10. Tag

Bei strahlendem Sonnenschein fuhren wir nach Alnwick. Die dortige Burg aus dem 11. Jh. ist der Sitz der Herzöge von Northumberland, die aus der Familie Percy stammen. Die zwischenzeitlich verfallene Burg machten die Percys im 18. und 19. Jh. zu einem Schloss im Stil der italienischen Renaissance. Den Park gestaltete Lancelot „Capability“ Brown, der schon auf dem Gelände des Chatsworth House tätig gewesen war. Den sehenswerten Garten hat die heutige Herzogin mit privaten Mitteln und EU-Geldern aufwändig umgestalten lassen. Neben dem Garten steht zudem ein riesiges Baumhaus, das ein Restaurant beherbergt.

Im Sommer sind auch die Prunkgemächer der Burg zu besichtigen, dann wohnt die Familie auf ihrem Landsitz in Schottland. Im Winter lebt sie aber in Alnwick. Die Bibliothek ist deshalb zum Beispiel mit 14.000 alten Büchern und einem großen Flachbild-Fernseher ausgestattet. Das Gemäuer war schon Drehort vieler Hollywood-Filme, so lernte Harry Potter zum Beispiel auf dem äußeren Burghof das Fliegen auf dem Besen und Ballspiel Quidditch.

Am Nachmittag fuhren wir weiter nach Whitby. Der hübsche Ort konnte sich bis heute den Charme eines kleinen Seehafens bewahren. Die Beschreibung von Whitby, die Bram Stoker 1890 für seinen Gruselroman Dracula verfasste, trifft noch immer zu. Bereits 1746 kam James Cook als 18-jähriger in den Ort und begann eine Lehre beim Schiffsbesitzer John Walker. Nach neun Jahren auf Frachtschiffen, die nach London, Holland, Norwegen und ins Baltikum fuhren, war Cook dann gerüstet für seine weltberühmten Entdeckungsfahrten. Alle vier Schiffe für seine Expeditionen, auch die Endeavour, liefen im Fishburn’s Yard am Westufer des Erk in Whitby vom Stapel. Zwischen 1753 und 1833 lagen außerdem bis zu 55 Walfänger im Hafen. In dieser Zeit wurden dort 25.000 Robben und 2.761 Wale angelandet. William Scoresby Senior, der Erfinder des Krähennests, des Ausgucks oben am Mast, brachte dabei von jeder Reise in die Arktis eine Rekordtonnage heim.

Nach dem Abendessen in einem Pub mit Blick auf den Fluss erklommen wir die alte Steintreppe mit 199 Stufen, hinauf auf die östlichen Klippen zur St. Mary’s Church inmitten eines alten Friedhofs. Die verwitterten Grabsteine aus dem 18. Jh., die dort in dichten Reihen auf der Wiese stehen, inspirierten Stoker zu seiner Vampir-Geschichte. Auf uns wirkten sie in der Abenddämmerung aber eher romantisch und keineswegs gruselig. Hinter der Kirche befindet sich zudem die Ruine der Whitby Abbey, die 657 von der heiligen Hilde gegründet wurde. Dort fand 664 eine Synode statt, die den Streit um das keltische Brauchtum oder den römischen Ritus zugunsten Roms beilegte. Seit der Auflösung der Klöster durch Heinrich VIII. verfiel das Gemäuer. Der Sandstein war aber so solide, dass er dem rauen Küstenklima lange widerstand und der Vierungsturm erst 1830 zusammenbrach. Direkt neben der Abtei steht auch die Jugendherberge des Ortes mit einer tollen Aussicht, die aber leider schon Monate vor unserer Reise komplett ausgebucht war.

Als wir an der Mauer des Abteigeländes standen, kam ein Mann mittleren Alters vorbei und meinte wir sollten doch einfach drüber klettern. Er sei Einheimischer, das machten hier alle so und niemand würde etwas sagen. Wir verzichteten trotzdem.

Den Garten von Alnwick Castle hat die heutige Herzogin mit privaten Mitteln und EU-Geldern aufwändig umgestalten lassen.

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