23. Tag

Am Morgen hatten sich ein paar Blocks die Straße hoch zwei langen Menschenschlangen gebildet, die vor einer Essensausgabe anstanden. Wir fuhren dann mit der Metro zum MoMA, wo wir einen ipod als Audioguide bekamen. Dieser erklärte z.B., dass das Museum schon zwei Seerosen-Bilder von Monet gekauft hatte, als sich noch niemand dafür interessierte. Die Kunstwerke wurden aber später durch einen Brand zerstört und das MoMA erhielt daraufhin viele „Beileidsschreiben“. 1959 konnte man jedoch ein neues Seerosen-Triptychon in Paris erwerben, das heute zu den Highlights der Ausstellung zählt. Und über Jackson Pollock erfuhren wir, dass er eine körperliche Anstrengung in den Schaffensprozess seiner Bilder einbringen wollte, und deshalb dazu überging die Leinwand auf den Studioboden zu legen und dann Industrielacke mit mehr oder weniger kraftvollen Pinselschwüngen aufzuspritzen. Da die Lacke sehr beständig sind, waren bisher auch keine großen Restaurierungsarbeiten erforderlich. Zu Jasper Jones hieß es, er habe seine berühmte USA-Flagge nicht gemalt, sondern aus dünnen Holzstücken zusammengesetzt. Dann klebte er alte Zeitungsschnipsel darauf, deren Daten auf die Entstehungszeit hinweisen, und bemalte sie. Gegen Mittag füllte sich das Museum und wir machten uns auf den Weg zu Macy’s. Am Hilton Hotel vorbei, das mit der „minus5° Icebar“ eine neue Attraktion für 20 US$ Eintritt inklusive Mantel hatte, erreichten wir schließlich das Kaufhaus. Seine Fenster waren mit Lichteffekten aufwendig gestaltet und das Erdgeschoß schmückte eine pompöse Weihnachtsdekoration. Da die Black Friday-Angebote noch galten, war es aber so voll, dass wir schnell wieder gingen. Mit Einbruch der Dämmerung kam ich dann am High Line Park an, der sehr schön angelegt ist, mit vielen Bänken und einigen Liegen mit Blick über den Hudson River. Bepflanzt hat man die alten Hochbahntrasse mit Gräsern, Sträuchern oder auch einem kleinen Birkenwäldchen. Die Strecke säumen Luxusapartments und am südlichen Ende mitten im trendigen Meatpacking District entsteht gerade ein Neubau für das Whitney Museum, das 2015 eröffnet werden soll. In die alten Fabrikgebäude ringsherum sind schicke Restaurants und Boutiquen eingezogen, zudem liegt dort in der gleichnamigen Straße das Gansevoort Hotel mit seiner hippen Rooftop-Bar.

Von dort lief ich zurück nach Norden bis zur „230 Fifth“, der größten Rooftop-Bar der Stadt. Am Hauseingang gibt es nur ein Schild, man geht dann am Portier vorbei nach hinten zu den Aufzügen und fährt in den 20. Stock. Dort führt eine Treppe von der edlen Lounge aufs Dach, wo im Winter eine Garderobe Umhänge und Decken gegen die Kälte bereithält. Die spärlich besetzten Sitzplätze boten einen schönen Blick auf das benachbarte Empire State Building, dabei war die sommerliche Palmendeko einem Weihnachtsbaum, Rentieren und großen Zuckerstangen gewichen. Als ich das Gebäude wieder verließ, standen im Windfang des Eingangs schließlich doch einige Pärchen in edlem aber dünnem Zwirn, die wohl in der Lounge speisen wollten. Über den Broadway ging es ich dann zurück zum Apartment und dabei war es aufgrund der vielen Blocks Fußmarsch auch garnicht mehr so kalt.

Abendstimmung im High Line Park.
Abendstimmung im High Line Park.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Ich akzeptiere

Autor *:

Webseite: