen Geparde, Schakale und Raubvögel in der Gegend hat Horst die eigene Hühnerzucht längst aufgegeben und die überlebenden Tiere an Nachbarn verschenkt.

Früher war er bei der Armee gewesen und hatte unter Leitung des Hauptquartiers im südafrikanischen Pretoria gegen die namibische Unabhängigkeitsbewegung SWAPO gekämpft. Später war er technischer Leiter der Rössing Mine, die bei ihrer Eröffnung 1978 die modernste der Welt gewesen sei. Seit 30 Jahren besitzt er die Farm und wohnt seit vier Jahren mit seiner Frau auch dort. Obwohl seine aus Siegen stammende Familie in der dritten Generaton in Namibia lebt, verfolgt er über das Sat-TV im Wohnzimmer die Geschehnisse in Deutschland und Europa ganz genau. Beim Abendessen mit gefülltem Oryxbraten und farmeigenen Salat, der nur im Gewächshaus gedeiht und im Freien sofort abgefressen würde, erzählte er, dass der Gnukopf über dem Esstisch vom ersten Tier auf der Farm stamme, das sich dann aber ein Bein gebrochen habe und erschossen werden musste.

Straße durch die Wüstenlandschaft bei Aus.
Straße durch die Wüstenlandschaft bei Aus.

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